ISN-Versammlung

Weil sieht Erzeuger in der Zwickmühle


Ministerpräsident Stephan Weil (l.) mit dem ISN-Vorsitzenden Heinrich Dierkes.
-- , Foto: ISN
Ministerpräsident Stephan Weil (l.) mit dem ISN-Vorsitzenden Heinrich Dierkes.

Die Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hatte am Dienstag mit Ministerpräsident Weil einen prominenten Gast. Die Schweinehalter legten dem Politiker in Osnabrück dar, wie sie sich Unterstützung in ihrer schwierigen Lage vorstellen.

Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes beklagte neben der aktuellen Marktkrise eine aus Erzeugersicht überbordende Bürokratie in Sachen Tier- und Umweltschutz und Dokumentation von Lieferwegen sowie Kontrollen. Dierkes forderte zudem eine Umsetzung des Masterplanes für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung, auf den sich das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland, Ministerpräsident Weil und Landesagrarminister Christian Meyer (Grüne) im Oktober mündlich verständigt hatten.

Dierkes drängt auf Masterplan

Mit Hilfe des Masterplans könnten aus Sicht des ISN-Vorsitzenden vor allem bürokratische Hürden abgebaut werden. So seien in Sachen Antibiotika politische Forderungen nach pauschalen Reduktionszielen wenig praxistauglich und mit einem hohen Kontrollaufwand verbunden. Beim Thema Güllemanagement wiederum fehlten Anreize für die Schaffung von Güllelagerraum; zudem sei die Genehmigungspraxis schwierig. Letzteres gelte auch für Investitionen in Stallbauten.

Weil verteidigte daraufhin gesetzliche Vorgaben in Sachen Tierschutz und damit verbundene Kontrollen. Tierwohl habe Priorität, „schwarze Schafe“ unter Landwirten müssten identifiziert werden, sagte Weil laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung. Gleichwohl kündigte er an, die Regelungen auf ihre Leistbarkeit durch die Erzeuger hin zu überprüfen. Ihm sei bewusst, dass die Erzeuger sich in einem zunehmend komplexen Markt behaupten müssten, während gleichzeitig die Anforderungen der Gesellschaft an sie stiegen, so der Ministerpräsident. Tierwohl müsse auch entsprechend bezahlt werden, sagte Weil mit Blick darauf, dass für die Mehrheit der Verbraucher weiterhin der Preis das entscheidende Verkaufskriterium sei.

Weil will Finanziers für Initiative Tierwohl suchen

Um den durch schwache Preise gebeutelten Schweinehaltern wirtschaftliche Perspektiven aufzuzeigen, kündigte Weil an, sich für eine Erweiterung des Finanziererkreises der Initiative Tierwohl von Lebensmitteleinzelhandel (LEH), Verarbeitern und Schweinehaltern einzusetzen, berichtet der Norddeutsche Rundfunk. Die Initiative Tierwohl hat aktuell damit zu kämpfen, dass die Mittel zu begrenzt sind, um weitere Erzeuger zuzulassen, zahlreiche Schweinehalter stehen bereits auf der Warteliste.

Bei der ISN selbst ist man mit dem Besuch des Ministerpräsidenten zufrieden. Der Ministerpräsident habe seine Unterstützung „glaubhaft signalisiert“, so eine Sprecherin gegenüber agrarzeitung.de. (pio)
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