Agrisocial Media

Bloggen statt Pflügen

In den USA verdienen junge Farmer als Influencer mehr Geld als auf dem Acker.
Foto: Darren Baker/stock.adobe
In den USA verdienen junge Farmer als Influencer mehr Geld als auf dem Acker.

Social Media ist längst auch in der Agrarbranche angekommen. Vorreiter sind Farmer aus den Vereinigten Staaten.

Hier hat sich eine aktive und wirtschaftlich überaus erfolgreiche Szene von Bloggern und Influencern etabliert, deren Strahlkraft weit über die Grenzen der USA hinausreicht. Einer von ihnen ist Zach Johnson, der in Minnesota Mais und Soja anbaut. Auf Youtube ist er besser bekannt als "MN Millennial Farmer". Seine Familie bewirtschaftet die gut 1 000 Hektar große Farm in der fünften Generation; seit 2005 ist der heute 34-Jährige Haupterwerbslandwirt. Seit 2016 ist er vor allem auf Youtube aktiv und zeigt dort sein alltägliches Leben auf der Farm.

Veritable Einnahmequelle

Als Blogger, so verrät er der US-Ausgabe von Bloomberg, verdienen er und seine Frau Becky ungefähr fünfmal so viel, wie die Familienfarm jedes Jahr abwirft. Das Geld kassiert er für bezahlte Produkttests und -empfehlungen oder für industrielles Campagning. "Ich hatte die Idee für den Youtube-Channel ungefähr zwei Jahre, bevor ich wirklich damit angefangen habe", erzählt Johnson dem Branchen-Dienst "mnsoybean.org". Er habe mit seiner Frau darüber gesprochen, die ihn schließlich dazu ermutigt habe, seine Idee einfach in die Tat umzusetzen.

Nach etwas schleppendem Beginn ging sein Channel im Jahr 2018 durch die Decke. Heute hat er 348 000 Abonnenten, die im Schnitt jedes seiner Videos gut 250 000-mal ansehen. Unter dem Strich sind das mehr als 50 Millionen Aufrufe. Längst hat der findige Geschäftsmann aufgrund seiner Popularität neue Einnahmequellen erschlossen. Er verkauft fleißig Merchandise-Artikel, hält Vorträge und bietet Führungen auf seiner Farm an.

"Am Anfang dachte ich, dass ich die Videos ungeschnitten zeigen möchte, um authentischer zu sein. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es besser ist, komprimierter zu arbeiten. Das ist mehr Aufwand, bringt aber auch mehr Views", erklärt Johnson. Man könne auch authentisch sein und die Videos trotzdem editieren, um die Zuschauer nicht zu langweilen. Drei Stunden brauche er ungefähr, um ein Video zu schneiden. "Während der Pflanzzeit und der Ernte bin ich bis 22 oder 23 Uhr auf dem Traktor und schneide danach noch bis nachts um 1 Uhr. Das ist zwar ohnehin eine anstrengende Zeit, aber da ist auch mehr Content für den Kanal als in ruhigen Phasen auf der Farm."
„Es gibt immer mehr User, die sowieso für oder gegen mich sind. Es gilt, die 70 bis 80 Prozent dazwischen zu beeinflussen.“
Zach Johnson, MN Millenial Farmer, 

Sein Erfolg ist natürlich auch der Industrie aufgefallen, die ihn für Präsentationen bezahlt. Dabei setzt er sich den Mechanismen von Social Media aus. Anfeindungen, so räumt er ein, gehören dazu. Aber längst nicht jeder Kommentator auf seinen Kanälen sei nur auf Streit aus. Wichtig sei ihm trotz der Sponsorings eine gewisse Ausgewogenheit. "Ich will nicht den Eindruck erwecken, als würde ich sagen, dass Pestizide per se gut sind, dass Gentechnik gut ist, dass Drainagen gut sind", so Johnson. Ein wichtiger Leitsatz im Umgang mit leicht mal eskalierenden Internet-Diskussionen sei, niemals mit den anderen Usern über etwas zu streiten. "Wenn jemand nicht diskutieren, sondern nur streiten will, werde ich seine Einstellung auch nicht ändern können." Es gebe immer User, die auf seiner Seite seien, und solche, die es nie sein werden. "Die 70 bis 80 Prozent in der Mitte dazwischen, die sind es, die es zu beeinflussen gilt", so Johnson.

Role-Models für Quereinsteiger

Johnson ist mit seinem Channel nicht allein – und jede Zielgruppe hat ihre eigenen Idole. Suzanne Cook alias "WT Farm Girl" hat 40 000 Abonnenten und lässt ihre Follower als Farmerin der ersten Generation am Scheitern und am Erfolg teilhaben. Sie möchte vor allem Frauen ermutigen, ins Farming einzusteigen. Oder der Kriegsveteran Josh Draper alias "Stoney Ridge Farmer", der mit mehr als 220 000 Abonnenten auch andere Kriegsveteranen für das zivile Leben als Farmer begeistern will.

Zu den Zuschauern zählen längst nicht nur Branchenkollegen, sondern ganz normale Konsumenten. "Die Leute sind neugierig, wo ihr Essen herkommt und wer die Menschen sind, die es anbauen", sagt Johnson. Das Agrarblogging sei eine großartige Chance, mit den Konsumenten ins Gespräch zu kommen und ihnen zu zeigen, warum der Farmer so arbeitet, wie er arbeitet.

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