az-Wochenstart: Eurotier digital, Präsenzmessen im Nebel; Agrarpolitik auf Konfliktkurs; HaGe-Mutter präsentiert Bilanz

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az). 
Foto: Privat

Digital total startet diese Woche die Eurotier. In der Agrarpolitik laufen die kontroversen Diskussionen um das Insektenschutzgesetz und die Umsetzung der GAP-Reform weiter. Außerdem gibt es Zahlen vom dänischen DLG-Konzern und den „Wasde“-Bericht des USDA für Februar.

Eurotier digital, Präsenzmessen im Nebel

Foto: DLG

Erst vor wenigen Tagen hat sich der Landtechnikkonzern John Deere dazu entschieden, der Agritechnica 2021 im November in Hannover fernzubleiben. Angesichts der weiterhin bestehenden Bedrohung durch die Corona-Pandemie seien für das Unternehmen die Voraussetzungen nicht gegeben, um an einer internationalen Branchenmesse teilzunehmen, sagt dazu John Deere. Andere namhafte Hersteller wie Claas oder Agco Fendt planen zwar weiterhin mit der Teilnahme. Doch versehen die Unternehmen diese Aussage mit dem Zusatz, dass man „derzeit“ mit der Teilnahme an der Präsenzmesse plane. Auch behält sich natürlich selbstverständlich jedes Unternehmen vor, die Lage laufend zu bewerten und beobachten. Für Messeveranstalter kein leichtes Geschäft, denn längst wird natürlich darüber spekuliert, ob es bei der Agritechnica-Absage von John Deere bleibt, oder ob andere Hersteller auch noch die Reißleine ziehen werden. Der Veranstalter DLG jedenfalls schaltet auch zur Agritechnica vorsorglich schon mal ab Mai ein digitales Portal frei, auf dem sich die Aussteller präsentieren können. Das Format einer komplett digitalen Branchenmesse erprobt die DLG bereits ab diesem Dienstag mit der digitalen Eurotier und Energy Decentral. Ursprünglich sollte auch die Eurotier als Präsenzmesse stattfinden, nachdem sie von ihrem eigentlichen Termin im November 2020 auf den Februar verschoben wurde. Doch daraus wurde coronabedingt nichts.

Dessen ungeachtet hat auch die virtuelle Eurotier ein interessantes Fachprogramm zusammengestellt, in dem sich zahlreiche Diskussionsrunden mit dem Thema auseinandersetzen, wie denn der Spagat zwischen mehr Tierwohl auf der einen und ökonomischer Überlebensfähigkeit auf der anderen Seite gemeistert werden kann. Für das interessierte Fachpublikum sind die Hürden, teilzunehmen, gering. Zwar fehlt das eine oder andere inspirierende Gespräch am Rande, das sich auf „echten, analogen“ Messen zwangsläufig ergibt, und den Besuch unterm Strich wirklich lohnenswert macht. Aber digital ist die Teilnahme örtlich flexibel und kann eher mal in einen vollen Arbeitstag eingetaktet werden. Natürlich zu dem Preis, dass nebenbei Mails beantwortet oder Telefonate geführt werden. Kurzum: Die Reichweite mag bei digitalen Messen steigen gegenüber Präsenzveranstaltungen. Wie viel ungeteilte Aufmerksamkeit der Besucher die Aussteller bekommen, steht auf einem anderen Blatt.

Ob 2021 wieder ein messefreies Jahr mit Blick auf Präsenzveranstaltungen vor Ort bleiben wird, ist derzeit noch eine offene Frage. Der Agritechnica kann die vergleichsweise lange Zeit, die bis Veranstaltungsbeginn noch ins Land geht, in die Karten spielen. Interessanter wird, was mit den DLG-Feldtagen im Juni geschieht. Letztes Jahr konnten diese bekanntlich nicht stattfinden und wurden auf 2021 verschoben. Doch ob dieser Aufschub genügt, scheint zumindest im Moment fraglich. Die größte Befürchtung der Veranstalter dürfte derweil sein, dass die Aussteller nach ein bis zwei messefreien Jahren auf den Trichter kommen, dass der Effekt der Ausfälle auf die Betriebsleistung gering war – und Messepräsenzen generell überdenken. Denn die sind ja bekanntlich ein teures Vergnügen.

