Agrarmärkte 2019

Agrarhandel kämpft an vielen Fronten

Dr. Klaus-Dieter Schumacher erwartet ein immer härteres Umfeld für den Agrarhandel.
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Dr. Klaus-Dieter Schumacher erwartet ein immer härteres Umfeld für den Agrarhandel.

Händler stehen von vielen Seiten unter Druck: Politische Einflussnahme in Märkte, kurzfristiges Einkaufsverhalten der Verarbeiter und politische Anforderungen zählen dazu. Auf dem Agrarmarkt-Seminar der agrarzeitung (az) in Hamburg trifft Berater Dr. Klaus-Dieter Schumacher eine Analyse.

Der Strukturwandel geht weiter, Wachstum findet außerhalb Europas statt, und politische Anforderungen aus allen Parteien greifen massiv in die Agrarstrukturen ein. Schwierige Aussichten also für die weitere Entwicklung im Agrarhandel. „Die vertikale Integration der internationalen Agrarhändler verringert die Handelsvolumina, zusätzlich erschwert die kurzfristige Einkaufspolitik das Geschäft der Handelsunternehmen“, sagte der Agriconsult-Berater Dr. Klaus-Dieter Schumacher auf dem Seminar „Agrarmärkte 2019“ von agrarzeitung (az) und Top Agrar am Freitag in Hamburg.

Die Herausforderungen im Tagesgeschäft sind ohnehin schon groß. Wenn Verarbeiter wie Mühlen oder Mischfutterhersteller sich zunehmend von längerfristigen Kontrakten verabschieden und „von der Hand in den Mund“ kaufen, mache das den Handelsunternehmen den Aufbau eines „physischen Handelsbuches“ schwieriger, so Schumacher. Hinzu kommt der zunehmende Einfluss institutioneller Anleger wie Fondsmanager  an den Agrarbörsen, die kurzfristige Preisvolatilitäten verschärften.  Die Rekordernten in den Jahren 2014 bis 2017 mit hohen Getreidemengen und damit Preis- und Margendruck hätten bereits einige Handelsunternehmen mit den „reinen Funktionen Einkauf und Verkauf“ getroffen, so Schumacher weiter.

Rückverfolgbarkeit und kleinere Tierbestände

Hinzu kommen politische Anforderungen. Schumacher nannte exemplarisch die „Renaissance der Handelskonflikte“ wie jener zwischen den USA und China, der Warenströme am Ölsaatenmarkt erheblich verändert. Außerdem die Nervosität am Getreidemarkt mit Blick auf mögliche, neue Exportkontrollen für Weizen in Russland: „Ich persönlich glaube aber nicht, dass das kommt“, so Schumacher weiter.

Dann wären da noch die Anforderungen aus Gesellschaft und Politik an Tierwohl, Regionalität und Rückverfolgbarkeit der Produkte. „Wir werden geringe Tierbestände in Deutschland haben, und damit eine kleinere Nachfrage nach Mischfutter und Getreide“, so Schumacher. Regionalität und Rückverfolgbarkeit würden auch als Anforderungen der Lebensmittelhersteller und Lebensmitteleinzelhändler zunehmend wichtiger: „Daran müssen wir arbeiten, vielleicht helfen die Digitalisierung und die Blockchain-Technologie“, so Schumacher weiter. Zudem würden mehrgleisige Vermarktungsstrategien und Positionierungen in der Nische erforderlich, damit die Handelsunternehmen in einem anhaltenden Strukturwandel bestehen.

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