Stromtrasse

Widerstand gegen Suedlink wächst

Gespräche im Kälberstall führten die Linken-Politiker Bodo Ramelow und Birgit Keller.
-- , Fotos: da
Gespräche im Kälberstall führten die Linken-Politiker Bodo Ramelow und Birgit Keller.

Höchst persönlich stattete Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) am Dienstag drei Betrieben im Unstrut-Hainich-Kreis einen Besuch ab. Vor Ort sprach der Politiker mit den Betriebsleitern über ihre aktuellen Sorgen.

Marko Hesse von der AGN Agrargesellschaft in Neunheilingen stößt beim Landesvater auf offene Ohren, wenn es um mehr Mitsprache beim Hochwasserschutz geht. Die AGN ist prinzipiell bereit, Grünland oder Ackerflächen zur Verfügung zu stellen, die bei Hochwasser oder Starkregenereignisse überflutut werden, um Städte und Gemeinden zu schützen. Rund 200 ha seiner Flächen müsste Reese als Retensionsflächen bereithalten. Ihm ist wichtig, dass er in die Planungen und Konzepte des Landes miteinbezogen wird. Bis 2023 sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein, sagte Ramelow gegenüber agrarzeitung.de. Auch über das Thema Entschädigungen sei gesprochen worden, doch könne er hierüber noch keine Zusagen machen.

Milchtankstelle bringt Akzeptanz

Anschließend ging es zur 10 km entfernten Körner GmbH & Co Betriebs KG. Das Unternehmen verfügt mit Milchvieh- und Schweinehaltung sowie Biogasanlage und Ackerbau über einige Standbeine und konnte damit auch die Milchkrise 2016 einigermaßen überstehen. Derzeit zahlt die Molkerei DMK in Erfurt einen Milchpreis von rund 33 Cent je Liter. Am Tag werden in Körner rund 18.000 Liter Milch gemolken. Weit über die Ortsgrenze bekannt ist die Körnermilch. Prokurist Rüdiger Meyer und sein Team haben eine Milchtankstelle errichtet. Dort zapfen Anwohner und Gäste rund 70 l Rohmilch am Tag und decken sich aus dem Kühlschrank in dem kleinen Raum mit regionalen Spezialitäten sein. Sicher sei das ein Anfang der Direktvermarktung. Aber die Akzeptanz der Bewohner von Körner für die Arbeit der Landwirte, habe sich mit dem regelmäßigen Besuch auf dem Hof, wo die Milchtankstelle stehe und man in den Stall schauen könnte, sehr verbessert, sagte Ortsvorsteher Matthias Niebuhr. "'Wir könnten jetzt auch sonntags Gülle fahren, da würde sich kein Anwohner mehr beschweren", ist sich der ehrenamtliche Bürgermeister, der bei der Körner GmbH in der Verwaltung arbeitet, sicher.

Gespräche über Stromtrassen

Abschließend ging es zur TUPAG Agrar GmbH in Vogtei/Niederdorla. Dort unterhielt sich Ramelow entgegen den Ankündigungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Beisein von Agrarministerin Birgit Keller (Die Linke) und Vertretern des Bauernverbandes über die Probleme, die die geplante Stromtrasse für den Agrarbetrieb bedeuten würde. Zu diesem Anlass überreichte Bauernpräsident Klaus Wagner dem Ministerpräsidenten ein Positionspapier zur Erdkabeltrasse SuedLink, in dem die Ablehnung der Landwirte  bekräftigt wird. 

Auch Stephan Foth, Betriebsleiter der TUPAG, wehrt sich gegen das geplante Bauvorhaben. Sein Betriebsablauf werde durch die Verlegung der Erdkabel über Gebühr belastet. Insbesondere die Böden seien durch die schweren Baumaschinen enormen Druckbelastungen ausgesetzt. Die daraus resultierenden Verdichtungen beeinträchtigen nachhaltig die Bodenfruchtbarkeit.
Gegen das Projekt spricht auch, dass nicht gesichert sei, welche zukünftigen Folgen die Erdkabel für die Böden und damit für deren landwirtschaftliche Bewirtschaftung haben werde, teilt Bauernpräsident Wagner in einer vorab veröffentlichten Mitteilung mit. So führten die schweren Böden in Thüringen nicht genügend Wasser, um die Leitungen ausreichend zu kühlen. Ein Austrocknen und damit verbundene Bewirtschaftungseinschränkungen werden befürchtet.

Wird die Trasse durch Thüringen gebaut, ist zudem der Weg ungleich länger, als bei der weiter westlich verlaufenden Variante. Der THüringer Bauernverband unterstützt den alternativen Trassenkorridor, den das Agrarminiserium in Thüringen im Mai in Ilmenau präsentiert hat und ruft die Landwirte und Bodeneigentümer zum Widerstand auf.

Das Agrarministerium in Erfurt unterstützt nach den Worten eines Pressesprechers gegenüber agrarzeitung.de das Positionspapier des Bauernverbandes. Auch die Entschädigungen seien noch nicht geklärt. Sie seien bisher nur als Einmalzahlungen angedacht. (da)
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