Biofach Messe

Kleine Branche will hoch hinaus

Foto: has

Eine Errungenschaft der Marketingkampagne des Biosektors ist sein Alleinstellungsmerkmal in puncto Nachhaltigkeit. Diesen Gedanken will die Branche nun weiter streuen.


Die weltweit größte Messe für Biolebensmittel „Biofach“ steht zum 25-jährigen Jubiläum unter dem Motto „Organic 3.0“. Auf Organic 2.0, welches der heutigen Biogeneration entspricht, soll ein neues Vermarktungskonzept folgen. Die kleine Branche mit einem geringen Marktanteil am gesamten Lebensmittelhandel will mehr.

Anders als die konventionelle Landwirtschaft steht diese zwar nicht unter einem gesellschaftlichen Druck, doch ihr mangelt es an Reichweite. Überwiegend konsumiert der Bürger konventionell hergestellte Ware. Im Kongresszentrum diskutiert das Fachpublikum darüber, wie gute Werbung für Biolebensmittel gestaltet werden muss und welche Kanäle, die richtigen sind, um weit mehr potentielle Kunden - vor allem junge - zu erreichen. Ähnlich der Rewe-Kampagne „Du bist Zucker“ erreiche man die junge Kundschaft effektiv über YouTube und Internetblogs.

Rewe versuche damit die Deutungshoheit über Bio zu bekommen, urteilt der Unternehmensberater Jürgen Michalzik. Eine gefährliche Entwicklung für den Fachhandel, der sich nun geschlossen mit einer Art Gattungswerbung präsentieren müsse, anstatt in die eigene Werbung einzelner Hersteller zu investieren. Der Zuschauer merkt, die Branche bleibt in Kommunikationsfragen am Ball und ist sich bewusst, wie wichtig die Markenbildung vom Acker bis zum Tellerrand ist. Meist fällt das Wort 'Glaubwürdigkeit'.


Während der Veranstaltung „100 Percent Organic in 2050: How can that Happen“ wirbt der neue Öko-Verband Opta für neue Mitglieder. Er will auf EU-Ebene Lobbyarbeit für die Branche machen. Kritische Fragen zur biologischen Anbauweise stellt ein arabischer Agraringenieur aus dem Publikum, als es um bakterielle Erreger geht. Wie geht der Ökolandwirt mit Salmonellen um? Wie kann er Erreger unter Kontrolle halten? Der Riege der Podiumsteilnehmer fehlt eine Antwort. Am Ende heißt es, die industrielle Haltungsweise sei ein Bakterienherd.

Auch der international tätige Getränkehersteller Coca Cola Company positioniert sich im Schein der Biomesse zum Thema Biodiversität. Auf dem Podium moderiert der Geschäftsleiter für Nachhaltigkeit die Veranstaltung zum Thema „Herausforderung Biodiversität: Zusammenspiel zwischen Naturschutz, öffentlicher Hand und Wirtschaftsunternehmen“. Gemeinsam mit dem Verein Europarc, der Naturlandschaften schützt, stellt der Konzern ein Projekt zum Thema Gewässerschutz, dass er finanziell gefördert hat, vor. Das Messeprogramm zeigt, Unternehmen investieren an diesem Ort viel Energie in die Kommunikation ihrer Nachhaltigkeitsziele.
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