Der Anteil an Hunger leidenden Menschen hat sich deutlich verringert, geht aus dem aktuellen UN-Welthungerbericht hervor: Zu Beginn der 1990er Jahre hätten mehr als eine Milliarde Menschen nicht über genügend Nahrung für ein aktives und gesundes Leben verfügt.

Die größten Fortschritte gab es in Südostasien, Lateinamerika, der Karibik und Teilen Afrikas. Insgesamt 72 von 129 Ländern hätten das Millenniumsentwicklungsziel erreicht, den Anteil der Hungernden an der Bevölkerung zu halbieren. Grund für die positive Entwicklung seien zum einen eine effizientere landwirtschaftliche Produktion, vor allem durch Kleinbauern. Auch das Wirtschaftswachstum in Ländern wie China und Indien habe zur Verbesserung der Situation beigetragen.

Die drei verantwortlichen UN-Ernährungsorganisationen feiern die Entwicklung als großen Fortschritt: „Wir müssen die Generation sein, die den Hunger besiegt“, sagte José Graziano da Silva, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die Ergebnisse demonstrierten, dass der Hunger noch zu unseren Lebzeiten besiegt werden könne. Investitionen in ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern müssten deshalb an erster Stelle stehen, fordert Kanayo F. Nwanze, Präsident des Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD).

Dennoch sind die für 2015 gesetzten Ziele zur Ernährungssicherheit nicht erreicht worden. Doppelt so viele afrikanische Länder wie 1990 leiden derzeit unter Nahrungskrisen und die Krisen halten länger an als in früherer Zeit.

Die Welthungerhilfe bewertet die Entwicklung deshalb kritisch: „Der Bericht zeigt kaum Fortschritte in der weltweiten Hungerbekämpfung“, sagte Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. Während die Herausforderungen für die Ernährungssicherung nicht zuletzt wegen des Klimawandels zunehmen würden, stellten die sieben reichsten Nationen immer weniger Mittel zur Verfügung. Dieckmann fordert eine Trendwende. Vor allem Kleinbauern müssten gefördert werden: „Sie produzieren rund drei Viertel aller Nahrungsmittel in Entwicklungsländern. Mit mehr Unterstützung können sie mehr produzieren und mehr Einkommen erwirtschaften und so den Hunger in ihren Ländern besiegen.“ (az)
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