Algenzucht

Grüne Alleskönner mit viel Potential

In den kleinen Perlen werden die Algen vermehrt. Die Zucht in Bioreaktoren verbraucht deutlich weniger Wasser als herkömmlicher Verfahren.
Steffen Bach
In den kleinen Perlen werden die Algen vermehrt. Die Zucht in Bioreaktoren verbraucht deutlich weniger Wasser als herkömmlicher Verfahren.

Sie sind klein, grün und rund – mit Algen gefüllte Kugeln sollen in Zukunft dazu beitragen, dass in der Tierhaltung weniger Antibiotika benötigt werden.

Im Oldenburger Münsterland könnten schon bald Perlen vor die Säue geworfen werden. Die Perlen sind grün und werden im Unternehmen „S2B“ von Rudolf Cordes produziert, das seinen Sitz in Wildeshausen bei Oldenburg hat. Ihre Schale besteht aus deinem Biopolymer, der Inhalt aus Wasser in dem sich die Algen vermehren. Vorsichtig hält Rudolf Cordes eine der rund zwei Millimeter großen Perlen, auf der Fingerspitze und erläutert, dass in den kleinen Kügelchen innerhalb von drei Wochen durch Zellteilung rund 18.000 Algen heranwachsen. In dieser Perle – Cordes nennt sie einen kleinen Bioreaktor – werden Algen der Art Chlorella Vulgaris kultiviert. Sie enthalten viel Vitamin B12 und Eisen sowie 60 Prozent hochwertiges Eiweiß. Derzeit vertreibt sein Unternehmen die Algen in getrockneter Form als Lebensmittel das in Säften und beim Backen eingemischt werden kann.

Nur wenig über Inhalsstoffe bekannt

Weltweit existieren wohl rund 400.000 verschiedene Arten von einzelligen Mikroalgen. Nur etwa ein Zehntel davon ist namentlich bekannt, von noch viel weniger dieser kleinen Pflanzen weiß man, welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Was die kleinen grünen Einzeller in ihrem Inneren verbergen, erforsch Dr. Ilka Maria Axmann von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sie sieht in ihnen ein riesiges Potential, wenn es darum geht wertvolle Naturstoffe zu gewinnen, die als Lebensmittel, Tierfutter, Arznei, Treibstoff oder Material für die Herstellung von Produkten verwendet werden können. Vorteil der Algen sei, dass sie wie auch andere Pflanzen aus Sonnenlicht Energie gewinnen können, dabei im Bezug auf den Verbrauch von Ackerfläche, Düngemittel und Wasser aber um ein Vielfaches genügsamer seien.

Immunsystem der Tiere stärken

Das Ziel von Rudolf Cordes ist es, Algen mit Inhaltsstoffen zu finden, die einen Beitrag zur Stärkung des Immunsystems bei Tieren leisten können. Viele dieser Stoffe seien aus Arzneipflanzen wie etwas Salbei oder Fingerhut bekannt, sie aus diesen Pflanzen zu gewinnen, aber technisch aufwändig und teuer. Viel einfacher wäre es, wenn die Algen sie in den kleinen Perlen herstellen könnten. Eine interessante Stoffgruppe sind dabei bioaktive Terpene. Erste Studien deuten darauf hin, dass Algen, die Terpene enthalten, die Immunabwehr von Tieren stärken, wenn sie dem Futter hinzugefügt werden, berichtete Axmann bei einem Besuch der Algenfarm von S2B in Niedersachsen.

Neue Einkommensquelle für Landwirte

Algen könnten so einen Beitrag leisten, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren, blickte Dr. Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) in die Zukunft. Daneben könnte die Algenproduktion aber auch eine neue Einkommensquelle für Landwirte in der Region werden. „Gefüttert“ werden Algen lediglich mit Kohlendioxid und Wasser, dass in Brunnen gewonnen werden kann, so Algenproduzent Cordes. Derzeit arbeitet er bereits mit einigen Landwirten zusammen, die in seinem Auftrag produzieren. Als „Abgas“ falle dabei lediglich Sauerstoff an, den die Algen ausscheiden. Das Wasser bleibe frei von schädlichen Stoffen, so dass es keine Entsorgungsprobleme verursache.

Hoher Proteingehalt weckt Fantasien

Langfristig könnten Algen wegen ihres hohen Proteingehaltes auch einen Beitrag zur Lebens- und Futtermittelproduktion leisten, hofft Ilka Maria Axmann. Bis es so weit ist, werde aber noch einige Zeit vergehen, denn noch seien dafür die Produktionskosten viel zu hoch, schränkt Rudolf Cordes ein.

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