Bauernproteste

Welle der Sympathie


Foto: Screenshot Twitter / az

Viel Unterstützung aus der Agrarwirtschaft ernten die Landwirte für ihre Proteste. Auch das Medienecho ist durchaus freundlich. Doch es gibt auch Kritik an einer „Immer-weiter-so“-Mentalität.

Ob rosa oder blau, ob Kurz- oder Langarm: Im Webshop von „Land schafft Verbindung“ gibt es die passende Ausstattung, damit sich schon der kleinste Nachwuchs mit der Initiative solidarisch zeigen kann. Der Babybody, zu haben ab Größe 56, mit dunkelgrün-hellgrünem „Land schafft Verbindung“-Logo ist „bio“ und kostet 17,99 €. Für 3 € mehr bekommen Mama und Papa das passende Kurzarm-Shirt dazu. Es gibt außerdem Pullover, Hoodies und Arbeitskleidung. Pro verkauftem Artikel, heißt es auf der Website, fließen 0,50 € an die Bewegung „Land schafft Verbindung“. Ziel und Zweck des Merchandising, also des Verkaufs von Marketing-Artikeln: Der „Bewegung während und auch außerhalb unserer Aktionen Ausdruck zu verleihen“. Und tatsächlich sorgt sich manch ein Vertreter der Agrarwirtschaft darum, ob das vielfach positive Medienecho, das Momentum in Richtung Politik und Gesellschaft, längerfristig zu halten ist.

Fan-Artikel im "Land schafft Verbindung"-Shop.
Foto: Screenshot az/ Website Landschafftverbindung
Fan-Artikel im "Land schafft Verbindung"-Shop.

Doch für den Moment kann sich „Land schafft Verbindung“ sowohl finanzieller als auch ideeller Unterstützung erfreuen. Was das finanzielle Unterstützung angeht, stellt die Initiative die Liste der Sponsoren ins Netz: Darunter findet sich eine bunte Mischung aus Landhändlern, Primärgenossenschaften, Saatgut-,Futtermittel- und Technikanbietern sowie Veterinären und genossenschaftlichen Banken. Was die ideelle Unterstützung angeht, hagelt es in Social-Media-Kanälen Solidaritätsbekundungen, wie etwa jene der Agravis Technik BvL GmbH auf Facebook: Die demonstrierenden Landwirte seien „nicht GEGEN Umweltauflagen, nicht FÜR mehr Subventionen, sondern FÜR nachhaltige Politik und FÜR fairen Umgang mit den Landwirten“, heißt es dort. Auch internationale Solidaritätsbekundungen gibt es, zum Beispiel auf Twitter von der US-Milchviehhalterin „NYFarmer“. Auch der Boulevard-Sender RTL West zollt den Landwirten in einem Twitter-Video „Respekt“ dafür, dass sie täglich Nahrung bereitstellen. Getreide- und Ölsaatenhändler im Kassamarkt finden den Protest der Landwirte „richtig, um die Leute wachzurütteln“. Und an manch einem Standort der Agrarhandelsgenossenschaft dürfen die Traktorenkonvois gratis Diesel tanken oder bekommen zumindest Kaffee, Kuchen und Brötchen.

Demonstration: Bauernprotest erreicht das Regierungsviertel


Kritik von den Grünen und vom Nabu

Weniger euphorisch zeigt sich der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling: „Bei allem Verständnis für den Frust, den viele Landwirte spüren: Diese Form von Demonstrationen geht in die falsche Richtung“, teilte Häusling am Dienstag mit. Er habe „wenig Verständnis für einen Protest, bei dem eine Masse von Landwirten unreflektiert Leuten hinterherrennt, die ein Immer-weiter-so anstreben. Denn letzteren geht es mit ihren dumpfen Sprüchen nicht um die Zukunft der Bauern und schon gar nicht um eine nachhaltig arbeitende Landwirtschaft“, meint Häusling. Statt „unbesonnen gegen alles zu wüten“, was Landwirte störe, sollte sich der Protest „gegen die wahren Ursachen für die Misere der Bauern wenden“, wettert Häusling seinerseits: „Etwa gegen die falsche Verteilung der Agrarsubventionen zugunsten der Großbetriebe, gegen die Übermacht der Discounter und gegen eine seit Jahren auf Zuruf des Bauernverbandes verschleppende und verzögernde Bundesagrarpolitik, die die Probleme der Gegenwart lange ausblendet.“

Ebenfalls kritisch äußert sich der Naturschutzbund Nabu: „Die Sorgen von Landwirtinnen und Landwirten sind verständlich. Viele fühlen sich dem Preisdruck und steigenden Umweltanforderungen kaum gewachsen. Doch es bringt nichts, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken“, stellt der Nabu am heutigen Dienstag in Berlin fest: „Die Umweltprobleme lassen sich nicht leugnen: Bestäuber verschwinden in Rekordtempo, die typischen Feldvogelarten sind dramatisch eingebrochen. Unser Grundwasser ist mit Nitrat belastet und die Klimabilanz der Landwirtschaft unverändert schlecht. Darüber müssen wir einen Dialog führen“, so die NGO weiter. Ihr Appell: Die Bundesregierung müsse „jetzt für eine gerechtere Agrarpolitik sorgen, die Brücken schlägt statt weitere Gräben in der Gesellschaft zu reißen.“

Manch ein Tweet arbeitet da mit Humor: Ohne Landwirtschaft sei „alles doof“ – etwa „Burger ohne Fleisch“, „Tofu ohne Soja“ oder „Vegetarisch ohne Gemüse und Salat.“

1 Kommentar

  1. Michael Schneider
    Erstellt 27. November 2019 10:40 | Permanent-Link

    Die gesamte Agrar.- und Umweltpolitik mit Agrarfütterungsforschung sind Zukunftsverweigerer.
    Werde seit Jahren von diesen verhindert, und für mich ist es kein Umgang mehr.
    Schluss mit Soja und Mais-Müll-Erzeugnissen
    www.fermi-green.de

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