Bauernproteste

LSV-Mitglied will nach vorne schauen


Bunt und vielfältig: Tausende haben am heutigen Samstag im Regierungsviertel in Berlin gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstriert.
Bunt und vielfältig: Tausende haben am heutigen Samstag im Regierungsviertel in Berlin gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstriert.

Die Demonstranten von "Wir haben es satt" waren heute zu Tausenden im Regierungsviertel unterwegs. Als "ganz besonderer Redner" trat ein Mitglied von "Land schafft Verbindung" auf.

Tausende Teilnehmer haben sich am heutigen Samstag zur „Wir haben es satt“-Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin eingefunden. Als „ganz besonderer Redner“ wird Landwirt und Mitglied bei "Land schafft Verbindung" (LSV), Tilo von Donner, von der Moderatorin angekündigt. „Moin, moin“, begrüßt er die Menge, die kräftig applaudiert. „ich freue mich, so freundlich begrüßt zu werden.“ Er habe bei LSV dafür kämpfen müssen, heute hier zu sein, erklärt er. Doch die Zeit sei reif, „dass wir uns annähern, Schnittmengen finden“, ist von Donner überzeugt.

Während Landwirte, die sich hinter LSV versammeln, häufig das Messstellennetz zur Nitratbelastung im Grundwasser in Frage stellen und deswegen ein Moratorium für die Düngeverordnung fordern, hält von Donner dies nicht für zielführend. Er sei zwar auch kein Freund der Düngeverordnung, äußert er im Gespräch mit der agrarzeitung. Allerdings müsse man sich der Thematik stellen. „Sonst stehen wir in zwei Jahren wieder hier“, ist er überzeugt. Damit steht er heute nicht allein. Auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, hält diese Argumentation gegen die Düngeverordnung im Gespräch mit der agrarzeitung für „abwegig“. Von der Bühne ruft zu Löwenstein dem anwesenden Publikum später zu: „Wir müssen ein Bild davon entwerfen, wo wir als Landwirte hinwollen.“ Dies wolle er besonders denjenigen zurufen, die Schwierigkeiten damit hätten, Probleme in der Landwirtschaft zu benennen. Beim Insektenschwund lediglich darauf auszuweichen, dass Lampen daran schuld seien, bei zu hohen Nitratgehalten im Grundwasser, als Grund, falsche Messstellen anzuführen, finde er falsch. Die Politik müsste allerdings gezielt „diejenigen in Haftung nehmen“, die „Verursacher“ für die Nitratbelastung im Grundwasser seien, räumt auch er im Gespräch mit der agrarzeitung ein.

Wir haben es satt: Protest gegen Agrarpolitik zieht weite Kreise


Laut Löwenstein sollte das Ziel einer Zukunftskommission Landwirtschaft sein, gemeinsam eine Vision für die Landwirtschaft zu definieren, ohne sich dabei von ökonomischen Zwängen leiten zu lassen. Das steht im Kontrast zu der Position von Dirk Andresen, Sprecher von LSV. „Ich will der ökonomischen Perspektive der Landwirte mehr Gewicht geben“, betonte Dirk Andresen unlängst gegenüber der agrarzeitung. Diese komme derzeit, vor dem Hintergrund der Debatten um Umweltschutz, Klimawandel und Artensterben, zu kurz, ist der Schweinehalter aus Schleswig-Holstein überzeugt.

„Für eine Vision ohne Ökonomie haben wir die Politik“, setzt Andresen Löwenstein entgegen. Doch auch in den Reihen von LSV treffen Löwensteins Worte teilweise auf Zuspruch. Von Donner beispielsweise teilt seine Vision von einer zukunftsfähigen Landwirtschaft für die jetzt Leitplanken definiert werden müssten. „Ich will nach vorne schauen“, sagt von Donner im Gespräch mit der agrarzeitung. Auf seine Initiative habe es seitens LSV die Annäherung an „Wir haben es satt“ gegeben. Ursprünglich hatte Andresen mit der gestrigen Demo von LSV geplant, „Wir haben es satt“ etwas entgegenzusetzen. Die Einladung vom Organisationsteam von „Wir haben es satt“ habe man daher zunächst abgelehnt. Doch auch Andresen wolle nun den Dialog zwischen beiden Bewegungen fördern, räumt dieser als Erklärung für die plötzliche Kehrtwende ein. Vor allem vereine beide Bewegungen der Wunsch, regionale Landwirtschaft zu stärken, sagt Andresen. Gestern hat auch Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Leiter der "Wir haben es satt"-Demo, bei der LSV-Demo von der Bühne gesprochen.

Die Rufe von der Bühne heute zeigen, es gibt Schnittmengen: „Wir sollten der Landwirtschaft riesigen Respekt zollen“, ruft ein Redner. Dafür brauche es „faire Preise“, fordert der nächste, ähnlich wie LSV in dieser Woche. Die Kampagne „Du entscheidest“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) zur Grünen Woche stößt sauer auf. „Naja, zwar ist das nicht ganz falsch“, spielt Löwenstein auf die vorhandene Marktmacht des Verbrauchers an. Dennoch: Im „Subtext“ schwinge mit, dass Ministerin Klöckner die Verantwortung abwälzt, anstatt neue politische Rahmenbedingungen zu setzen. Politikverdruss ist sowohl bei „Wir haben es satt“ als auch bei LSV vorhanden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am heutigen Vormittag auf die Proteste reagiert. „Es bringt nichts, wenn die einen sagen, die anderen betrieben Agrarfabriken, während diese wiederum der Gegenseite vorhalten, keine ausreichenden Erträge zu produzieren, um die Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu bedienen“, so Klöckner.


Bauernprotest von "Land schafft Verbindung": Frust und Enttäuschung über die Politik


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  1. Ludger Theis
    Erstellt 18. Januar 2020 21:50 | Permanent-Link

    was auch immer Ideologisch verpeilte und Politiker die ohne Jegliches Grundwissen alles besser wissen sich ausdenken bleibt makulatur, weil solange es keine Marktabschottung gibt, der Kunde an der theke die Freie Wahl hat und wir Landwirte nur Produzieren können was der Verbraucher auch tatsächlich kauft. Da kann Politik NGO und Ideologie noch so sehr auf die Landwirtschaft schimpfen, wir sind die falsche Adresse, wir führen nur aus das ist unser Problem.

  2. Ludger Theis
    Erstellt 18. Januar 2020 22:07 | Permanent-Link

    Ach hätte fast das wichtigste vergessen, tilo sagt das die Messtellenproblematik nicht Zielführend ist. Das ist völlig falsch, Sie ist die Basisbeschuldigung der Politik und der NGO´s, das ist denunzierend diskriminierend und im höchsten masse Respektlos was da gerade über die Bauern abgelassen wird, Die Fakten sind öffentlich auf der Homepage vom Bundeministerium für Umwelt einsehbar, es ist die Rede von 697 Messstellen die maßgeblich von der Landwirtschaft beinflußt werden könnten, diese wurde aber nichtmal 2016 weitergegeben sondern nur 192 Ergebnisse aus der vorhergehenden Erhebung. davon waren 28 % über dem Grenzwert also 54 auch dieser Wert stimmt nicht da einige messtellen absolut deplaziert sind, das wollen wir aber erstmal vernachlässigen.
    Entscheident ist das Landwirtschaft nur maßgeblichen einfluß auf weniger als 2% der Messstellen hat und somit nicht Hauptverursacher sonder allenfalls als Diffuse Quelle gelten kann, damit sind alle Forderungen was Düngung Viehbestand und Tierhaltung betrifft vom Tisch.

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