Moderatorin Anna Planken stimmt auf den tendenziösen Antibiotika-Beitrag ein.
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Moderatorin Anna Planken stimmt auf den tendenziösen Antibiotika-Beitrag ein.

Das Arrangement war nett: goldene Strohballen, rotbunte Deckchen und rosa Schweinchen im Hintergrund. Die WDR Sendung „Markt“ hatte vergangene Woche Landwirte, Politiker und Tierärzte vor dem Außenklimastall des Naturland-Schweinehalters Wilhelm Eckei zum Thema Antibiotikaeinsatz versammelt. Unter dem Stichwort „Konstruktiver Journalismus“ sollte nicht skandalisiert werden, sondern bewusst über positive Entwicklungen und mögliche Lösungsansätze diskutiert werden. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. „Wir sind gespannt!“, kündigte beispielsweise die ISN die Sendung in positiver Erwartung an. 


Allerdings gelang es dem WDR nicht, die bekannten Verursacher-Opfer-Muster zu verlassen. Das wurde schon bei der Ankündigung klar. „Wir lassen keinen aus der Verantwortung heraus“, moderierte die Markt-Journalistin Anna Planken am Mittwoch den 10-minütigen Einspieler an. Gezeigt wurde anfangs ein Krankenhauspatient, der aufgrund von resistenten Keimen dem Tod gerade noch von der Schippe springen konnte. Anschließend wurde einzig die Landwirtschaft als Produzent von Resistenzen vorgeführt. 

Röring ist "höchst verärgert"

Sieben Leute saßen zur anschließenden Diskussion auf den Strohballen. Die konventionelle Landwirtschaft vertrat Johannes Röring, Schweinehalter, Vorsitzender der DBV-Fachgruppe Schweinefleisch und Mitinitiator der Initiative Tierwohl. Tatsächlich kam der aber in dem Zusammenschnitt gar nicht zu Wort. Stattdessen konnten nur der grüne NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel, der gastgebende Naturland-Landwirt und zwei Tierärzte ihre Argumente vortragen. "Ich bin höchst verärgert", erklärt Röring heute gegenüber der agrarzeitung (az). "Das ist kein konstruktiver Journalismus, sondern selektiver Journalismus." Er habe mit ettlichen Initiativen dazu beigetragen, dass sich in der Tierhaltung zu dem Thema Antibiotika viel bewege. "Es wäre ja wohl ein Ding, wenn ich nichts dazu zu sagen hätte", ärgert sich Röring auch heute noch. Als Konsequenz werde er dem WDR als Gesprächspartner nicht mehr zur Verfügung stehen und sich sowohl an die dortigen Redakteure als auch den Intendanten wenden.


"Das war kein konstruktiver Journalismus", empört sich nach der Sendung auch die ISN. Die Redaktion von WDR-Markt sei in die Antibiotikafalle getappt. Sie habe das Problem der resistenten Keime ab der ersten Sendesekunde auf die landwirtschaftlich assozierten Erreger reduziert. Dabei seien die Humanmedizin und auch die Erfolge in der Tierhaltung ausgeblendet worden. Für besonders verwerflich hält es die ISN, dass "landwirtschaftliche Vertreter – und damit die Gegenposition zu Minister Remmel" ganz aus dem Beitrag rausgeschnitten wurden.

Vortäuschung falscher Tatsachen


Die Kommentare auf Twitter und Facebook gehen in die gleiche Richtung. Sie reichen von einem einfachen „Schlecht“ bis zu "Der Beitrag war leider wenig überraschend und das ist das Alarmierende!“. Rolf Nathaus, der als Vertreter der Tierärzte mit auf den Strohballen saß, erwärgt einen (konstruktiven) Brief an den Intendanten des WDR sowie eine Beschwerde beim Deutschen Presserat. Er empfindet die "Rahmenbedingungen seiner Einladung zur Sendung in Abgleich zum miesen Ergebnis" als offensichtliche Vortäuschung falscher Tatsachen.

Die ISN macht noch einmal darauf aufmerksam, dass MRSA-Keime, die im Krankenhaus gefunden werden, je nach Untersuchung nur zu 0,8 bis 5 Prozent mit Tieren (auch Heimtieren) zu tun haben. (kbo)
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