agrarzeitung: Sind Sie für eine Kürzung der Flächenprämien?

de Vries: Kappung und Obergrenzen sind sehr populär. Aber solange für die ersten Hektare eine extra Förderung gezahlt wird, passt das einfach nicht. Ich habe Verständnis dafür, dass wir die kleinen Betriebe mit den Zahlungen für die ersten Hektare unterstützen. Wobei wir mit den ersten Hektaren die Realität verkennen. Das ist der Einstieg zum Ausstieg.


Sie appellieren an eine unternehmerische Landwirtschaft?


Praxiserprobt: Der Landwirt und Agrarpolitiker Kees de Vries
-- , Foto: Anhaltend -Marketingkommunikation
Praxiserprobt: Der Landwirt und Agrarpolitiker Kees de Vries
de Vries: Ja. Mir kann keiner erklären, dass ohne die Flächenprämie von rund 300 Euro je Hektar alle Betriebe pleite gehen. Der Markt wird sich anpassen.

Müssen sich Landwirte auf weniger Geld einstellen?

de Vries: Durchaus. Aber nicht von heute auf morgen. Ab 2020 soll die Flächenprämie langsam abgeschmolzen werden auf ein Niveau, welches wir verantworten können. Die freien Mittel sollen für sinnvollen Naturschutz zur Verfügung stehen.

Familienbande
1992 kaufte der Niederländer Kees de Vries die LPG in Deetz in Sachsen-Anhalt. Der Familienbetrieb startete mit 600 Kühen und 600 ha. Heute leitet sein Sohn Kees die Vrieswould KG mit 18 Mitarbeitern und 1300 ha. Gut erinnert sich der 61-Jährige an 2016 als die DMK weniger als 20 Cent je Liter bezahlte. Da habe sein Sohn schon vor dem Melken 1000 Euro verloren. Seit 2005 ist de Vries deutscher Staatsbürger und vertritt als CDU-Abgeordneter im Bundestag den Wahlkreis Anhalt. (da)
Liegen Sie damit auf einer Linie mit der SPD und den Grünen, die mehr Geld für den Umweltschutz fordern?


de Vries: Es gibt Überlegungen, dass alles, was in Richtung Landwirtschaft geht, in die erste Säule fließt. Denn wenn wir das Geld in der zweiten Säule parken, dann wachsen die Begehrlichkeiten für die Infrastruktur im ländlichen Raum. Deshalb sollten wir mit dem gesamten Geld aus der ersten Säule nur sinnvolle Umweltprojekte unterstützen.

Was läuft schief?

de Vries: Wenn Umweltmaßnahmen ein Teil meines Einkommens sind und ich für den Aufwand einen Euro extra verdiene, dann mache ich das auch. Aber nicht für Mehraufwand, der nur ausgeglichen wird. So müssen wir beim Blühstreifenprogramm den Bestand fünf Jahre halten, ohne dass man den Aufwuchs nutzen kann. Ich stelle immer wieder fest: Wir machen zu wenig sinnvolle Umweltmaßnahmen, deren Durchführung zwar kontrollierbar ist, die Effekte aber zweifelhaft sind.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Milchkrise?


de Vries: Ich bin für eine Rückkehr zu einer sinnvollen Mengenregulierung. Es ist mir ein Gräuel, wenn wir in zehn Jahren nur noch 1000-Kuh-Betriebe in Ost- und Westdeutschland haben. Das passt nicht in unser Landschaftsbild. Ich weiß, den Strukturwandel kann man nicht aufhalten, aber bremsen kann man ihn schon.

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Wie stehen Sie zum Glyphosatverbot?


de Vries: Ich habe ich mich intensiv mit der Zulassungsverlängerung von Glyphosat beschäftigt. Wir dürfen hier nicht die Hypes der Gesellschaft nutzen. Das ist vielleicht gut für die Wiederwahl, aber nicht für die Landwirtschaft. Das Verbot von neonicotinoiden Wirkstoffen ist ein Problem. Hier müssen wir nach Alternativen suchen. Da ist die Pflanzenschutzmittelindustrie gefragt. Es muss leichter werden, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Wenn wir später merken, dass die Mittel Schäden anrichten, okay, dann sollte der Hersteller die Produkte zurücknehmen.

Das wird nicht funktionieren.

de Vries: Die konventionelle Landwirtschaft in Deutschland verbieten, kann das die Alternative sein? Und dann nehmen wir Importe aus Ländern, wo Glyphosat und andere Mittel überhaupt keine Rolle spielen?

Das Gespräch führte Daphne Huber-Wagner
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