Glyphosat-Debatte

Wissenschaftler für gezielten Einsatz


Glyphosat ist effizient, kostengünstig, relativ umweltverträglich und verursacht kaum Unkrautresistenzen. Zu diesem Urteil kommt die Universität Hohenheim. Allerdings weisen die Wissenschaftler auch auf die Kehrseite der Medaille hin: Der Wirkstoff schmälere die Artenvielfalt; zudem fänden sich Rückstände zunehmend in Gewässern, Futter- und Nahrungsmitteln. Außerdem stehe Glyphosat im Verdacht, zu den krebserregenden Stoffen zu gehören.

Prof. Günter Neumann von der Universität Hohenheim hält mehr Sachverstand bei der Anwendung des Herbizids daher für dringend geboten, heißt es in einer Pressemitteilung von Mittwoch. Der Wissenschaftler setzt sich daher für einen gezielteren Einsatz des Mittels ein, hält jedoch ein komplettes Verbot für kontraproduktiv.

Komplettes Verbot im Heimgartenbereich und Parks

Vor allem hält Neumann für bedenklich, dass Glyphosat immer wieder in Oberflächengewässern zu finden sei. Das hänge „oft mit unsachgemäßer Anwendung zusammen – vor allem auch außerhalb der Landwirtschaft. Glyphosat sollte daher nur noch von Personen mit Sachkundenachweis angewandt werden“, fordert der Wissenschaftler. Im Heimgartenbereich oder Parks solle die Substanz komplett verboten werden.

Darüber hinaus hält Neumann es für erforderlich, auch die Formulierungshilfsstoffe in die Sicherheitsbewertung von Glyphosat miteinzubeziehen: „Die Sicherheitsbewertung bezieht sich bislang in erster Linie auf die Reinsubstanz. Und das ist realitätsfern, da die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit den Zusatzstoffen besteht“, so der Professor.

Entwicklung von Alternativen vorantreiben

Glyphosat ermögliche bodenschonende Anbauverfahren wie die Mulch- oder Direktsaat und sollte daher der Landwirtschaft erhalten bleiben, heißt es weiter aus Hohenheim. Dennoch sei es wichtig, die Entwicklung von Alternativen zu Glyphosat voranzutreiben. „Doch mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung, etwa mit Messerwalzen, oder Neuentwicklungen wie der ‚Elektroherb‘ zur Unkrautbekämpfung mit Strom müssen erst noch ihre Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen“, gibt Neumann zu bedenken.

Um Problemen bei der Glyphosat-Anwendung, etwa Ertragsrückgänge bei langjähriger Anwendung durch Schäden der Wurzeln der Kulturpflanzen, entgegenzuwirken, empfiehlt Neumann vielseitige Fruchtfolgen und den Anbau von Zwischenfrüchten. (pio)
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