Das niedersächsische Eckpunktepapier für mehr Tierwohl, findet beim niedersächsischen Landesverband der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Anklang. Um eine praxisnahe Alternative zum Schwänzekürzen zu finden, arbeiten die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) und das Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) nun gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium an Lösungen. Der agrarpolitische Sprecher der CDU, Helmut Tamman-Damke, bezeichnet dies als längst "überfälligen Schritt".  „Es ist ein wichtiges Signal für Niedersachsens Landwirte, dass sich der Minister doch noch dazu durchringen konnte, die Warnungen von Praktikern, Verbänden und der Wissenschaft ernst zu nehmen", findet Dammann-Tamke. „Außerdem ist es zu begrüßen, dass es nun kein festes Ausstiegsdatum für das Schwanzkürzen mehr gibt. Das gibt Experten die Chance nach echten Alternativen zu suchen."

Kritisch beurteilt Tamman-Damke auch die sogenannte Ringelschwanzprämie. Mit ihr wolle der Minister Christian Meyer Landwirte belohnen, die darauf verzichten, ihren Schweinen die Schwänze zu entfernen, um so Kannibalismus unter den Tieren vorzubeugen. „Eine Prämie zu zahlen, so lange noch bis zu 30 Prozent der unkupierten Schweine mit Bisswunden auf den Schlachthöfen ankommen, setzt falsche Anreize für die Schweinehalter und führt zu mehr Tierleid."

Anders sieht es der niedersächsische Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Der ungekürzte Ringelschwanz sei der Indikator dafür, ob Schweine sich wohl fühlten. Denn die Tiere bissen sich unter Stress gegenseitig die Schwänze ab. Das Abschneiden oder Kürzen von Schweine-Ringelschwänzen sei bisher praktiziert worden, um die Tiere an eine Stresshaltung ohne Stroheinstreu und ohne Auslauf anzupassen. Deshalb müsse nun auch Schluss sein mit  „Versuchsreihen“, in denen unkupierte Ringelschwänze auf Spaltenböden ohne die erforderliche Stroheinstreu umgesetzt würden. Solche untauglichen Versuche hätten bisher vor allem der Hinauszögerung einer artgerechten Tierhaltung gedient.

Verbot des Schwänzekürzens auf EU-Ebene

Außerdem sei das Kupieren durch die EU-Schweinehaltungs-Richtlinie seit vielen Jahren verboten und nur auf wenige Ausnahmefälle begrenzt. Das Kupierverbot gelte deshalb bereits jetzt für sämtliche EU-Mitgliedsstaaten und sei auch Voraussetzung für den Empfang von EU-Direktzahlungen. Während aber skandinavische und baltische EU-Länder diese EU-Vorgabe längst problemlos umgesetzt hätten, hätten Länder wie Deutschland diese Vorgabe viele Jahre lang unterlaufen, bemängelt die AbL.
Deutschland habe rund 95 Prozent der Schweine als sogenannte „Ausnahmefälle“ deklariert. Dem habe die EU vor einiger Zeit mit Androhung von Vertragsstrafen ein Ende gesetzt.

Die Ringelschwanzprämie des niedersächsischen Agrarmisters Meyer ermöglichten es vielen Schweinehaltern schon jetzt, sich auf das vorzubereiten, was demnächst vorgeschrieben sei. Die parallele Ringelschwanzprämie im Rahmen der Tierwohl-Branchenlösung des Lebensmittelhandels unterstütze dies zusätzlich.

Das Eckpunkte-Papier zur Tierwohlförderung umfasst unter anderem den Verzicht des Schwänzekupierens in der Schweinehaltung. Ziel ist es, ab dem Jahr 2017 aus dem Kürzen auszusteigen. Dies sei aber abhängig davon, ob zusätzliches Beschäftigungsmaterial und eine geringere Besatzdichte dazuführen, dass die Tiere sich nicht die Schwänze abbeißen, berichtet ein Sprecher des Ministeriums gegenüber agrarzeitung.de. Diese Pilotprojekte sollen über die Ringelschwanzprämie gefördert werden. Eine Ausschreibung dafür steht auf dem Plan des Landwirtschaftsministeriums. Interessierte Betriebe werden dann intensiv geprüft. Die Ringelschwanzprämie soll aus dem Europäischen Lanbdwirtschaftsfonds (Eler) gezahlt werden. Dafür stehen rund 28 Mio. € zur Verfügung, mit denen allerdings auch Alternativen zum Schnabelkürzen in der Legehennenhaltung gefördert werden sollen. (has)
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