az-Wochenstart:

Was wichtig wird: Insektenschutz/ GAP/ ASP / BMEL-Jubiläum


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Zum Schutz der Insekten findet sich die Führungsspitze von Landwirtschafts- und Umweltministerium wieder am Runden Tisch ein. Streit programmiert. Auch in Brüssel wird weiter debattiert - nämlich um die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Ob dem Ringen Fortschritte folgen? Derweil bibbern Schweinehalter, ob die ASP sich weiter verbreitet.

Die Ansichten darüber, was ein angemessener Insektenschutz überhaupt ist, gehen weit auseinander.
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Die Ansichten darüber, was ein angemessener Insektenschutz überhaupt ist, gehen weit auseinander.
In Berlin geht es am wieder um den Insektenschutz. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze treffen sich am Mittwoch am Runden Tisch. Ob sie dabei ihre Differenzen überwinden können, ist fraglich. Der Druck vor allem seitens der Landwirte wächst, dass die Politik endlich praktikable Lösungen findet und die Landwirte miteinbeziehen soll. Und ob die Kabinettsklausur zuvor eine Kompromisslinie ausgelotet hat, wird sich zeigen. Zu hoffen wäre es, denn die Gräben zwischen den Ministerien sowie zur Landwirtschaft werden immer tiefer.

Die Ernährung steht auch auf Klöckners Wochenagenda: Zum einen geht es um die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie, den Gehalt von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten zu reduzieren. Zum anderen feiert das Bundeslandwirtschaftsministerium Jubiläum. Es ist vor 70 Jahren nach dem 2. Weltkrieg gegründet worden, geht aber auch auf das Reichsministerium für Ernährung 1919 zurück, das nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurde. Deshalb das Jubiläum 70/100. Vielleicht hilft dieser Rückblick, die Bedeutung der Ernährungssicherheit und der Landwirtschaft als Erzeuger wieder ins rechte Licht zu rücken und Klarheit für zukünftige Wege mit Umwelt- und Ressourcenschutz zu finden. Die Partei der Grünen hat auf ihrem Parteitag jedenfalls klar Vorstellungen. Sie wollen beispielswiese, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral werden soll.

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Die Diskussionen um die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarreform (GAP) gehen auch am heutigen Montag im EU-Agrarministerrat weiter. Die EU-Kommission hatte in ihrem Reformvorschlag einen Mindestanteil von 30 Prozent für Klima- und Umweltprogramme in der 2. Säule der GAP gefordert. Die finnische Ratspräsidentschaft will gleich für alle klima- und umweltfreundlichen Maßnahmen einen Mindestanteil festlegen, der auch in den nationalen Strategieplänen verankert werden soll. Das würde dann ebenfalls für die geplanten Ökoregelungen in der 1. Säule der GAP gelten. Der finnische Vorstoß wurde im Sonderausschuss Landwirtschaft wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ob die EU-Agrarminister dies ebenso sehen, wir die Debatte im EU-Agrarrat zeigen. Darüber hinaus ist im Agrarausschuss des Europäischen Parlamentes (EP) am Montag eine Anhörung zu den Folgen des Mercosurabkommens für den EU-Agrarsektor.

Schweinehalter in Deutschland und der EU dagegen sorgen sich um ihre Bestände. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) bleibt eine Bedrohung. Nahe der brandenburgischen Grenze haben polnische Veterinäre ein infiziertes Wildschwein entdeckt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium mahnt hiesige Schweinehalter zur Vorsicht.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Fachagrarwirt Schneider Michael
    Erstellt 19. November 2019 11:28 | Permanent-Link

    Also dieser geistig Verstaubten Agrarpolitik kann man nicht mehr weiterhelfen, Frau Klöckner hatte ich meine Ansätze zur Öko-Sozialen- Agrarwende vorgelegt, außer dummes Zeug kam nicht zurück.
    Deutschland sollte mehr für blühende Wiesen als Sojaersatz und fermentierte Futtermittel stehen, hier hat die deutsche Agrarfütterungsforschung nichts vorzuweisen, einfach nur Respektlos gegeüber der Schöpfung und Schöpfungswillen

  2. Armin Rathjen
    Erstellt 19. November 2019 18:02 | Permanent-Link

    Was wirklich wichtig wird?
    Zuerst wird es wichtig, wieder fair miteinander umzugehen!

