Ferkelerzeugung

Weitere Strafanzeige gegen Tierhalter

Das Deutsche Tierschutzbüro hat Strafanzeige gegen einen Schweinehalter aus Zeven und gegen eine Mitarbeiterin des Betriebs erstattet. Die Aktivisten stellten der Staatsanwaltschaft Oldenburg ihr gesamtes Recherchematerial zur Verfügung. Sie beobachteten den zwischen Hamburg und Bremen gelegenen Betrieb mit 2.500 Sauen über ein halbes Jahr lang. Fünf mal verschafften sie sich nachts Zutritt und produzierten über versteckte Kameras mehr als 100 Stunden Videomaterial. 


Auf den Videos, die am gestrigen Mittwoch auch der Fernsehsender RTL in "Stern TV" ausgespielt hatte, sind frisch geborene Ferkel zu sehen, die im Spaltenboden eingequetscht verenden. Weitere Tiere sind stark abgemagert oder im Fruchtsack erstickt. Gefilmt wurde auch die Mitarbeiterin, wie sie Tiere zum Töten auf den Boden schlägt, ein Ferkel wird halbtot entsorgt. Auch die Haltungsbedingungen werden dokumentiert. So sind die Kastenstände zu schmal. "Teilweise stand den Tieren 20 Prozent weniger Platz zur Verfügung, als ihnen gesetzlich eigentlich zusteht", kritisiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros.


Branche hält Vorwürfe für gerechtfertigt

"Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber Tieren macht mich fassungslos. Wenn der Landwirt die Geburt einleitet, also weiß wann es ist und dann nicht dabei ist, dann ist das eine grobe Vernachlässigung der Tiere", sagt die Fachärztin für Tierschutz Diana Plange, als sie die Bilder sieht. Der Rechtanwalt des Tierhalters erklärt dazu, dass "ein nicht begleiteter Geburtsvorgang eine Ausnahmesituation darstelle, die sich letztendlich nie ganz ausschließen lässt."


Auch der Bauernverband Schleswig-Holstein bewertet die Zustände kritisch. "Ferkel auf den Boden zu schlagen ist nicht erlaubt. Keine Betreuung der ferkelnden Sauen. Offensichtlich viele totgeborene Ferkel. Kotschlitze sollten abgedeckt sein. Bei starkem Untergewicht können dort Ferkel feststecken. Einiges war offensichtlich keine gute fachliche Praxis", kommentieren Verbandsvertreter die Bilder auf ihrer Facebookseite.


Der Bauernverband warnt aber auch davor, diese gezeigten Bilder zum Maßstab deutscher Sauenhaltung zu machen und fragt sich, warum das Tierschutzbüro nicht sofort Anzeige gestellt habe, sondern stur weiterfilmte. „Es gibt immer die Alternative, Rechtsmittel zu ergreifen. Wer die nicht wählt, macht sich zum Gaffer und damit mitschuldig!“, so der Verband auf Facebook. "Wer etwas ändern will, der filmt nicht, sondern recherchiert und handelt!“


Problem sollen benannt werden

Das Deutsche Tierschutzbüro möchte mit der Veröffentlichung des Bildmaterials dazu beitragen, dass weiter über Probleme in der Massentierhaltung und in der Tierzucht diskutiert wird. "Immer wieder decken wir und andere Organisationen Missstände bei der Tierhaltung auf, es sind keine Einzelfälle, sondern die Tierquälerei ist systematisch", so Peifer, der schon hunderte von Mastanlagen von innen gesehen hat. "Laut Tierschutzgesetz § 17 bzw. § 18 müssen Täter mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro rechnen", so Peifer. (kbo)

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