Demo-Organisatoren

Wege für Akzeptanz gesucht


2015 demonstrierten Landwirte aus Westfalen in Berlin.
-- , Foto. WLV
2015 demonstrierten Landwirte aus Westfalen in Berlin.

Die Interessen beider Gruppen seien eigentlich ähnlich: Die Diffamierung der Landwirte in der Öffentlichkeit muss endlich aufhören, so die Sprecher der Initiativen heute während einer Diskussionsveranstaltung im Vorfeld der Demonstrationen am 16. Januar 2016 im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW). Die bereits traditionell stattfindende Großdemonstration „Wir haben es satt" habe in den vergangenen Jahren ihren Charakter verändert, sagte Jochen Fritz als Mitinitiator der Demonstration. Dabei sei auch festzustellen, dass sie sich von ihrem ursprünglichen Ziel einer Neuausrichtung der Agrarpolitik in Teilen entfernt habe. Heute würden auch andere Gruppen mit teilweise extremen Positionen sich daran beteiligen. Die ursprüngliche Initiative stimme daher nicht für alle während des Demonstrationszuges gezeigten Transparente und vertretenen Positionen überein, so Fritz. Sein Anliegen sei es vielmehr, auf die seiner Ansicht bestehenden Fehlentwicklungen in der Agrarpolitik hinzuweisen. Dazu gehöre beispielsweise die Überbetonung des Exports in der Agrarwirtschaft. In der Konsequenz sei für viele Betriebe die Existenzgrundlage gefährdet und der Strukturwandel beschleunigt ablaufen. Dies betreffe sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftende Landwirte.

Schmidt soll sich engagieren

Als Vorstandsmitglied der Initative und Bundesgeschäftsführer des Vereins Neuland begrüßte Jochen Dettmer die Initiative des Vereins Lebensmittelwirtschaft (LMW), der die Veranstaltung organisiert hatte. „Eigentlich sei die Organisation eines solchen runden Tisches die Aufgabe des Bundeslandwirtschaftsministeriums", meinte er. Einen ersten Ansatz dazu habe es unter der früheren Agrarministerin Ilse Aigner und deren „Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" gegeben. Dies sei jedoch vom amtierenden Agrarminister Christian Schmidt nicht fortgeführt worden. Ob ein von diesem angekündigtes „Grünbuch" neue Akzente setzen könne, müsse sich erst zeigen, so Dettmer.

Pauschale Kritik nicht zielführend

Die während der vergangenen Jahre in den Demonstrationen geäußerte Kritik an der konventionellen Landwirtschaft sei nicht zielführend gewesen, äußerte Markus Holtkötter. Der Mitinitiator der Gegendemonstration "Wir machen Euch satt" appellierte eindringlich, die "Diffamierung der konventionellen Landwirtschaft und besonders der Tierhaltung endlich einzustellen". Viele junge potenzielle Hofnachfolger seien dadurch stark verunsichert. Für ihn als praktizierenden Landwirt sei es im größten Interesse, sein „Betriebskapital Boden" bestmöglich zu erhalten und an zukünftige Generationen zu übergeben. Dies sei eines der Hauptmotive für die Mitglieder seiner Initiative. Dazu gehören nach Aussage von Holtkötter sowohl ökologische als auch konventionell arbeitende Betriebe mit und ohne Tierhaltung. In Einzelfällen sei es in der Vergangenheit sicher auch zu Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft gekommen. Diese zu korrigieren sei auch im Interesse der konventionelle Landwirte. Allerdings dürften daraus keine pauschalen Verurteilungen und Diffamierungen erfolgen, so Holtkötter. (jst)
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