Agrarverbände

Richtungsstreit in der AbL

Eckehard Niemann vom niedersächsischen AbL-Landesverband tritt von seinen Ämtern zurück. Aus seiner Sicht vertritt der Bundesverband zu häufig nur noch Natur- und Umweltschutzinteressen.

Eckehard Niemann, bisher Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Niedersachsen und bundesweit bekannt für seine wöchentlichen Rundschreiben und Stellungnahmen zur Agrarpolitik, gibt seine Funktionen innerhalb der AbL in Niedersachsen auf. Er bleibe jedoch „ganz bewusst" Mitglied der AbL, schreibt Niemann Anfang der Woche in einer Erklärung zu seiner Entscheidung, die er am Wochenende bekannt gegeben hatte. Denn die Arbeit der AbL hält er nach wie vor für sehr wichtig. Allerdings äußerte sich Niemann  besorgt darüber, dass, so wörtlich, „sich die AbL in wichtigen Bereichen von einer bäuerlichen Interessenvertretung zu einem bloßen Teil der Natur- und Umweltschutz-Szene entwickelt."

Die AbL beteiligt sich seit Jahren an den Großdemonstrationen, die zu Beginn der Grünen Woche stattfinden, wie hier im Januar 2016 vor dem Reichstag. Der Fokus liegt stark auf Umweltinteressen.
Foto: Uwe Hiksch
Die AbL beteiligt sich seit Jahren an den Großdemonstrationen, die zu Beginn der Grünen Woche stattfinden, wie hier im Januar 2016 vor dem Reichstag. Der Fokus liegt stark auf Umweltinteressen.
Ziemlich weit entfernt von bäuerlichen Interessen hat sich nach Beobachtung von Niemann die AbL mittlerweile im konventionellen Ackerbau oder in der Weidetierhaltung, wenn es um das Thema Wolf geht. Niemann geht es darum, dass die AbL weiterhin auch für die mittelständischen Bauernhöfe eintritt, die konventionell wirtschaften. Dies seien immerhin 90 Prozent der Betriebe, rückt der Niedersachse die Fakten zurecht. Die AbL solle seiner Meinung nach auch nicht für eine Abschaffung der EU-Direktzahlungen in der 1. Säule  plädieren, sondern für gestaffelte Hektar-Prämien und eine Kappung. Niemann würde hier eine Obergrenze bei einer Flächenausstattung von 500 Hektar einziehen. Damit ließe sich das Vordringen agrarindustrieller Großbetriebe unterbinden.

Wurzeln in Baden-Württemberg

Die AbL geht zurück auf einen kirchlichen Bauernkreis in Baden-Württemberg, der sich mit Fragen der Dritten Welt befasste. Von Anfang an stellte der 1973 gegründete Arbeitskreis Junger Landwirte die Frage, ob der Deutsche Bauernverband (DBV) ausreichend die Interessen der kleineren Bauernhöfe vertritt. Weitere Regionalgruppen gründeten 1980 hierfür einen bundesweiten Verein, der seit 1983 Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft heißt. Die AbL kämpft von Anfang an für faire – in der Regel für höhere – Erzeugerpreise, gestaffelte EU-Subventionen, eine gerechtere Bodenpolitik sowie das Recht auf kostenlosen Nachbau. Hinzu gekommen sind mit den Jahren die Themen gentechnikfreie Landwirtschaft und die Ablehnung von Freihandelsabkommen. Die AbL ist seit 2011 einer der Trägerverbände der Großdemonstrationen, die jährlich zur Grünen Woche unter den Motto „Wir haben es satt!" stattfinden.

Die AbL solle bäuerliche Interessen sowohl gegenüber Marktpartnern als auch innerhalb gesellschaftlicher  Bündnisse vertreten. „Darüber ist jetzt eine offene und transparente Debatte angesagt", hofft Niemann. Die Gelegenheit bietet sich bald. Die Jahrestagung und Bundesmitgliederversammlung der AbL findet unter dem Motto „Im Bäuerlichen liegt die Zukunft“ vom 8. bis 10. Dezember im nordhessischen Hofgeismar statt.

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