Bericht

Zu viel Nitrat im Grundwasser

Die Anstrengungen von Politik und Wirtschaft für sauberes Wasser in den Flüssen zahlen sich aus. Der Zustand der deutschen Flüsse hat sich weiter verbessert. Im Rhein und vielen weiteren Flüssen leben deutlich mehr Fischarten als vor 30 Jahren, teilt das Bundesumweltamt (UBA) mit.

Bundesumweltamt fordert strengeres Düngerecht

Sandoz-Unfall sorgte für Umdenken
Dank der im Oktober 2000 in Kraft getretenen europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sei der der Zustand des Rheins heute deutlich besser ist als beispielsweise zu Zeiten des Sandoz-Unglücks, so das UBA. Damals wurden 30 t Chemikalien freigesetzt. Nachdem es in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1986 bei der Schweizer Chemiefirma Sandoz gebrannt hatte, gelangten etwa 10 t zum Teil hochgiftiger Chemikalien über das Löschwasser in den Oberrhein. In dem rot gefärbten Fluss starben auf einer Strecke von etwa 400 km Fische und Kleinlebewesen. Sogar die Trinkwasserversorgung am Rhein war betroffen und musste in einigen Regionen zeitweilig umgestellt werden. Die damalige Katastrophe habe ein Umdenken in Politik und Industrie bewirkt, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.
Kritischer bewerten die Beamten die Situation beim Grundwasser. Zwar erreichen 96 Prozent der Grundwasserkörper einen „guten mengenmäßigen Zustand“, aber nur 64 Prozent befinden sich in einem „guten chemischen Zustand“, heißt es im aktuellen Gewässerbericht zur Wasserrahmenrichtlinie des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes. Dort, wo der der chemische Zustand als „schlecht“ bewertet wird, gebe es meistens zu hohe Nitratkonzentrationen. Verantwortlich dafür ist aus Sicht des UBA vor allem die Landwirtsschaft. Diese müsse ihrer Verantwortung für sauberes Wasser gerecht werden, fordert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. „Wir brauchen daher dringend bessere rechtliche Vorgaben zur Düngung, um unser Grundwasser wirksam zu schützen“, so Krautzberger. Wichtig wären beispielsweise die obligatorische Einführung einer betrieblichen Gesamtnährstoffbilanzierung und ein verbesserter Vollzug der zu novellierenden Düngeverordnung.

Donau schneidet am besten ab

Positiv sieht das UBA die Entwicklung bei den Oberflächengewässern. So fühlen sich Lachse, die zwischenzeitlich fast ausgestorben waren, in vielen Flüssen wieder heimisch. Die Donau weise in Teilen des Flusslaufes einen guten bis sehr guten ökologischen Zustand auf und schneide unter allen deutschen Flüssen am besten ab. Bei Weser und Ems gebe es nach wie vor Handlungsbedarf, hier wie auch in anderen Flussgebieten komme es dauerhaft zu hohen Nitrateinträgen in das Grundwasser. Vielfach beeinträchtigten Quecksilber-Altlasten die Gewässerqualität. (SB)
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