Bauernproteste

„Der DBV ist grundsätzlich gescheitert“

Maike Schulz-Broers fühlt sich vom Bauernverband nicht mehr vertreten.
privat
Maike Schulz-Broers fühlt sich vom Bauernverband nicht mehr vertreten.

Vor wenigen Tagen hat die agrarzeitung (az) mit Maike Schulz-Broers, der umstrittenen Hauptverantwortlichen des Bündnis „Land schafft Verbindung“, ein Interview geführt. Schulz-Broers hat währenddessen ihre Position gegenüber etbalierten Verbänden deutlich gemacht.

agrarzeitung: Frau Schulz Broers, wie wichtig ist Ihnen die Abgrenzung von etablierten Verbänden?

Maike Schulz Broers: Hier im Landkreis Uelzen fühlen wir uns von unserem Landesverband nicht mehr vertreten. Unsere Stimme ist quasi verstummt, obwohl Verbandsvertreter mit Politikern an einem Tisch sitzen. Aus unserer Sicht ist der Deutsche Bauernverband grundsätzlich gescheitert. Die Stimme von anderen, damit meine ich Nichtregierungsorganisationen, ist sehr viel lauter und findet im Gegensatz zu deren Argumenten Gehör. Nichtsdestotrotz haben wir eine Bewegung gestartet von Landwirten für Landwirte, unabhängig von deren Verbändezugehörigkeit. Teilweise haben einige Kreisverbände die Demonstration tatkräftig unterstützt, indem diese Busfahrten organisiert haben.

Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zu Solidaritätsbekundungen seitens des DBV?

Das ist schwierig. Wir haben zwar Gespräche mit Bernhard Krüsken, Joachim Rukwied und Werner Schwarz geführt. Ein gemeinsamer Nenner ist beispielsweise, dass wir alle die Landwirtschaft in Deutschland erhalten wollen. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir unterschiedliche Aufgaben erfüllen – auch in Zukunft. Während der DBV seine Mitglieder vertreten muss, sind wir auf der Suche nach Wegen, um die Kommunikation zwischen der Basis und allen Beteiligten zu verbessern.

Ihre Positionen unterscheiden sich mit Kritik am Agrarpaket und Mercosur kaum von Forderungen etablierter Verbände. Kritiker zweifeln daran, dass es Ihnen gelingen wird, in der Bevölkerung Sympathie für die Ängste der Bauern zu wecken.

Ich persönlich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass wir keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Im Gegenteil: Der Zuspruch der Menschen, die unsere Demonstrationen am Straßenrand verfolgt haben, war immens. Ich bin überzeugt, dass uns seitens der Politik vorgegaukelt wird, dass es an Akzeptanz mangelt. Schlichtweg, weil man dem Bauernbashing der Nichtregierungsorganisationen folgen will. Gegen deren schlechte Darstellung wehren wir uns.

Bei unseren Forderungen haben wir den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht, um möglichst viele Landwirte hinter „Land schafft Verbindung“ zu versammeln. Darüber hinaus stelle ich die Frage, was die etablierten Verbände trotz ähnlicher Forderungen für uns erreicht haben – nämlich nichts.

Maike Schulz-Broers fühlt sich vom Bauernverband nicht mehr vertreten.
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Maike Schulz-Broers fühlt sich vom Bauernverband nicht mehr vertreten.

Kritiker empfehlen einen öffentlich ausgetragenen Richtungsstreit, um sich glaubhaft anders zu positionieren. Was halten Sie davon?

Ich will keinen Streit. Im Gegenteil, unser Anliegen ist es, miteinander auf Augenhöhe zu sprechen. Derzeit sind wir Landwirte außen vor, die Basis muss folglich die Konsequenzen abgehobener Entscheidungen ausbaden.

Eine dieser Entscheidung umfasst Investitionen von rund 50 Mio. € für Leistungen der Landwirte im Insektenschutz …

Uns geht es nicht ums Geld. Es kann nicht sein, dass unsere Bewegung auf finanzielle Forderungen heruntergebrochen wird. Übrigens, dieser Betrag ist aufgeteilt auf bundesweit 260000 Betriebe. Peanuts.

Mir wäre es recht, wenn dieser Tropf, an dem wir hängen, wegfallen würde. Ich bewerte die Direktzahlungen als Druckmittel der Politik. Wenn Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner daran festhält, muss man sich eher die Frage stellen, warum. Wir würden lieber für einen Markt produzieren, der auskömmliche Preise zahlt und auf dem es keine Wettbewerbsverzerrungen durch unterschiedliche Standards gibt.

Im Rahmen des Mercosur-Abkommens erlaubt die EU-Kommission nur ein kleines zollfreies Kontingent. Warum sprechen Sie von Existenzbedrohung?

Uns stört die Heuchelei, die dahinter steckt. In Südamerika zeigt die Massentierhaltung ihr wahres Gesicht. Das Rindfleisch, das unter solchen Bedingungen produziert wird, wird neben unseren heimischen Erzeugnissen angeboten. In welcher Weise wird der Verbraucher darüber aufgeklärt? Wir fordern gleiches Recht für alle, die auf dem europäischen Markt verkaufen wollen.

Dafür müssten Sie sich an Brüssel wenden. Planen Sie sich europaweit zu organisieren?

Wir gewinnen täglich rund 1.000 Mitglieder hinzu. Innerhalb von drei Wochen haben wir es geschafft, 100.000 Landwirte zu mobilisieren. Wir sind bereits in Gesprächen mit österreichischen Landwirten, obwohl noch nichts Konkretes entschieden worden ist. Alles ist derzeit möglich. Uns zeichnet aus, spontan zu agieren und etwas Neues zu schaffen.

Warum glauben Sie, bei der Düngeverordnung etwas erreichen zu können?

Weil Umweltministerin Svenja Schulze geschlampt hat. Unser Landkreis ist beispielsweise zweigeteilt. Ein Teil umfasst rotes Gebiet, der andere nicht. Im roten Gebiet liegt flächendeckend guter Boden, der in der Lage ist, Nitrat zu speichern, während im als unbelastet ausgewiesenen Gebiet sehr durchlässiger, sandiger Boden liegt – das Grundwasser müsste eigentlich hier belastet sein. Da stimmt doch etwas nicht.

Aber die Messwerte sind doch real?

Die Messstelle liegt im Wald. Keiner weiß, ob dort ehemals ein Schweinestall gestanden hat und im Übrigen wurden die Proben in einer Tiefe gezogen, die für eine Bewertung des Grundwassers irrelevant ist. Wir fordern hier nachzubessern und es wurde bisher nicht darauf reagiert.

Könnte der angekündigte Landwirtschaftskongress eine Plattform bieten?

Wir werden gerne daran teilnehmen, denn uns wurde bereits mitgeteilt, dass wir eingeladen werden sollen. Mehr kann ich heute noch nicht sagen.

Sie werfen Ministerin Schulze eine undemokratische Gesprächsverweigerung vor. Was meine Sie damit?

Ministerin Schulze entzieht sich unseren Einladungen zum Gespräch. An unseren Demonstrationen hat lediglich Staatssekretär Aeikens teilgenommen. Es wäre an der Zeit, dass sie Stellung bezieht.

1 Kommentar

  1. Gert Petersen
    Erstellt 4. November 2019 18:31 | Permanent-Link

    Wer Laut ist hat nicht automatisch Recht.
    Ohne den Verband geht nichts.

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