Bauernproteste

Klöckner will vor 10.000 Landwirten diskutieren

Heute machten sich Tausende Landwirte auf den Weg nach Berlin. In Dortmund fuhren sie auf der Bundesstraße 1 in Richtung Osten.
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Heute machten sich Tausende Landwirte auf den Weg nach Berlin. In Dortmund fuhren sie auf der Bundesstraße 1 in Richtung Osten.

In aller Herrgottsfrühe rollen die Traktoren morgen zum Brandenburger Tor. Die Landwirte wollen sich in Politik und Gesellschaft mehr Gehör verschaffen.

Rund 5.000 Traktoren werden am morgigen Dienstag in Berlin am Brandenburger Tor erwartet. „Wir rechnen mit 10.000 Teilnehmern“, berichtet Johanna Mandelkow, Hauptorganisatorin der Initiative Land schafft Verbindung. Die 23-jährige wird bereits um 7 Uhr vor Ort auf deren Ankunft warten. Während die bundesweit herbeiströmenden Landwirte erneut durch ihre Anwesenheit ein Signal an die Politik senden wollen, sei darüber hinaus geplant, mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in den Dialog zu treten, berichtet Mandelkow. Ihr Bündniskollege Dirk Andresen soll auf der Bühne ein Gespräch mit Klöckner führen. Die Ressortchefin des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) spreche gegen 14 Uhr zu den Landwirten, hatte das BMEL bereits vorab mitgeteilt.

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Spiering warnt vor „Null-Kompromiss-Linie“

Parallel zur Sternfahrt der Bauern, die schon am heutigen Montag bundesweit über die Straßen rollen, um pünktlich ihr Ziel zu erreichen, wird in der Bundeshauptstadt intensiv über die Zukunft der Branche diskutiert. Der agrarpolitische Sprecher der SPD, Rainer Spiering, hat am heutigen Montag, während einer Veranstaltung in Berlin, vor einer „Null-Kompromiss-Linie“ in der Rhetorik von Landwirten, die sich Gehör verschaffen wollen, gewarnt. Die Stimmung in der Landwirtschaft ist indes tatsächlich spürbar geladen, wie auf verschiedenen Veranstaltungen bei denen Landwirte zu Gast sind, offenkundig wird. Vor diesem Hintergrund werden besorgte Stimmen laut, die Situation könnte eskalieren.

Agrarblogger Barkmann fürchtet Radikalisierung

Auch dem Agrarblogger Bernhard Barkmann, der sich bei der Bewegung „Wir machen euch satt“ engagiert, fehlt eine klare Abgrenzung von Land schafft Verbindung gegenüber rechtspopulistischen Strömungen. Die Gefahr einer Radikalisierung sei nicht auszuschließen, räumt er gegenüber der agrarzeitung ein. Bereits zu Beginn der Proteste sei es ihm ein Anliegen gewesen, davor zu warnen. Tatsächlich hatte es jüngst Proteste von Landwirten vor Privathäusern von Journalisten und Politikern gegeben. Der Bauernverband und Land schafft Verbindung hatten sich von dieser Art der Auseinandersetzung distanziert.  

Vor radikalen Äußerungen kann allerdings auch die junge Mandelkow ein Lied singen. Gegenüber der Presse hat sie dieser Tage erzählt, selbst schon einmal bedroht worden zu sein. Nahe ihres Wohnortes habe sie ein Mann mit dem Tod bedroht, sagte sie gegenüber dem Uckermark-Kurier. Auslöser sei gewesen, dass Mandelkow auf dem trockenen Acker, Staub aufgewirbelt habe, erinnert sie sich zurück: „Da kam er angerannt und hat mich aufs Übelste beschimpft. Im Weggehen schrie er: 'Irgendwann stech' ich euch alle ab'.”

Klöckner fand während des CDU-Bundesparteitages in Leipzig klare Worte: „Noch nie war unsere Landwirtschaft so stark unter Druck, wie sie es heute ist“, sagte die Ministerin dort am Samstag. Sie machte allerdings zugleich deutlich, dass für die Bauern nicht alles bleiben könne, wie es ist. „Wir müssen Gesellschaft und Landwirtschaft wieder zusammenbringen“, betonte sie.

 

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