Bauernproteste

"Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen"


Hunderte Traktoren parkten heute wieder im Berliner Tiergarten.
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Hunderte Traktoren parkten heute wieder im Berliner Tiergarten.

Landwirte sind heute erneut nach Berlin gefahren, um gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren. Ihre Ängste und Sorgen sind vielfältig, wie im Gespräch mit der agrarzeitung deutlich wird. Doch spalten lassen, wollen sich die Bauern nicht.

Abseits der Grünen Woche, in Richtung Stadtmitte, finden heute erneut Bauernproteste gegen die aktuelle Agrarpolitik statt. Verglichen mit der großen Bauerndemonstration im November, wirkt die Kundgebung am heutigen Freitag allerdings kleiner. Organisiert wurden die Proteste erneut von der Initiative Land schafft Verbindung – Deutschland (LSV). Einige Hundert Traktoren, wenn nicht gar Tausend, sind ins Regierungsviertel gekommen. „Es gibt bald keine Tierhalter mehr im bäuerlichen Sinn“, gibt Sebastian Wacker gegenüber der agrarzeitung zu bedenken. Wacker ist Rinderhalter und aus Brandenburg angereist. Das geplante Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur macht ihm zu schaffen. „Die Preise werden weiter fallen“, fürchtet Wacker. Sollte das Handelsabkommen in Kraft treten, ist geplant, dem südamerikanischen Staatenbund, die Einfuhr von einer bestimmten Menge Rindfleisch in die Europäische Union zollfrei zu ermöglichen.

Bauernprotest von "Land schafft Verbindung": Frust und Enttäuschung über die Politik



Die Kritik an diesem Handelsabkommen zieht weite Kreise. „An diesem Abkommen klebt Blut“, ruft Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), von der Bühne. Es ist etwas Besonderes, dass er heute zu den anwesenden Landwirten spricht. Eigentlich tritt die AbL traditionell gemeinsam mit den Demonstranten von „Wir haben es satt“ für eine „Agrarwende“ ein. Doch heute ist er gekommen, um einen versöhnlichen Ton anzustimmen und sich gegen die Spaltung innerhalb der Branche auszusprechen. „Wir Bauern – ob konventionell oder ökologisch, stehen Seite an Seite“, ruft er ins Publikum, das Beifall klatscht. „Bauern gegen Bauern, so hätte es Ministerin Klöckner gerne. Dann könnte sich die Politik zurücklehnen.“ „Dieses Spiel machen wir nicht mehr mit.“ Für den Moment gelingt es ihm, die Menge für eine gemeinsame Sache zu gewinnen.

Ebenso sei ein Mitglied  von LSV zur  Kundgebung von „Wir haben es satt“, die am morgigen Samstag in Berlin stattfindet, eingeladen worden und werde auf der Bühne sprechen, sagt Janßen im Anschluss an seinen Redebeitrag gegenüber der agrarzeitung. Ursprünglich hatte Dirk Andresen, Sprecher von LSV, mit der heutigen Demo geplant, „Wir haben es satt“ etwas entgegenzusetzen. Doch dies habe innerhalb von LSV zu Unmut geführt, so Janßen. „Wir sind noch nicht soweit gemeinsam zu demonstrieren“, räumt aber auch Janßen ein.

Ärger und Sorgen führen die Branche am heutigen Tag zusammen. Der 19-jährige Oliver Glöck ist gelernter Landwirt und arbeitet für einen Agrarbetrieb im brandenburgischen Angermünde. „Die Messstellen stehen an den falschen Punkten“, ist er überzeugt. Landwirte würden erneut mit einer verschärften Düngeverordnung konfrontiert, obwohl diese sich bereits angepasst hätten, so Glöck weiter. Ein weiterer Landwirt gibt zu bedenken, „keinen Brotweizen mehr produzieren zu können“. „Zu wenig Nährstoffe gelangen ins Korn“, klagt dieser.

Bernd Klänhammer, der einen Familienbetrieb mit Ackerbau und Schweinemast führt,  ist heute mit seinem Sohn Jonas Karl und seinem Schwiegersohn Stephan Selig gekommen. Ihn ärgern, sich „konterkarierende“ Ziele innerhalb des Aktionsprogramms Insektenschutz sowie der Ackerbaustrategie. „Es ist fachlich nicht nachvollziehbar, zeitgleich Glyphosat und Bodenbearbeitung reduzieren zu wollen“, sagt Klänhammer. Vor acht Wochen habe er deswegen einen Brief an den CDU-Bundestagsabgeordneten  Philipp Amthor aus seinem Wahlkreis geschrieben, der habe allerdings noch nicht reagiert.

Demonstration: Bauernprotest erreicht das Regierungsviertel



Sein Sohn Jonas ist aus Solidarität mit der Landwirtschaft mitgekommen. Den alten Maststall mit Spaltenboden seines Vaters würde er später gerne einmal modernisieren. Doch er wisse nicht wie. „Die Politik trifft seit Jahren keine Entscheidung.“ Jonas beschäftigt sich im Zuge seines Studiums der Agrarwissenschaften nach eigener Aussage intensiv mit Stallbausystemen. Für einen künftigen Umbau zieht er sowohl mehr Einstreu anstelle von Spaltenboden als auch Zugang zu Freiluft in Erwägung. Doch ob sich diese Investition lohnt, dafür fehle es ihm derzeit an Planungssicherheit.

IGW: Streifzug über die Grüne Woche




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