Agrarministerkonferenz

Klöckner muss liefern


Bis Freitag tagen die Agrarminister von Bund und Ländern in Münster. Heute steht die Tierhaltung im Vordergrund. Bauern und Landespolitiker fordern von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Antworten zur Ferkelkastration.

Einen ganzen Strauß von Vorschlägen - vom Tierwohl bis zur Afrikanischen Schweinepest  - überreichen die Agrarminister von Bund und Ländern sowie die Verbände Bundesministerin Julia Klöckner (CDU). Ab 1. Januar 2019 ist die betäubungslose Kastration von Ferkeln verboten. Wie geht es weiter, fragen niedersachsens Landwirte die Agrarminister, die in Münster tagen. Ein Weg wäre die Lokalanästhesie durch den Tierhalter, heißt es beim niedersäsischen Landvolk. Dafür muss die Politik aber die arzneirechtlichen Voraussetzungen schaffen. 

Zukunftsfähigkeit der Sauenhaltung in Frage gestellt

Enno Garbade, Vorsitzender im Arbeitskreis Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen schlägt das „schwedische Modell“ vor. Alternativen, wie Ebermast oder Immunokastration und auch Narkose, dagegen würden von den Handelspartnern nicht umgesetzt. Ungelöst ist auch immer noch der konkrete Ungang mit dem Magdeburger Urteil zum Kastenstand. Sollten die Agrarminister keine Einigung über das weitere Vorgehen finden, befürchtet der Verband, dass immer mehr Tierhalter aus der Sauenhaltung aussteigen werden. So hat sich in Niedersachsen die Zahl der Sauenhalter von 2010 bis November 2017 von 3.400 auf nur noch 1.800 fast halbiert.
Schwedisches Modell
In Schweden ist die betäubungslose Ferkelkastration seit 2016 verboten. Möglich bleibt eine Kastration unter lokaler Anästhesie in die Hoden und Gabe von Schmerzmitteln. Die Landwirte dürfen nach einer Schulung selbst kastrieren.

Auch Barbara Otte-Kinast, Agrarministerin in Niedersachsen, ist angesichts dieser Zahlen alamiert. Ihr geht es um den Erhalt der Betriebe im Land und deshalb ist ihr an Planungssicherheit über die künftige Ferkelkastration gelegen. Wir brauchen dazu Antworten vom Bund", sagte Otte-Kinast zur AMK in Münster. 
Ansprechen will sie auch die Umsetzung des Kastenstandurteils. In einem Arbeitspapier haben Bund und Länder Vorschläge zur Größe des Kastenstandes und den Aufenthalt der Sauen im Stand erarbeitet. Der Bund habe signalisiert, kurzfristig einen Vorschlag zur Änderung der Tierschutz-Nutzierthaltungsverordnung vorzulegen, sagte Otte-Kinast.

Demonstrationen: Agrarministerkonferenz in Münster




Entschieden wehrt sich der Deutsche Tierschutzbund gegen den „vierten Weg“. Die Lokalanästhesie soll nicht als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration durchgedrückt werden, meint dessen Präsident Thomas Schröder: „Eine Methodik, die den Anspruch nach Schmerzausschaltung bei der Kastration nicht erfüllt und die Tiere zusätzlich belastet, kann und darf keine Alternative sein. Das Verbot ab 1. Januar 2019 muss gelten, wie es beschlossen wurde.“ Befürworter des „vierten Weges“ argumentieren, dass die Methode in anderen Ländern erfolgreich angewendet werde. 

Greenpeace nutzt mediale Aufmerksamkeit

Gegen die Bedingungen in deutschen Schweineställen protestieren 20 Greenpeace-Aktivisten heute zu Beginn der Agrarministerkonferenz in Münster.  Auf einem Banner fordern sie: „Tierleid beenden! Fleisch kennzeichnen!“ Greenpeace hat Foto- und Filmmaterial veröffentlicht, mit dem die Organisation beweisen will, dass unter anderem der thüringische Zuchtbetrieb Gut Thiemendorf trotz mehrerer Strafanzeigen Schweine weiter unter illegalen Bedingungen hält. 


Weitere Themen auf der AMK sind der Umgang mit dem Wolf, die von Klöckner angekündigte Ackerbaustrategie sowie die Kappung von Direktzahlungen zur GAP-Reform ab 2020.


Ausflug in die Praxis
Die Staatssekretäre der Länder-Agrarminister machten am Mittwoch während der Vorbereitung zur AMK einen Ausflug in die Agrarvis-Zentrale in Münster. Vorstandschef Andreas Rickmers begrüßte rund 40 Gäste. Friedrich Wilhelm Schneider und Jürgen Wortmann stellten die Fortschritte der Agravis bei der Futtermittelsicherheit und bei der Entwicklung von Fütterungskonzepten vor. „Die Herausforderungen für die Lebensmittelproduktion werden stetig größer“, sagte Schneider. Das Agrarhandelsunternehmen führt jährlich rund 32.000 Beprobungen von der Rohware bis zum Endprodukt durch, die zu mehr als 300.000 Prüfergebnissen im Jahr führen.
Die Agravis-Verantwortlichen führten den Politik-Vertretern deutlich vor Augen, welche gravierenden Folgen ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auch für den Agrarexport haben werde.

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