Antibiotikaeinsatz

Größe des Betriebes nicht entscheidend


Bei fast allen Nutztierarten sinken in Deutschland die verabreichten Mengen an Antibiotika. Die Bestandsgröße sowie die Regionen haben keinen Einfluss auf die Therapiehäufigkeit.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht regelmäßig Daten zum Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren. Visualisiert werden die Ergebnisse dabei mit einer Deutschlandkarte, auf der Westfalen und das Oldenburger Münsterland hervorgehoben sind. Die Tierhalter und Veterinäre in diesen Regionen, so der Eindruck, der sich häufig einstellt, sind bei der Vergabe von Antibiotika besonders freigibig. 

Prof. Lothar Kreienbrock von der Tieräztlichen Hochschule in Hannover (THH) hält diese Schlussfolgerung für "komplett falsch". Der Leiter des Instituts für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung stellte am Dienstag bei einer Antibiotika-Tagung in Melle fest, dass Faktoren wie die Region und die Betriebsgröße keinen Einfluss auf die Therapiehäufigkeit haben. Auch die Betriebsform, also die Frage ob es sich um eine Schweinehaltung im geschlossenen System, eine Ferkelerzeugung oder einen Mastbetrieb handelt, spiele keine Rolle. Die bisherige Praxis, bei der ausschließlich die verkaufte beziehungsweise verabreichte Menge interpretiert werde, sei stark fehlerbehaftet.

Prof. Thomas Blaha, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung Tierschutz, betonte die großen Fortschritte, die seit 2011 bei der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung gemacht wurden. Für die Zukunft forderte er eine bessere Vernetzung der vorhandenen Daten. Es seien fast alle Informationen vorhanden, um Antworten auf die offenen Fragen zu finden, sie müssten nur besser genutzt werden. Leider werde der Datenschutz in Deutschland oft genutzt, um "gute Dinge zu verhindern", bedauerte Blaha.

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