Der aktuelle Seuchenzug der Geflügelpest hat das Zentrum der Geflügelhaltung in Deutschland erreicht. Nachdem der Virustyp H5N8 in einem Putenstall im niedersächsischen Barßel bestätigt wurde, hat der Landkreis Cloppenburg umgehend die Tötung der insgesamt rund 16.000 Tiere und einen 72-Stunden-Stand-Still um den betroffenen Stall angeordnet. Das bedeutet, dass Nutztiere, Eier, Gülle und Mist nicht zwischen den Betrieben und aus dem Gebiet heraus transportiert werden dürfen. In einem benachbarten Betrieb werden ab Donnerstagabend weitere 92.000 Tiere getötet, teilte die Kreisverwaltung auf Anfrage von agrarzeitung.de mit. Im Sperrgebiet gibt es 75 Geflügel haltende Betriebe mit insgesamt rund 270.000 Tieren. Im Beobachtungsgebiet sind 134 Betriebe mit rund 885.000 Tieren betroffen.

Tierschutzbund warnt vor "Panikaktionen"

Der Deutsche Tierschutzbund lehnt die vorsorgliche Tötung gesunder Tiere vehement ab. Statt solcher "Panikaktionen" müssen die Landwirte zu noch strikterer Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen angehalten werden, rät der Verband. Er sieht sich angesichts der Epidemie in seinen Warnungen von großen Tierställen bestätigt. Besonders in Regionen mit sehr hoher Tier- und Betriebsdichte, wie in Cloppenburg und anderen Landkreisen Niedersachsens, sei das Ansteckungsrisiko bei Virusverbreitung erhöht.

Erster Fall in Sachsen-Anhalt

Am Mittwoch hat das Friedrich-Loeffler-Institut, Insel Riems, zwei Geflügelpestverdachtsfälle in Sachsen-Anhalt bestätigt. Dabei handelt es sich um einen Nachweis von  H5N8 bei einem tot aufgefundenen Schwan im Landkreis Jerichower Land und um einen Seuchenausbruch in einer kleinen Hühnerhaltung im Landkreis Harz. „Aufgrund der neuen Risikolage haben wir sofort entschieden, eine landesweite Aufstallung von Geflügel anzuordnen, in begründeten Einzelfällen sind jedoch auch Ausnahmen möglich“, informiert Agrarministerin Claudia  Dalbert (Grüne). Damit unterliegen auch außerhalb von Risikogebieten liegende Geflügelhaltungen dem Aufstallungsgebot. Seit Wochenanfang sind Geflügelausstellungen und Marktstände verboten. (SB/da)
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