Vorwurf

Zu viel Stickstoff geht verloren


In der aktuellen Publikation „Daten zur Umwelt 2015“ setzt sich das Umweltbundesamt (UBA) wieder einmal kritisch mit der Landwirtschaft auseinander. Ein Thema sind dabei die Stickstoffverluste, die nach Ansicht des UBA zwar kleiner, aber noch immer zu hoch sind.

Von 1991 bis 2011 sei der jährliche Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft im gleitenden 3-Jahresmittel von 130 auf 101 kg/ha gesunken. Das UBA erinnert daran, dass die Bundesregierung bereits 2002 beschlossen hatte, den Saldo bis 2010 auf 80 kg/ha zu reduzieren. Bis 2015 sollte eine weitere Verringerung angestrebt werden. Das UBA empfiehlt nun, bis 2040 eine Absenkung auf 50 kg/ha anzustreben. Außerdem spricht sich die Behörde für eine Verschärfung der Vorgaben der Düngeverordnung und eine bessere Umsetzung derselben aus.

Geringe Nitratkonzentrationen im Grundwasser

Der Deutschen Bauernverband (DBV) reagiert mit Unverständnis auf die Kritik. „Die Landwirtschaft hat die Stickstoffdüngung seit den 1980er Jahren kontinuierlich verbessert und deren Wirkungsgrad erhöht. Gleichzeitig sind die Getreideerträge um die Hälfte gesteigert worden“, stellt der Umweltbeauftragte des DBV, Eberhard Hartelt, fest. Auch würde im Bericht hervorgehoben, dass 2010 nur 14 Prozent der bundesweiten Messstellen hohe Nitratkonzentrationen von über 50 mg/l im Grundwasser aufwiesen. Gleichzeitig fordere das UBA eine weitere Verbesserung der Qualität der Oberflächengewässer.

Mehr Geld für Forschung und Beratung

Forderungen nach noch weiteren Verschärfungen der Düngeverordnung könnten aber kontraproduktiv sein, gibt der Umweltbeauftragte zu bedenken. Die geplante Ausweitung der Sperrfristen stelle beispielsweise das Ziel eines effizienten Einsatzes von Wirtschaftsdüngern für ein optimales Pflanzenwachstum infrage. Nach Ansicht des DBV sei es eine Kernaufgabe eines jeden Landwirts, im Hinblick auf die Nährstoffe verlustarm zu wirtschaften und die Effizienz zu verbessern.

Statt mit neuen Verordnungen und Auflagen zu drohen, sollten Investitionen in Agrarforschung und Beratung erfolgen, mit denen Maßnahmen für eine gewässerverbessernde und klimaschützende Landwirtschaft weiterentwickelt werden. Nur gemeinsam mit den Landwirten sei ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu erreichen. (SB)
stats