Artenschutz

Freibrief zur Wolfsjagd


Wenn es nach der Bundesregierung geht, soll das streng geschützte Tier wesentlich leichter gejagd werden können.
Bild: Pixabay / christels
Wenn es nach der Bundesregierung geht, soll das streng geschützte Tier wesentlich leichter gejagd werden können.

Die Neufassung des Bundesnaturschutzgesetzes sorgt in der Politik für Unmut. Den Konservativen geht der Entwurf nicht weit genug. Tierschützer verurteilen die geplante Veränderung.

Der Gesetzesentwurf für den Umgang mit problematischen Wölfen sorgt in der Politik für heftige Reaktionen. Gestern hatte sich das Bundeskabinett auf einen Entwurf geeinigt, der die Hürden für die Jagd auf den Wolf senkt. Unter anderem muss der Schaden nun nicht mehr existenzbedrohend, sondern nur noch „ernst“ im Sinne von "jenseits der Bagatellhürde" sein. Besonders kritisch ist, dass nicht der Problemwolf entnommen werden soll, sondern irgendein Tier des Rudels. Anschließend hoffe man auf Besserung. Wenn diese ausbleibt, weil Jäger den falschen Wolf entnommen haben, soll die Jagd ebenso unspezifisch weitergehen, bis entweder das Rudel ausgelöscht oder der Problemwolf getroffen wurde.

Während Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Neuregelung als vernünftigen Konsens zwischen den Interessen der Naturschützer und den Forderungen der Weidetierhalter sieht, geht der Entwurf Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nicht weit genug. Sie fordert eine präventive Vernichtung möglicher bedrohlicher Wölfe. Auch der jagdpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Karlheinz Busen, bezeichnet den Entwurf als nicht lösungsorientiert. Er diene lediglich dem Koalitionsfrieden. Die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände begrüßte den Entwurf, forderte aber weitergehende Maßnahmen.

Bundesregierung agiert "nicht seriös"

Die Umweltministerin des Landes Sachsen-Anhalt Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) äußert Zweifel. „Der Gesetzentwurf der Bundesregierung wird die Probleme nicht lösen.“ Die Lösung sei eine Weidetierprämie, die betroffene Tierhalter entschädige. Erheblich zu weit gehe ihr die Entnahme ohne eindeutige Zuordnung zu Schäden. Das widerspräche den artenschutzrechtlichen Anforderungen. „Ein Tier einer streng geschützten Art kann nicht nach Gutsherrenart entnommen werden. Es gilt immer der Einzelfall.“ Der Entwurf schaffe eher rechtliches Glatteis. Insgesamt sei das Verhalten der Bundesregierung „nicht seriös“.

Kirsten Tackmann, Abgeordnete im Bundesagrarausschuss für Die Linke, bezeichnete die erleichterte Wolfsjagd als ein Ablenkungsmanöver für die unterlassene Hilfeleistung beim Herdenschutz. Die Erleichterung der Regel für Problemfälle könnte außerdem als Freibrief zur Wolfsjagd verstanden werden.

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