Medien

WDR gibt sich selbstkritisch


Der Tierarzt Rolf Nathaus empfindet die Einladung zur WDR-Sendung "Markt" als Täuschung. Unter dem Stichwort "konstruktiver Jounalismus" sollte lösungsorientiert über Antibiotikaresistenzen diskutiert werden. Nach einem dreistündigen Vorgespräch mit dem verantwortlichen Redakteur kann er sich nur mehr als wundern, dass "diese Sendung so katastrophal geendet" ist. 


Um so mehr fühlte er sich motiviert einen Beschwerdebrief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow zu verfassen. Denn eigentlich habe er darauf gebrannt, in einem öffenlichen Termin zum Thema zu Wort zu kommen. Doch Nathaus Position ist in dem zehnminütigen Beitrag kaum dargestellt. "Das Thema Antibiotikaminimierung ist noch nicht abgehakt. Doch das soll nicht als Versagen dargestellt werden. Es geht darum etwas zu bewegen. Und die Bereitschaft dazu ist da", erklärt Nathaus. 

Sender mit vorgefertigter Meinung


Mitdiskutant Johannes Röring geht den gleichen Weg. Und er hat noch mehr Anlass, sich zu beschweren. Denn der Schweinehalter und DBV-Vertreter ist in dem Beitrag zwar zu sehen, aber mit keiner Aussage zu hören. Röring wirft Buhrow in seinem Brief vor, dass die Meinung des WDR (kontra Landwirtschaft) vorgefertigt sei und nur noch nach schönen Bauernhofmotiven zu Bebilderung gesucht würden. Nur am Rande sei erwähnt, dass Röring den Kontakt zum Landwirt, auf dessen Hof die Sendung gedreht wurde, hergestellt hat. Röring wirft dem Sender vor, dass Erlebnisse wie diese das Vertrauen in die öffentlich-rechtliche Berichterstattung erschüttern.


Entschuldigung gegenüber Röring


Der WDR erklärt heute gegenüber der agrarzeitung (az), dass die Sendung Meinungsunterschiede nicht verschweige. Die Meinung des WDR beziehungsweise der Redaktion „Markt“ sei keineswegs vorgefertigt. Gleichzeitig sind die Reaktionen auf die Sendung Anlass zur Selbstkritik. Die Redaktion hätte "noch plastischer darauf hinweisen können, dass auch der Umgang mit Antibiotika für Menschen ein Grund für den Anstieg von Resistenzen" sei, so der WDR. Außerdem drückt die Redaktion ihr Bedauern gegenüber Johannes Röring aus, dass er nicht zu Wort gekommen ist. Die komplette Aufzeichnung der Diskussion soll m
am morgigen Mittwoch auf der Online-Seite: markt.WDR.de zu sehen sein. 


"Kein Arsch in der Hose"

Zwischenzeitlich hatte sich der verantwortliche Redakteur bei dem Tierarzt Rolf Nathaus gemeldet. Der unvollständige Zusammenschnitt sei einem technischen Versagen zuzuschreiben, erklärte der. Eine Kamera sei ausgefallen. "Bei einer technischen Panne muss man dann aber auch den Arsch in der Hose haben, den Beitrag ganz sein zu lassen", empört sich Nathaus. (kbo)


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