Krebsforschungsagentur

Wuchsstoff höher eingestuft


Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hat Pflanzenschutzwirkstoffe neu bewertet. Relevant für deutsche Landwirte ist die Einstufung des Wirkstoffs 2,4-D, der in zahlreichen Herbiziden enthalten ist.

Alter Wirkstoff
Der Wirkstoff 2,4-D ist 1945 am Markt eingeführt worden. In Deutschland ist er nach der aktuellen Auflistung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und (BVL) in 101 zugelassenen Pflanzenschutzmitteln enthalten. Die neue Einstufung des IARC in die Gruppe 2 B entspricht der des Genussmittels Kaffee, des Farbstoffes Magenta oder des Naturstoffes Aloe Vera. (db)
Die IARC teilt diese Woche mit, dass nach Berücksichtigung der verfügbaren aktuellen wissenschaftlichen Literatur 2,4-D jetzt als „möglicherweise krebserregend“ – und damit in die Gruppe 2B eingestuft wird. Als „nicht ausreichend“ bezeichnet die Behörde allerdings entsprechende Versuchsergebnisse beim Menschen. Die Erkenntnisse aus Tierversuchen seien ebenfalls nur begrenzt aussagefähig. Starke Hinweise lägen stattdessen dafür vor, dass 2,4-D sich auf den Stoffwechsel des Menschen und möglicherweise auch auf das Immunsystem auswirkt. Die Ergebnisse sind in der Internet-Ausgabe von ‚The Lancet Oncology‘ veröffentlicht worden.

In den englischsprachigen Medien ist die Resonanz bereits groß. „Der Unkrautkiller kann Krebs auslösen“, heißt es dort verkürzt in einigen Schlagzeilen. Der europäische Verband der Pflanzenschutzhersteller (ECPA) kommentiert in einer Stellungnahme, dass die neue Einstufung nichts daran ändere, dass die Zulassungsbehörden 2,4-D als sicher für die menschliche Gesundheit und die Umwelt eingestuft hätten. Die scheinbar unterschiedlichen Beurteilungen begründet die ECPA damit, dass die WHO-Organisation IARC die grundsätzlichen Gefahren von Substanzen bewerte, wogegen für die Zulassungsbehörden das tatsächliche Risiko zähle. (db)
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