az-Wochenstart: Pflanzenschutz/Insektenschutz/Ernte/Naturbewusstsein

Was wichtig wird: Zahlenwirtschaft


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In dieser Woche herrschen die Zahlen. Das reicht von den neuesten Ernte-und Vermarktungseinschätzungen in Deutschland und weltweit bis zum dem Absatz an Pflanzenschutzmitteln. Bei letzteren sind Diskussionen um den Insektenschutz programmiert.

 
Der Pflanzenschutzmittelumsatz in Deutschland ist nach den Zahlen des Industrieverbandes Agrar seit Jahren rückläufig. In einigen Kulturen haben die Landwirte aber Probleme Schädlinge und Unkräuter zu bekämpfen.
imago images / Martin Wagner
Der Pflanzenschutzmittelumsatz in Deutschland ist nach den Zahlen des Industrieverbandes Agrar seit Jahren rückläufig. In einigen Kulturen haben die Landwirte aber Probleme Schädlinge und Unkräuter zu bekämpfen.
Mit ihrem Plan zum Schutz der Insekten hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze ihre Amtskollegin Julia Klöckner unter Zugzwang gebracht. Am Mittwoch legt die Bundesagrarministerin nicht nur die Zahlen zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln gemeinsam mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vor, sondern will sich auch zur Förderung nicht-chemischer Alternativen äußern sowie zu weiteren Vorhaben, wie sie den Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren und die Artenvielfalt schützen will. Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot hatten sich die Parteien auf ein gemeinsames Aktionsprogramm geeinigt. Nun hat Schulze ihren Teil dem Bundeskabinett vorgelegt. Klöckner hat sich bislang noch bedeckt gehalten. Erwartet wird von ihr beispielsweise ein Plan zum Glyphosat-Ausstieg. Auch die Ackerbaustrategie ist noch in der Online-Diskussion. Klöckner macht zuerst eine wissenschaftliche Folgenabschätzung zur Bedingung für das Insektenschutzgesetz. Das kann allerdings noch etwas dauern.

Der Entwurf des Insektenschutzgesetzes stößt in der Landwirtschaft auf scharfe Kritik. Der Bauernverband bangt um freiwillige Umweltprogramme. Und wie es um das Naturbewusstsein der deutschen Bevölkerung wirklich steht, erfahren wir am Freitag, wenn das Bundesumweltministerium seine Studie dazu vorlegt.
 
Die Vermarktung von Getreide wird in dieser Saison herausfordernd.
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Die Vermarktung von Getreide wird in dieser Saison herausfordernd.
Am Dienstag geht es um ganz konkrete Dinge. Dann lädt die ZG Karlsruhe zu ihrer Erntepressekonferenz ein, berichtet über die Erträge und die Vermarktungsaussichten für die deutsche Getreideernte. Die Exportaussichten sind jedenfalls nicht mehr so gut wie im Vorjahr. Die Händler stellen sich auf geringere Weizenexporte ein, denn auch Russland ist als Konkurrent am Markt. Ob der Iran wieder größere Mengen ordern wird ist derzeit noch offen. Am Mittwoch präsentiert dann der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Einschätzungen und am Abend blickt das US-Landwirtschaftsministerium mit seinem Wasde-Report auf die weltweiten Ernten und Marktentwicklungen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Fachagrarwirt Schneider Michael
    Erstellt 19. November 2019 11:28 | Permanent-Link

    Also dieser geistig Verstaubten Agrarpolitik kann man nicht mehr weiterhelfen, Frau Klöckner hatte ich meine Ansätze zur Öko-Sozialen- Agrarwende vorgelegt, außer dummes Zeug kam nicht zurück.
    Deutschland sollte mehr für blühende Wiesen als Sojaersatz und fermentierte Futtermittel stehen, hier hat die deutsche Agrarfütterungsforschung nichts vorzuweisen, einfach nur Respektlos gegeüber der Schöpfung und Schöpfungswillen

  2. Armin Rathjen
    Erstellt 19. November 2019 18:02 | Permanent-Link

    Was wirklich wichtig wird?
    Zuerst wird es wichtig, wieder fair miteinander umzugehen!

