Interview mit Johanna Mandelkow

"Die Stimmung ist geladen"


In Berlin werden wieder hunderte Trecker mit protestierenden Landwirten erwartet.
Foto: imago images/STPP
In Berlin werden wieder hunderte Trecker mit protestierenden Landwirten erwartet.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat im Vorfeld der Grünen Woche vor einer Radikalisierung der Bauernproteste gewarnt. Johanna Mandelkow organisiert die Berliner Bauerndemo von 'Land schafft Verbindung - Deutschland' und meint, den Gelbwesten werde man es nicht gleich tun.


Ist die Sorge, die Situation könnte eskalieren, aus Ihrer Sicht begründet?

Johanna Mandelkow: Es ist verständlich, dass die Stimmung geladen ist. Viele Bauern bangen um ihre Existenz. Allerdings wollen wir es auch in Zukunft keinesfalls den Niederländern gleich tun und Güllefässer ausschütten oder Strohballen anzünden.

Fühlen Sie sich als eine der Organisatorinnen dafür verantwortlich, dass die Situation nicht eskaliert?

Natürlich habe ich nicht die Möglichkeit, jeden zu jederzeit zu kontrollieren. Doch von Übergriffen auf Journalisten und Politiker, wie es sie jüngst gegeben hat, distanzieren wir uns ausdrücklich. Darüber hinaus rufe ich die Demonstranten immer dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Polizei zu folgen. Das funktioniert, denn die Branche zollt dem Organisationsteam Respekt.

Demonstration: Bauernprotest erreicht das Regierungsviertel



Sind die Übergriffe gegen Journalisten sowie Drohungen in Social Media aus Ihrer Sicht überzogen?

Ich kann die Empfindlichkeit der Landwirte gegenüber Journalisten nachvollziehen. Ich habe ein Beispiel für kursierende Fake-News: Ein Foto mit einer Pflanzenschutzspritze im blühenden Rapsfeld haben Medien mit Glyphosat-Einsatz in Verbindung gebracht. Das ist falsch. Manch einer will seinem Unmut hier Luft machen.  


Einige Branchenteilnehmer begleiten diese Entwicklung mit Sorge und werfen Ihrer Verbindung vor, sich nicht klar von rechtspopulistischen Strömungen zu distanzieren.

Wir sind in jeglicher Hinsicht unabhängig. Wir lassen uns weder von Parteien noch Verbänden instrumentalisieren. Manche Parteien versuchen auf diese Weise eben gerne neue Wählerstimmen zu fangen. Wir möchten uns jedoch ausdrücklich von jeder politischen Strömung distanzieren.

Ihr wichtigstes Anliegen an die Ministerin ist, das Aktionsprogramm Insektenschutz neu zu verhandeln. Was planen Sie, wenn ihre Forderung nach einem „Reset“ kein Gehör findet?

Dann demonstrieren wir weiter.

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