Bieneninsel-Schreddern

Grüne spielen Tierhalter gegen Insektenschützer aus


Foto: az Screenshot

Mit einer ziemlich platten Kampagne schalten sich die Grünen in Niedersachsen in die Dürre-Debatte ein. Zugpferd ist die Vokabel "Schreddern". Die funktioniert bereits beim Töten männlicher Eintagsküken gut. 

Von einer Zerstörung der letzten Rettungsinseln der Insekten spricht der naturschutzpolitische Sprecher der Partei Die Grünen in Niedersachsen, Christian Meyer. Auf diese Weise kommentiert der ehemalige Landwirtschaftsminister die niedersächsischen Hilfsmaßnahmen für Tierhalter gegen die Dürre. Denn seit Mitte Juli dürfen Landwirte in Niedersachsen - wie in einigen anderen Bundesländern auch - ökologische Vorrangflächen zu Futterzwecken mähen oder durch ihre Tiere beweiden lassen.

Biene gegen Kuh

Für den Grünen-Politiker hat das Thema aber anscheinend nur einen die Insekten betreffenden Aspekt. Seiner Nachfolgerin, der Agrarministerin Barbara
 Otte-Kinast (CDU), wirft er vor, dass sie die von Steuergeldern geförderten Überlebensräume für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge zerstört. Sie ließe die Vorrangflächen der Landwirte abmähen und schreddern.
Die Verwendung des Reizwortes Schreddern ist dabei wohl kein Zufall. Schließlich wird es bei dem Töten männlicher Eintagsküken von manchen Interessensvertretern ebenfalls effektiv eingesetzt - unabhängig davon, dass es dort wie hier der falsche Begriff ist.  

Das Argument der Partei gegen eine Freigabe von ökologischen Vorrangflächen, um Futter für Tiere gewinnen zu können, ist das "Insektensterben". Als Beleg angeführt wird die Rote Liste Niedersachsens, derzufolge 1.432 Insektenarten in eine Gefährdungskategorie eingestuft sind. Die niedersächsische Landesregierung macht allerdings darauf aufmerksam, dass Insekten bisher nur sporadisch Gegenstand langfristiger Untersuchungen waren. 

Neue Arten können auch auf Roter Liste landen

Beachtenswert zum Thema Rote Liste ist auch eine Einschätzung des Agrarstatistikers Georg Keckl. Er betont, dass es weder ein Honigbienensterben noch ein Wildbienensterben gebe. Die im Bundestag geäußerte Zahl von 39 ausgestorbenen Wildbienenarten seit 1980 sei nicht korrekt: "Von diesen 39 Wildbienenarten ist die erste 1818 ausgestorben, vermulich an den Folgen der modernen Landwirtschaft! Fünf Wildbienenarten sind schon vor 1900 ausgestorben, 28 zwischen 1900 und 1960, fünf zwischen 1961 und 1974 und die letzte 2001", so Keckl. In Wahrheit seien seit den 1980er Jahren eine Wildbienenart ausgestorben und 4 sind neu entdeckt worden und gleich auf die Rote Liste gekommen. So vermehre man auch die Tiere auf der Roten Liste.

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