Agrarpolitik im Konfliktmodus

Foto: Imago Images / Steve Bauerschmidt

Manch einer mag vielleicht darauf spekuliert haben, dass sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltressortchefin Svenja Schulze (SPD) so sehr verzoffen, dass es mit dem Insektenschutzgesetz in der noch laufenden Legistlaturperiode doch nichts mehr wird. Aber diese Hoffnungen zerschlagen sich gerade. Denn am Mittwoch soll das Insektenschutzgesetz, sofern sich an der Planung nichts mehr ändert, vom Bundeskabinett beschlossen werden. Das Insektenschutzgesetz, das unter anderem ein weitgehendes Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten vorsieht, sorgt für Unmut in der Landwirtschaft, um es vorsichtig zu formulieren. Die Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) hat zu Protesten aufgerufen, die ab Sonntag unter anderem in Bonn vor dem Hauptsitz des Bundeslandwirtschaftsministeriums stattfinden sollen. Auch der Deutsche Bauernverband, der zwar nicht zu Protesten aufruft, äußerte sich bereits in der Vorwoche sehr kritisch zu dem Gesetzesvorhaben und beraumte eilig eine Pressekonferenz an. Seine Befürchtungen: Wenn Anwendungsverbote von Pflanzenschutz in Schutzgebieten gesetzlich geregelt werden sollen, können Landwirte sich nicht mehr an entsprechenden, freiwilligen Umweltprogrammen beteiligen und dafür Fördermittel kassieren.

Auch abseits von den Auseinandersetzungen um das Insektenschutzgesetz ist die deutsche Agrarpolitik derzeit auf Konfliktkurs. Die Sonder-Agrarministerkonferenz (Sonder-AMK) am vergangenen Freitag endete mit viel Dissens und ohne greifbare Ergebnisse. Thema war unter anderem, wie die Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) in den nationalen Strategieplänen umgesetzt werden kann. Die Länderminister treten auf die Bremse, da auf europäischer Ebene noch kein Kompromiss dazu erreicht wurde, mit wieviel Mitteln aus der 1. Säule der GAP künftig die einjährigen Förderprogramme in der 1. Säule, die Eco-Schemes, ausgestattet werden sollen. Im Trilog zwischen Europaparlament, EU-Kommission und EU-Agrarministerrat, der übrigens an diesem Mittwoch fortgesetzt wird, gab es dazu noch keinen Durchbruch. Hinzu kommt: Die grünen Länderminister wollen mehr Mittel für Umweltprogramme der GAP bereitstellen und dazu die 1. Säule der Direktzahlungen abschmelzen. CDU/CSU, FDP und SPD sehen das anders, wobei die Sozialdemokraten da noch am ehesten annäherungsbereit in Richtung der Grünen sind. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat in dem Kuddelmuddel nach der Sonder-AMK am Freitag eines klargemacht: Notfalls reicht der Bund ohne Beteiligung der Länder die Strategiepläne für die nationale GAP-Umsetzung in Brüssel ein, um fristgerecht bis Jahresende zu liefern.

HaGe-Mutter präsentiert Bilanz

Foto: Imago Images / Blickwinkel

Nicht minderspannend als die Agrarpolitik sind derzeit die Entwicklungen in der Agrarwirtschaft, konkret im Agrarhandel. Dort werden fleißig Marktanteile neu vermessen und Strukturen optimiert. So stellte die Agravis zuletzt vermehrt Tochtergesellschaften unter die Konzernflagge, die Baywa organisiert ihr Ost-Geschäft neu, Standortschließungen inklusive. Und Beiselen und ATR haben nun auch vom Bundeskartellamt grünes Licht bekommen für ihre Fusion zur BAT Agrar. Etwas schwerer machen die Kartellwächter es der Raiffeisen Waren GmbH und der RWZ in Köln, ihr Kooperationsverfahren an den Start zu bringen. Doch nach einem formalen Rückzug des Antrags beim Kartellamt zwecks Überarbeitung und Neueinreichung desselbigen sollen auch hier möglichst zur Jahresmitte Nägel mit Köpfen gemacht werden. Heißt konkret: Gemeinschaftsunternehmen für den Großhandel mit Getreide und Betriebsmitteln sollen an den Start gehen; außerdem wollen die Kasseler einige der RWZ-Standorte in Ostdeutschland in ihr Netz überführen.

In dieser Gemengelage legt am Mittwoch der DLG-Konzern, Muttergesellschaft der DLG, ihre Bilanz für 2020 vor. Das sind immer auch Gelegenheiten, strategische Aussagen zu treffen. Dabei steht natürlich im Fokus, welche Leistungen die Kieler 2020 erbracht haben, und wie die Erwartungen der dänischen Mutter für die Zukunft sind. Zahlen gibt es übrigens auch vom US-Agrarministerium. Das stellt am Dienstagabend seinen Marktbericht „Wasde“ für Februar vor.
stats