IAMO

Zuwanderung bietet Chancen

Die Zahlen klingen dramatisch. Durch Renteneintritte vor allem qualifizierter Mitarbeiter entsteht eine erhebliche Fachkräftelücke. Nach einer aktuellen Studie des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle, ist in Sachsen-Anhalt bis 2020 die Zahl derjenigen Arbeitnehmer, die die Landwirtschaft verlassen, doppelt so hoch wie die Zahl derjenigen, die einen landwirtschaftlichen Berufsabschluss ablegen.


Je nach Produktionsschwerpunkt kann sich laut IAMO mittlerweile jeder zweite bis dritte Betriebsleiter in Sachsen-Anhalt vorstellen, die Lücke durch ausländische Mitarbeiter zu füllen. Manche haben das bereits umgesetzt. In etwa jedem zehnten Milchviehbetrieb werden ausländische Fachkräfte eingesetzt. Die Betriebsleiter haben sich seit vielen Jahren vergeblich um deutsche Nachwuchskräfte bemüht“, erläutert Prof. Martin Petrick vom IAMO, einer der Autoren der Studie.
Wege ebnen
Seit 2013 widmet sich das Forschungsprojekt Alfa-Agrar der Frage, wie ausländische Arbeitskräfte den Weg in die ostdeutsche Landwirtschaft finden können. Da vor drei Jahren das Thema Flüchtlinge unsere Gesellschaft noch nicht so sehr beschäftigt hat, konzentrierte sich die Arbeit vor allem auf den möglichen Zuzug aus Bulgarien oder Russland, Diese Erkenntnisse können auch bei der Flüchtlingsfrage nützlich sein. Denn das Zusammenfinden ist nicht immer leicht. Es müssten einige Voraussetzungen geschaffen werden. So würden Vermittlungsstellen benötigt. Darüber hinaus seien Sprach- und Weiterbildungsangebote sowie Integrationspaten erforderlich, so die Erkenntnisse aus dem Projekt Alfa-Agrar. (kbo)
Gerade bei der Suche nach Fachkräften könnten Migranten eine Alternative darstellen, die die Betriebsleiter bisher nur wenig beachtet hätten. „Die derzeitige Flüchtlingssituation bietet einen Anlass, hier aktiv zu werden“, erklärt Petrick. 


Über die Qualifikationen und Berufserfahrungen der Asylsuchenden der jüngsten Flüchtlingswelle existiert allerdings nur wenig gesichertes Wissen. Fakt ist, dass in den wichtigsten Herkunftsländern der Flüchtlinge ein erheblich größerer Anteil der Erwerbstätigen im Agrarsektor beschäftigt ist, als in Deutschland. Die Produktionstechnologien in der Landwirtschaft und die dadurch bestimmten Berufserfahrungen dürften sich zwischen den Herkunftsländern und Deutschland jedoch erheblich unterscheiden. Nach Einschätzung der Autoren wird die Eingliederung in die Agrarunternehmen erhebliche Kosten verursachen. (kbo)
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