Für die Putenhalter wächst der Druck, auf das Kürzen der Schnäbel zu verzichten.
-- , Foto: Stefen Bach
Für die Putenhalter wächst der Druck, auf das Kürzen der Schnäbel zu verzichten.

Bei der überwiegenden Zahl der in Deutschland gehaltenen Mastputen kann bisher nicht auf das Kürzen der Schnäbel verzichtet werden, heißt es in einer Mitteilung des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Während für Legehennen bereits viele Erkenntnisse über die Mechanismen und Risikofaktoren für das Federpicken vorlägen, seien das Wissen im Fall der Puten noch sehr lückenhaft, nimmt das BMEL Stellung auf eine parlamentarische Anfrage der Partei Die Linke. Federpicken habe in der Putenhaltung erfahrungsgemäß noch viel gravierendere Auswirkungen als bei den Legehennen, so dass bis auf weiteres kaum auf das Kürzen der Schnäbel verzichtet werden könne.

Netzwerk von Demonstrationsbetrieben geplant

Dennoch gebe es nach Kenntnis des Ministeriums einige Betriebe, die erfolgreich auf das Kürzen verzichten. Ob und inwieweit deren betriebsindividuellen Gegebenheiten einen Vorbildcharakter haben könnten, sei derzeit nicht zu beurteilen. Daher fördere die Bundesregierung über Modell- und Demonstrationsvorhaben den Transfer von Forschungsergebnissen in die landwirtschaftliche Praxis. In diesem Rahmen soll ab dem Jahr 2016 ein Netzwerk von Demonstrationsbetrieben zur Verbesserung tierschutzrelevanter Haltungsbedingungen in der Aufzucht nicht schnabelgekürzter Puten eingerichtet werden, so das Ministerium.

Freiwillige Vereinbarung für Legehennen

Im Juli 2015 hatte die Geflügelwirtschaft eine freiwillige Vereinbarung beschlossen, dass ab August 2016 in der Legehennenhaltung in Deutschland vollständig auf das Kürzen der Schnäbel verzichtet werden solle. Voraussetzung dafür war die Schaffung der Möglichkeit, nach tierärztlicher Anweisung vorübergehend eine vollständige Dunkelheit in Ställen zu schaffen. Dieses Vorgehen wäre sonst nach geltendem Recht ein Verstoß gegen den Tierschutz. (jst)
stats