Die Bauern beklagen sich oft über die mediale Skandalisierung der Landwirtschaft. Vor allem die moderne Tierhaltung steht auf der Anklagebank. Das stößt dem Vizepräsidenten des Deutschen Bauernverbands, Werner Schwarz, auf. Vielfalt und Komplexität werde oftmals nicht realistisch wiedergegeben, sagte er in dieser Woche beim Zukunftsdialog Agrar & Ernährung, der gemeinsam von agrarzeitung und Die Zeit veranstaltet wurde.

Stephan Lebert (li.) und Werner Schwarz suchen die Annäherung.
-- , Foto: Felix Holland
Stephan Lebert (li.) und Werner Schwarz suchen die Annäherung.
Am Ende der Diskussionsrunde „Das Verhältnis von Landwirtschaft und Medien“ lud Schwarz deshalb den Zeit-Redakteur Stephan Lebert auf seinen Bauernhof ein. 14 Tage im Sommer solle Lebert in seinem Schweinezucht- und Ackerbaubetrieb mitarbeiten, „dann erfahren Sie, wie wir Bauern unsere Verantwortung für Tier und Umwelt leben und für Transparenz sorgen.“ Er wolle aber auch in der investigativen Redaktion der Zeit mitarbeiten, die Lebert leitet, „um Ihre Nöte und Zwänge wie auch Ihre Verantwortung als Journalist zu erleben“, sagte Schwarz. Lebert nahm die Einladung spontan an und sagte die Möglichkeit eines Redaktionsaufenthaltes zu.

Schwarz übte aber auch Selbstkritik: Die Landwirtschaft habe vielleicht zu lange versäumt, den technischen Fortschritt im Stall und auf dem Acker ausreichend zu kommunizieren. „Wenn wir heute durch Präzisionslandwirtschaft in der Lage sind, die Pflanzen individuell zu behandeln, müssen wir dies der Gesellschaft auch vermitteln, um Akzeptanz und Anerkennung zu erhalten“, erklärte Schwarz.

An der von der agrarzeitung und Die Zeit organisierten Denkwerkstatt nahmen rund 450 Teilnehmer aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, aus Wissenschaft und von Nichtregierungsorganisationen teil.  (az)

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