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Agrarhandel: Anpassungen sind notwendig


BVA-Präsident Rainer Schuler rechnet mit langfristig sinkenden Rapserträgen.
Foto: J_Struck
BVA-Präsident Rainer Schuler rechnet mit langfristig sinkenden Rapserträgen.

Die Rahmenbedingungen für Getreide und Ölsaaten in Deutschland und Europa  verändern sich. Die am Markt beteiligten Akteure stellen sich auf rückläufige Märkte ein.

"Die aktuellen Prognosen deuten auf eine durchschnittliche Getreideernte für das laufende Jahr hin", so der Präsident des Verbands der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), Rainer Schuler, heute in Berlin. Vorausgegangen seien zwei Jahre mit deutlich reduzierten Erträgen, sagte er anlässlich der Vorlage der BVA-Jahresbilanz. Nun könne aufgrund günstiger Wetterbedingungen jedoch wieder mit einer Normalisierung gerechnet werden. Zur Entwarnung bestehe jedoch kein Anlass, betonte Schuler. Vielmehr müsse sich der Ackerbau in Deutschland auf vermehrte klimatische Extrembedingungen einstellen.

Zusätzliche Herausforderungen für den Agrarhandel ergäben sich aus veränderten gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft sowie weitreichende politische Entscheidungen. Nach Einschätzung des BVA werde sich der Rückgang der Rinder-und Schweinebestände weiter fortsetzen. Dieser durch die novellierte Düngeverordnung bereits im Jahr 2017 ausgelöste Trend werde sich in den nächsten Jahren durch weitere Maßnahmen im Bereich des Tierwohls sowie durch Reduktionsziele für Ammoniakemissionen noch verstärken, zeigte sich Schuler überzeugt. Als Folge erwarte der BVA mittel- bis langfristig eine rückläufige Nachfrage für Futtergetreide.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 3. April 2019 08:45 | Permanent-Link

    Ihr müsst die Bauern lieben, bevor ihr sie verändern wollt. ;-)

    Die Einschätzung des BVA, dass die Tierbestände hierzulande sich weiterhin reduzieren könnten, ist durchaus korrekt; insofern dürfte damit auch ein geringerer Wirtschaftsdüngeranfall aus der Tierhaltung parallel einhergehen. Hierin sieht der Handel sicherlich seine Chance, den Bauern mit einem höheren Absatzpotential von Handelsdünger freundlicherweise unter die Arme zu greifen. Zu natürlich rasch ansteigenden Einkaufspreisen für die Bauern, versteht sich von selbst.

    Die in fernerer Zukunft in Erwartung stehende, rückläufige Nachfrage nach Futtergetreide rechtfertigt sicherlich die derzeitigen Erzeugerpreiskonstellationen am Markt, welche - mit Verlaub - schlichtweg dreist sind. Nach dem katastrophalen Dürrejahr 2018 korrelieren Angebot und Nachfrage in der jetzigen Form jedenfalls nicht.

    Laut Herrn Schuler ist der Landhandel gut aufgestellt, um die gesichert mannigfaltigen Erwartungen und Herausforderungen, die an die Bauern herangetragen werden, mit einem entsprechend qualifizierten Beratungsangebot aufwarten zu können. Das will jeder erfahrene Praktiker gut und gerne glauben. The same procedure as every year: An der Landwirtschaft verdient man demnach weiterhin ein gutes Geld, in der Landwirtschaft lässt man die Bauern geübt am langen Arm nahezu verhungern, mit dem marginalen, jedoch spürbar feinen Unterschied, dass "zu wenig zum Leben, zuviel zum Sterben" Geschichte sein wird. Die Sterbeprozesse der nicht zügig anpassungsfähigen Betriebe werden zwar weiterhin sehr lautlos, aber wesentlich rasanter verlaufen.

    Sicherlich hat der Agrarhandel für uns Bauern jetzt endlich auch die herbeigesehnten langfristigen Wetterprognosen im Portfolio. Das jedenfalls könnte den Praktiker wirklich glücklich machen!

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