Biomüll

Leinen los für die Bioökonomie


Eines der 30 Exponate auf dem Schiff widmet sich nachwachsenden Rohstoffen.
Ilja Hendel/WiD
Eines der 30 Exponate auf dem Schiff widmet sich nachwachsenden Rohstoffen.

Auf einen Schiff demonstrieren Wissenschaftler an praktischen Beispielen den Nutzen von Reststoffen aus der Lebensmittelherstellung.

„Neues aus Biomüll“ ist der Titel des Exponats, das die Universität Hohenheim auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft bereitstellt. Das Schiff begibt sich Ende Juli auf eine gut elfwöchige Reise mit 19 Stationen in Städten zwischen Westfalen und Niederbayern. Prof. Andrea Kruse hat das interaktive Ausstellungsstück konzipiert: „Wie können Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden, ohne dem Nahrungsmittelanbau Konkurrenz zu machen? Das ist die Frage, die wir mit unserem Exponat auf spielerische Weise erklären wollen“, berichtet die Leiterin des Fachgebiets Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe an der Universität Hohenheim.

Diese Frage steht auch im Mittelpunkt ihrer Forschung. „Es ist ein Ziel der Bioökonomie, Produkte aus Biomasse statt aus Erdöl oder Kohle herzustellen“, erklärt Kruse den Beitrag, den die Landwirtschaft leisten kann. Dazu bedarf es einer Bioraffinerie, die über chemische Umwandlungsprozesse aus pflanzlicher Biomasse Ausgangsprodukte zum Beispiel für Kunststoffe oder Batterien synthetisiert. Die Universität betreibt dazu auf ihrer Versuchsstation am Unteren Lindenhof eine Technikums-Anlage.

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Für besonders wichtig hält es die Hohenheimer Wissenschaftlerin, mit diesen Biosynthesen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu treten. Deswegen sucht sie nach Alternativen zum Anbau von Biomasse auf Agrarflächen. „Wir verwenden die nicht-essbaren Nebenprodukte der Lebensmittel“, betont Kruse und nennt als Beispiele Weizenstroh oder Kaffeesatz.

Aus dem Stroh könnten Nylonstrümpfe und aus dem Kaffeesatz Energiespeicher für die E-Mobilität entstehen. Neben der günstigen Klimabilanz solcher Produkte liegt der Hohenheimer Professorin aber auch am Herzen, dass Landwirte damit Geld verdienen können. „Ich möchte, dass die Verfahren, die wir entwickeln, angewendet werden und ich die Produkte daraus in Geschäften kaufen kann“, umschreibt Kruse das langfristige Ziel der Hohenheimer Forschung.

Bei der Ausstellung hofft sie, dass die Besucher staunen, was sich aus den vermeintlichen Abfällen noch alles herstellen lässt, wenn man sie als Rohstoffe nutzt. Diese Zusammenhänge wird über einige Wochen Benedikt Löber darstellen. Der Hohenheimer Agribusiness-Student hat als Lotse auf dem Schiff angeheuert. Seine Aufgabe ist es, als Ausstellungsbetreuer das Hohenheimer Exponat zu erklären.

„Die Bioökonomie ist auch im Studium mein Steckenpferd“, begründet Löber sein Interesse an diesem außergewöhnlichen Nebenjob. „Ich freue mich sehr darauf, vor allem Kinder und Jugendliche für das Thema begeistern zu können“, ergänzt der junge Mann, der im Hohenheimer Studium kurz vor seinem Abschluss steht. Seine Master-Arbeit ist eingebunden in ein großes Bioökonomie-Projekt der Europäischen Union, das in Europa den Anbau von Hülsenfrüchten als nachhaltige Eiweißquellen vorantreiben will.

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