    Leider ist die Fairness abhanden gekommen, wenn die "konventionelle" Landwirtschaft beschuldigt wird, nahezu alles falsch zu machen, sowohl in der Tierhaltung, als auch im Pflanzenbau, als auch in der Umweltpflege.
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn die Bundesregierung aus einer größeren Anzahl von Grundwassermessstellen nur die "roten" nach Brüssel meldet, um den auf diese Weise entstandenen Eindruck von einer durchschnittlich schlechten Wasserqualität in Deutschland allein der Landwirtschaft anzulasten, als ob es keine anderen Eintragsquellen für Nitrat ins Grundwasser gäbe!
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn man dem Pflanzenbauer vorwirft, dass er nicht die Biodiversität als oberstes Ziel hat beim Anbau von Kulturpflanzen auf seinem genau dafür bestimmten Ackerland.
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn man in der Tierwohldiskussion nicht danach schaut, ob es den Tieren in dem jeweiligen Bestand gut geht, sondern stattdessen vereinfachende und nicht zielführende Kriterien zum Maßstab nimmt wie z. B. die Tierzahl pro Betrieb.

    Wenn wir hoffentlich bald die Kunst des fairen Umgangs wieder praktizieren, dann wird es wichtig, sich auf die Ziele einer gemeinsam zu tragenden Agrarpolitik zu besinnen. Meiner Ansicht nach sollte sie sich danach ausrichten, dass
    1. möglichst alle Menschen auf der Welt satt werden,
    2. der Preis für die Ernährung möglichst günstig ist bei guter Qualität und hoher Vielfalt der Nahrungsmittel,
    3. Boden und Umwelt durch die ldw. Produktion möglichst wenig belastet werden, dabei dauerhaft in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit erhalten werden,
    4. insbesondere der Klimawandel nicht durch eine geringe Flächenproduktivität des gewählten Produktionsverfahrens beschleunigt wird, sondern durch eine möglichst hohe Flächenproduktivität und durch Humusbildung (beides als Folge des gewählten Produktionsverfahrens) verlangsamt wird.

    So gesehen, kann das Ziel deutscher und europäischer Agrarpolitik nicht die "Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft" sein, wie es Herr Habeck einmal formulierte, denn die verzichtet auf Flächenproduktivität und garantiert auch nicht in jedem Fall höchstmögliches Tierwohl.
    Das Klima in der Welt wird nicht besser, wenn wir in Deutschland weniger produzieren und in der Folge entsprechend mehr Produkte im Ausland zur Bedarfsdeckung hergestellt werden. Im Gegenteil: Es ist anzunehmen, dass ein Produktionsrückgang auf unserem Ackerland sogar zur Waldrodung in anderen Ländern führt!
    Auch die Biodiversität steigt, insgesamt betrachtet, nicht, wenn man bei uns in Deutschland auf Ackerland etwas mehr Unkraut toleriert, aber im Gegenzug anderswo Flächen gerodet und/oder urbar gemacht werden, die vorher gar nicht beackert worden sind.

    Zu einem ganzheitlichen agrarpolitischen Ansatz gehört auch noch, nicht zu übersehen, wie sich die Anzahl der auf der Welt lebenden Menschen verändert. Mit dem angenommenen Anstieg der Weltbevölkerung durch höhere Produktionsleistung möglichst auch ohne weitere Entwaldung Schritt zu halten, das ist die größte Herausforderung, vor der die weltweite Landwirtschaft steht....

    ....UND DAS WIRD WIRKLICH WICHTIG.

  3. Schneider Michael
    Erstellt 20. November 2019 14:29 | Permanent-Link

    ?? zu wochenstart??

    Ich kann Herrn Rathjen, nur zusprechen: Durch mehr blühendes Grünland und fermentierte Futtermittel können wir nicht nur auf Sojaimporte verzichten, sondern auch noch auf 100.000 Hektar Futterfläche verzichten. Mehr Effizienz bringt die Gentechnik nicht auf den Weg.

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