Die Grünen fordern eine Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Forderung ist Bestandteil eines Papiers  mit dem Titel "Grüne Umweltpolitik muss radikal sein – weil sie realistisch ist". 

In dem heute vom Vorstand der Bundestagsfraktion beschlossenen Papier, das  agrarzeitung.de vorliegt, nimmt die  Agrarpolitik neben der Energie-, der Verkehrs-, der Naturschutz- und der Umweltpolitik eine zentrale Rolle ein. Ziele seien Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels und des Artensterbens.

Die Grünen-Fraktion spricht sich für eine komplette Umstellung der EU-Agrarförderung bis spätestens 2027 aus. Danach sollen künftig nur noch öffentliche Gelder für Umwelt-, Natur-, Klima- und Tierschutzleistungen vorgesehen werden. Zudem plädieren die Grünen für einen eigenständigen EU-Naturschutzfonds in Höhe von mindestens 15 Mrd. €.

Abschaffen wollen die Grünen die sogenannte „Massentierhaltung“. Tiere sollen tier- und umweltgerecht gehalten werden. Futter soll vorwiegend aus heimischen Quellen stammen. „Dieser Prozess beginnt sofort und ist spätestens 2035 abgeschlossen“, heißt es in dem Papier. Die Bundesregierung soll einen „Nationalen Tierschutzaktionsplan“ vorlegen, der verbindliche Tierschutzmaßnahmen mit konkreten Umsetzungsfristen festlegt. Umgesetzt werden sollen ordnungsrechtliche Vorgaben, Förder- und Anreizkomponenten sowie eine verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung. Zudem sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Tierhaltung in Deutschland an die Fläche zu binden.

Sofortiger Stopp von Neonics und Glyphosat gefordert

Bis 2022 soll den Vorstellungen der Grünen zufolge der Pflanzenschutzmitteleinsatz um 40 Prozent reduziert werden. Die Anwendung „besonders umweltschädlicher“ Stoffe wie Glyphosat und Neonikotinoiden soll sofort eingestellt werden. In einem "Pestizidreduktionsprogramm" mit klaren Reduktionszielen und zeitlichen Vorgaben soll es auch Festlegungen zum Anteil von Flächen ohne Einträge von chemischen Pflanzenschutzmitteln geben.

Den Anteil von Biolebensmitteln wollen die Grünen bis 2025 auf 20 Prozent erhöhen. Außerdem soll der Anteil an regionalen Lebensmitteln, gentechnikfreien Lebensmitteln und fairen Produkten deutlich erhöht werden.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 7. September 2018 09:49 | Permanent-Link

    Entspringt hier eine geglaubte Sinnhaftigkeit nicht vielleicht weit eher einem realen Mangel an brauchbaren Alternativen!? - Die Wahrheit ist jenseits gerne und oft kommunizierter Schwarz-Weiß-Malereien wie so oft in der Mitte zu suchen:

    Absolut blauäugig darf man keinesfalls ausblenden, dass ein vorstehend zunächst durchaus hehres Ansinnen derzeit in Reihen der nachgelagert verarbeitenden Agrarindustrie an Grenzen einer haltlosen Überforderung stösst; das ist jetzt schon mehr als überdeutlich erkenn- und fühlbar, gerade auch empfindlich spürbar am eigenen Bauerngeldbeutel. Ökologie wird schlichtweg nicht bezahlt!

    Man fällt dort sprichwörtlich aus allen Wolken was angedient wird, gewachsen unter erheblichen Einschränkungen von Pestizid- und Düngereinsatz auf unseren Feldern.

    Die Praxis, werte grüne Freunde -die Farbe „grün“ symbolhaft für die Natur schlechthin, das Leben und ÜBERLEBEN innerhalb selbiger Räume (auch das der konventionellen Bauern!)- jene durchaus verlockenden Sonnenblumen-Strahlewelten, ist weitaus brutaler jenseits einem Alm-Heidi-Ackerbau-Wunschprogramm.

    Ein solcher Abschied von den Monokulturen hin zur allgegenwärtigen JÄHRLICHEN Vielfalt, stellt derzeit wohl ein nur fiktives Wunschtraumdenken auf sämtlichen deutschen Äckern dar.

    Selbst BIO-Bauern stoßen an natürliche Grenzen: Eine der Hauptkultur zuträgliche Reduzierung der Beikräuter auf dem Feld ohne händische Arbeit ist dauerhaft einzig Utopie, ganz abgesehen von der entsetzlichen Realität, dass da generell keine in den schönsten Leuchtfarben erträumte Ware, wie von der aufnehmenden Hand im stylischen Manageroffice am topmoderenen PC vorskizziert, in den dortigen Gossen landet. Und nun!? - Ordentlich latzen wird hierfür nur der Bauer; nach den Einheitsbedingungen des deutschen Getreidehandels wird blindwütig abgezogen und einbehalten, was das Zeug hält. Wahrlich KEINE bio- bzw. ökologiefreundlichen Statuten fürwahr. Unsere grünen Freunde sollten sich dahingehend horizonterhellend die Lektüre dieses einseitig extrem verstaubten, trockenen Regelwerkes zunächst einmal gründlich zu Gemüte führen wollen.

    Die Anwendung alternativer thermischer Verfahren stellt im übrigen eine pure Energieverschwendung dar. Hat jemand überhaupt auf dem Bildschirm, in welcher Vielzahl dabei Lebewesen blindwütig gegrillt werden!? - DAS widerspricht wirklich jedweder sinnvollen nachhaltigen Ökologie. Man spricht darüber aber nur äußerst ungerne, um ein solches „Saubermann-Image“ keinesfalls zu beschädigen. Insekten- und Artensterben verursachen schließlich nur die anderen!

    Im Rahmen der aktuellen Tarifverhandlungen der Chemieindustrie ist derzeit eine Erhöhung von 3% bei einem bereits zugrundeliegenden Durchschnittseinkommen von knapp 60.000 € gefordert. Was hätte es logischerweise in selbigen Reihen schlussendlich zur Konsequenz, wenn die Landwirtschaft als Kunde in weiten Bereichen auf lange Sicht wegbräche?

    Viele, viele Fragen und beileibe noch sehr wenige schlüssig bahnbrechenden Antworten...! - Wer die Welt bewegen will, muss zunächst sich selbst bewegen; und dabei schließe ich niemanden innerhalb der Endloskette maßgeblicher Entscheidungsfindungen aus.

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