    Leider ist die Fairness abhanden gekommen, wenn die "konventionelle" Landwirtschaft beschuldigt wird, nahezu alles falsch zu machen, sowohl in der Tierhaltung, als auch im Pflanzenbau, als auch in der Umweltpflege.
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn die Bundesregierung aus einer größeren Anzahl von Grundwassermessstellen nur die "roten" nach Brüssel meldet, um den auf diese Weise entstandenen Eindruck von einer durchschnittlich schlechten Wasserqualität in Deutschland allein der Landwirtschaft anzulasten, als ob es keine anderen Eintragsquellen für Nitrat ins Grundwasser gäbe!
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn man dem Pflanzenbauer vorwirft, dass er nicht die Biodiversität als oberstes Ziel hat beim Anbau von Kulturpflanzen auf seinem genau dafür bestimmten Ackerland.
    Fairness ist abhanden gekommen, wenn man in der Tierwohldiskussion nicht danach schaut, ob es den Tieren in dem jeweiligen Bestand gut geht, sondern stattdessen vereinfachende und nicht zielführende Kriterien zum Maßstab nimmt wie z. B. die Tierzahl pro Betrieb.

    Wenn wir hoffentlich bald die Kunst des fairen Umgangs wieder praktizieren, dann wird es wichtig, sich auf die Ziele einer gemeinsam zu tragenden Agrarpolitik zu besinnen. Meiner Ansicht nach sollte sie sich danach ausrichten, dass
    1. möglichst alle Menschen auf der Welt satt werden,
    2. der Preis für die Ernährung möglichst günstig ist bei guter Qualität und hoher Vielfalt der Nahrungsmittel,
    3. Boden und Umwelt durch die ldw. Produktion möglichst wenig belastet werden, dabei dauerhaft in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit erhalten werden,
    4. insbesondere der Klimawandel nicht durch eine geringe Flächenproduktivität des gewählten Produktionsverfahrens beschleunigt wird, sondern durch eine möglichst hohe Flächenproduktivität und durch Humusbildung (beides als Folge des gewählten Produktionsverfahrens) verlangsamt wird.

    So gesehen, kann das Ziel deutscher und europäischer Agrarpolitik nicht die "Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft" sein, wie es Herr Habeck einmal formulierte, denn die verzichtet auf Flächenproduktivität und garantiert auch nicht in jedem Fall höchstmögliches Tierwohl.
    Das Klima in der Welt wird nicht besser, wenn wir in Deutschland weniger produzieren und in der Folge entsprechend mehr Produkte im Ausland zur Bedarfsdeckung hergestellt werden. Im Gegenteil: Es ist anzunehmen, dass ein Produktionsrückgang auf unserem Ackerland sogar zur Waldrodung in anderen Ländern führt!
    Auch die Biodiversität steigt, insgesamt betrachtet, nicht, wenn man bei uns in Deutschland auf Ackerland etwas mehr Unkraut toleriert, aber im Gegenzug anderswo Flächen gerodet und/oder urbar gemacht werden, die vorher gar nicht beackert worden sind.

    Zu einem ganzheitlichen agrarpolitischen Ansatz gehört auch noch, nicht zu übersehen, wie sich die Anzahl der auf der Welt lebenden Menschen verändert. Mit dem angenommenen Anstieg der Weltbevölkerung durch höhere Produktionsleistung möglichst auch ohne weitere Entwaldung Schritt zu halten, das ist die größte Herausforderung, vor der die weltweite Landwirtschaft steht....

    ....UND DAS WIRD WIRKLICH WICHTIG.

  3. Schneider Michael
    Erstellt 20. November 2019 14:29 | Permanent-Link

    ?? zu wochenstart??

    Ich kann Herrn Rathjen, nur zusprechen: Durch mehr blühendes Grünland und fermentierte Futtermittel können wir nicht nur auf Sojaimporte verzichten, sondern auch noch auf 100.000 Hektar Futterfläche verzichten. Mehr Effizienz bringt die Gentechnik nicht auf den Weg.

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