Frei lesbar: Aktionsprogramm Insektenschutz

Aeikens wirft Rukwied groteske Übertreibung vor


Der Einsatz von Pflanzenschutz wird in bestimmten FFG-Gebieten eingeschränkt.
Bild: Pixabay / hpgruesen
Der Einsatz von Pflanzenschutz wird in bestimmten FFG-Gebieten eingeschränkt.

Der Einsatz von Herbiziden und Insektiziden ist künftig auf Ackerland in FFH-Gebieten verboten. Der Deutscher Bauernverband (DBV) spricht von einer Fläche von 3 Mio. ha, das Bundesagrarministerium (BMEL) hält die Zahl für grotesk übertrieben.

Auf welchen Flächen künftig der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten ist, ist offenbar nicht allen bekannt. Joachim Rukwied, DBV-Präsident, behauptet, dass auf  rund 3 Mio. ha mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Aktionsprogramm Insektenschutz der Einsatz von Pflanzenschutz verboten werden soll. Dadurch würde sich ein Wertverlust von 10.000 €/ha ergeben.  „Diese Zahlen sind nahezu grotesk übertrieben“, antwortet Hermann Onko Aeikens, BMEL-Staatssekretär, in einem offenen Brief dem DBV-Präsidenten.

Vielmehr werde es nur nur für einen sehr kleinen Anteil dieser Flächen zu signifikanten Einschränkungen kommen, schreibt Aeikens. Betroffen sei vor allem Ackerland in FFH-Gebieten, auf dem die Anwendung von Herbiziden und noch in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung festzulegenden biodiversitätsschädigenden Insektiziden verboten werden soll. Das heißt, dass Fungizide, aber auch nicht in der Verordnung genannte Insektizide weiter angewandt werden dürfen. Diese Fläche umfasst rund 158.000 ha. Ferner betroffen sind rund 1,1 Mio. ha Dauergrünland. Da auf Grünland Herbizide in weit geringerem Umfang und Insektizide kaum angewandt werden, seien die zu erwartenden Einschränkungen für die Bewirtschaftung dieser Flächen um ein Vielfaches geringer.

Für 738.000 ha Ackerland und 846.000 ha Dauergrünland, die in Vogelschutzgebieten, aber nicht in FFH-Gebieten liegen, erhalten die Länder die Möglichkeit, Herbizid- und bestimmte Insektizidanwendungen einzuschränken, allerdings nur, wenn eine besondere Bedeutung für den Insektenschutz dargelegt werden kann. Aeikens geht aufgrund dieser Einschränkung nicht davon aus, dass es zu großflächigen und weitreichenden Verboten kommen wird. Insgesamt seien die Details zur Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung noch zu klären. Dazu werden auch die Verbände angehört.

Ferner weist Aeikens darauf hin,  dass bereits jetzt landwirtschaftlich genutzte Gebiete in FFH-Gebieten bestimmten Bewirtschaftungsbeschränkungen unterliegen können, die sich aus der Art und dem Zweck der Schutzgebietseinrichtung ergeben. Welche das sind, legen die Länder in eigener Zuständigkeit fest. Auch hier seien künftig zur Bewirtschaftung notwendige Ausnahmen vorgesehen. Um die Folgen unvermeidbarer Einschränkungen abzumildern, soll  in der GAK ein Sonderrahmenplan Insektenschutz aufgelegt werden, wo der Bund 50 Mio. € dazusteuert.

 

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  1. Gehring
    Erstellt 24. September 2019 12:18 | Permanent-Link

    Das Szenario der Landwirtschaft als Landschafts- und Grünflächenpfleger wird immer realistischer. Die Annahme, dass die potentielle Fläche von ca. 3,8 Mio. ha FFH- und Vogelschutzgebiete nur zum Bruchteil beansprucht werden wird ist völlig unrealistisch.
    Die vorläufigen Ausgleichsmittel werden eine Kompensation von rund 15 € pro Hektar Ackerland zulassen. Damit wird der konventionelle Ackerbau auf diesen Flächen nicht zu halten sein!

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