Afrikanische Schweinepest

Schweinebranche fürchtet schwere wirtschaftliche Schäden durch ASP


Hier sind die wichtigsten Hygienemaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest kompakt zusammengestellt.
Foto: ISN
Hier sind die wichtigsten Hygienemaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest kompakt zusammengestellt.

Die Sorgen wegen der Afrikanischen Schweinepest in Belgien sind groß. Da hilft es auch nicht, dass sich die Landesagrarminister gut vorbereitet sehen. Klöckner weist auf neue Gesetze zur effektiveren Seuchenbekämpfung hin.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurde in Deutschland - Stand Montagnachmittag - bisher nicht nachgewiesen. Allerdings bestätigten die belgischen Behörden das Virus bei drei weiteren Wildschweinen, die ebenfalls in der Gmeinde Étalle im Dreiländereck Frankreich, Luxemburg und Belgien gefunden wurden. Die Branche ist alarmiert, denn ASP-Ausbrüche hatte es zuvor bisher ausschließlich in Osteuropa gegeben.

Jagen mit Nachsichtgeräten gefordert

Der Agrarsprecher der niedersächsischen FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe, warf der Regierung vor, nicht genügend für die Seuchenprävention getan zu haben. So würden in Niedersachsen so viele Wildschweine leben wie nie zuvor, was das Risiko der Ausbreitung der Krankheit erheblich erhöhe. „Wir müssen den Wildschweinbestand jetzt schnell deutlich reduzieren“, forderte der FDP-Politiker. Dafür müsse das Jagdgesetz so überarbeitet werden, dass schnell reagiert werden könne. „Dazu gehört auch die sofortige Erlaubnis des Jagens mit Nachtzieltechnik“, erläuterte Grupe. Nordrhein-Westfalen hat ein verstärktes ASP-Monitoring in den grenznahen Kreisen Aachen, Düren und Euskirchen beschlossen.
Gut vorbereitet auf den möglichen Seuchenfall sieht sich laut Landwirtschaftsminister Peter Hauk auch Baden-Württemberg. Er verwies auf den zum Jahresbeginn vorgestellten Zwölf-Punkte-Plan. Dass der Risikofaktor Schwarzwild eingedämmt werden könne, belege die Rekordstrecke von 78 606 erlegten Wildschweinen im vergangenen Jahr. 

Sachsen-Anhalt zahlt Finde-Prämie

In Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich Agrarressortchef Dr. Till Backhaus angesichts des überraschenden Ausbruchs in Belgien alarmiert. Die Schweinehalter müssten jetzt die Biosicherheitsmaßnahmen stringent umsetzen und die zwischenbetrieblichen Transporte sowie Besuche auf ein Mindestmaß begrenzen. Als „ernst“ bezeichnete Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Claudia Dalbert die Lage. Sie sei sich jedoch sicher, „dass unsere Präventionsmaßnahmen und unser Früherkennungssystem greifen werden“. Dazu zählten Prämien für das Auffinden und Beproben von Wildschweinen, die Anschaffung eines 25 km langen Schutzzaunes zur Eingrenzung eines Infektionsortes oder der Kauf von 30 mobilen Containern zur Zwischenlagerung von Kadavern verendeter Wildschweine.

Neuer ASP-Rahmenplan für Bayern

Bereits am Montag vergangener Woche - also noch vor dem Fund in Belgien - hatte das bayerische Umweltministerium einen neuen Rahmenplan zur Bekämpfung der ASP beschlossen. Dieser solle den Behörden vor Ort ein landesweit ein einheitliches Vorgehen gegen die Tierseuche ermöglichen. Umweltminister Er bündelt Informationen zu Präventions- oder Bekämpfungsmaßnahmen, beispielsweise das Festlegen von Restriktionszonen oder das Vorgehen bei Einzäunungen von Risikogebieten. Zur Reduzierung des Wildschweinebestandes werden laut bayerischem Ministerium im Jagdjahr 2018/19 die Aufwandsentschädigungen für das Erlegen bestimmter Wildschweine und die Beprobung verendeter Tiere fortgesetzt. Auch die Bayern appellieren ausdrücklich an alle Betriebe in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in der übrigen Wirtschaft, ihre Mitarbeiter anzuhalten, keine Reste von aus der Heimat oder dem Reiseland mitgebrachten Fleisch- und Wurstwaren in die Umwelt wegzuwerfen.  Die Infektion nur eines Wildschweines kann laut des Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV), Eberhard Hartelt, bereits verheerende Auswirkungen auf die gesamte Schweinehaltung und die nachgelagerte Fleischwirtschaft haben. Dann drohten massive Auflagen für die Erzeugerbetriebe, Transportrestriktionen, Einfuhrsperren wichtiger Importländer und ein dramatischer Preisverfall am Schweinemarkt.

Hygiene großgeschrieben

Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Johannes Röring, forderte angesichts der zunehmenden Einschleppungsgefahr der ASP, dass „alles Menschenmögliche getan werden muss, um ein Übergreifen nach Deutschland zu verhindern“. Landwirte, Jäger und Reisende in ASP-Gebieten seien aufgefordert, durch konsequente Hygiene und äußerste Vorsicht einen Eintrag des Virus zu vermeiden. Für den Deutschen Jagdverband (DJV) ist der Sprung des Virus nach Westeuropa über hunderte von Kilometern ein klares Indiz dafür, dass der Mensch für die schnelle Verbreitung der ASP verantwortlich ist.  Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärte, dass sie die „neue Situation sehr ernst nehme“ und im ständigen Austausch mit den belgischen Behörden und der EU-Kommission stehe. Die Vorbereitungen für den Krisenfall liefen. 

Handel mit Drittstaaten gefährdert

Anlässlich des ASP-Falles in Belgien brachte auch der Generalsekretär der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), Pekka Pesonen, seine Besorgnis zum Ausdruck. Besonders kritisch sei, dass damit fünf EU-Staaten - Belgien, Deutschland, Frankreich sowie die Niederlande und Luxemburg - in unmittelbarer Nähe des Seuchengeschehens stünden. Positiv hob der Finne jedoch hervor, dass die mit ASP-infizierten Wildschweine nicht im „Herz der belgischen Schweineproduktion“ entdeckt worden seien. Sorgen macht sich Pesonen vor allem um die möglichen Auswirkungen auf den Schweinefleischhandel mit Drittstaaten. Trotzdem vertraue man den belgischen Behörden, die Seuche schnell unter Kontrolle zu bekommen.
Mensch Hauptverbreiter der ASP. 
Auch in Frankreich löste das Auftreten der ASP im belgischen Wildschweinebestand Besorgnis aus. Der Fundort der infizierten Tiere ist nur rund 10 km von der französischen Grenze entfernt. Landwirtschaftsminister Stéphane Travert hat umgehend die Präfekten der vier naheliegenden Regionen Ardennen, Meuse, Moselle sowie Meurthe und Moselle angewiesen, den ASP-Aktionsplan umzusetzen, um die Einschleppung des Virus zu verhindern. Dieser sieht in den Sicherheitszonen an der Grenze zu Belgien die Beschränkungen bestimmter Aktivitäten wie der Jagd sowie eine verstärkte Überwachung von Nutz- und Wildschweinen vor. Auch sollen die Biosicherheitsmaßnahmen bei den Schweinehaltern verschärft und Monitoringmaßnahmen in Schlachthöfen eingeführt werden. Weil eine Einschleppung der ASP der gesamten französischen Nahrungsmittelwirtschaft Schaden zufügen könnte, forderte Travert die strenge Anwendung des Aktionsplans.
Erstellt mit Material von AgE

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