Corona-Pandemie

Erneute Schließung von Restaurants geplant

Branchenverbände befürchten, dass viele Restaurants einen weiteren Shutdown wirtschaftlich nicht überstehen werden.
imago images / Manngold
Branchenverbände befürchten, dass viele Restaurants einen weiteren Shutdown wirtschaftlich nicht überstehen werden.

Laut dem Entwurf für die heutige Telefonkonferenz zwischen Länderchefs und Kanzlerin Merkel muss die Gastronomie mit einem weiteren Lockdown rechnen.

Nach dem Entwurf für die heute anstehenden Beschlüsse der Bund-Länder-Schalte zwischen Kanzleramt und Landesregierungen, die FOOD-SERVICE im Wortlaut vorliegt, sind einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens ab dem 4. November geplant. Dazu zählt auch die Schließung von Gastronomie-Betrieben für eine Dauer von mindestens zwei Wochen. Erlaubt sein soll lediglich die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zuhause. Die Branchenverbände Dehoga und BdS schlagen Alarm und betonen: "Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber."

Bereits seit Sonntagabend kursieren in den Medien Gerüchte um den sogenannten Lockdown light und die damit verbundenen Maßnahmen. Der FOOD-SERVICE vorliegende Beschlussvorlage bestätigt: Weitreichende Maßnahmen, die ab 4. November in Kraft treten sollen, werden voraussichtlich das öffentliche Leben zu großen Teilen lahmlegen und so die Kontakte zwischen den Menschen auf ein Mindestmaß reduzieren. Von einer zweiwöchigen Dauer – danach soll erneut über eine Fortsetzung oder ein Ende der Maßnahmen entschieden werden – verspricht sich die Bundesregierung eine signifikante Bremswirkung des Infektionsgeschehens.
 
Betroffen vom Maßnahmenpaket ist erneut die Gastronomie. Unter Punkt 7 der Beschlussvorlage heißt es: „Gastronomiebetriebe sowie Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause.“
Des Weiteren sollen geschlossen werden:
a. Theater, Opern, Konzerthäuser, und ähnliche Einrichtungen
b. Messen, Kinos, Freizeitparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten (drinnen und draußen), Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen und ähnliche Einrichtungen
c. Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen
d. der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und
privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern,
e. Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen.
Unter Punkt 6 heißt es: „Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden untersagt.“

Branche schlägt Alarm

Bereits im Vorfeld der Beschlüsse haben Branchenverbände und prominente Branchenvertreter der Gastronomie auf die anstehenden Maßnahmen reagiert und vehement Stellung bezogen.  "Es kann nicht sein, dass wir wieder die Leidtragenden sind. Unsere Unternehmer benötigen Planungssicherheit und haben einen Anspruch darauf, dass alle Maßnahmen wohl begründet und verhältnismäßig sind", erklärt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband). Die RKI-Zahlen zeigten, dass Hotellerie und Gastronomie kein relevantes Infektionsgeschehen aufwiesen. "Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber", stellt Zöllick klar. "Sollte unsere Branche aus pandemiebedingten Gründen quasi mit einem Berufsverbot belegt werden und damit eine Sonderlast in der Corona-Pandemie tragen, müssen die politisch Verantwortlichen schnell und vollumfänglich für den Schaden aufkommen." Es gehe um das Überleben der Branche. "Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus."
„Statt immer neuer unbegründeter Verbote braucht die Branche endlich wirksame Hilfe. “
Guido Zöllick, Dehoga-Präsident, 

Klagen seien vorprogrammiert, so Zöllick weiter und verweist auf die jüngsten Gerichtsurteile zu Beherbergungsverboten und Sperrzeiten. "Bereits das planlose Hickhack um die Beherbergungsverbote, die dann von den Gerichten wieder gekippt wurden, oder die neuen Veranstaltungsregelungen in den Bundesländern haben zu massiven Umsatzeinbußen in den Betrieben geführt." Es könne zudem nicht sein, dass die Betriebe wieder über Nacht mit neuen Maßnahmen überrumpelt würden, warnt Zöllick vor einem neuem Regelungschaos.

Ähnlich äußerte sich auch Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Systemgastronomie e.V. (BdS): "Unsere Mitglieder haben bewiesen, dass sie verantwortungsvoll und mit durchdachten und behördlich genehmigten Konzepten alle Hygienevorgaben beachten und umsetzen. Wir geben ein Stück Normalität und Raum für kontrollierte Zusammenkünfte. Es ist schlicht nicht mehr nachvollziehbar, weshalb die (System-) Gastronomie erneut an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gedrängt wird."

Mit einem flammenden Appell richteten sich zudem führende Vertreter der Branche an die Bundesregierung. In einem "Brandbrief" erklären sie, warum eine weitere Einschränkung oder gar der Lockdown der Gastronomiebranche das komplett falsche Mittel zur Krisenbekämpfung ist.

Ausgenommen von den Schließungen sollen laut der Planung für November Schulen, Kindergärten und der Einzelhandel sein. Für die von den temporären Schließungen betroffenen Unternehmen und Einrichtungen werde der Bund eine Nothilfe gewähren, um sie für die finanziellen Ausfälle zu entschädigen. Das Konzept soll in der Konferenz mit den Ministerpräsidenten erläutert werden. Ob damit jedoch die befürchtete Pleitewelle der Gastro-Branche abgewandt werden kann, dürften viele Branchenvertreter anzweifeln.



Dieser Text erschien zuerst auf www.food-service.de.

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