Konsumverhalten

Selbstwahrnehmung widerspricht der Realität


In Umfragen geben viele Verbraucher an, regelmäßig Biofleisch zu kaufen. Die Absatzzahlen zeigen, dass Selbstwahrnehmung und Realität nicht immer übereinstimmen.
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In Umfragen geben viele Verbraucher an, regelmäßig Biofleisch zu kaufen. Die Absatzzahlen zeigen, dass Selbstwahrnehmung und Realität nicht immer übereinstimmen.

90 Prozent der Verbraucher geben an, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Die Selbsteinschätzung steht im krassen Gegensatz zu den realen Marktanteilen.

Anlässlich der Nürnberger Fachmesse Biofach sind zwei Studien zum Thema Bio-Lebensmittel veröffentlicht worden, die zum Teil widersprüchliche Ergebnisse liefern. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stellte in seinem jährlichen Branchenreport dar, wie sich der Absatz von Nahrungsmitteln aus ökologischer Erzeugung entwickelt. Das Ökobarometer aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) fasst die Ergebnisse einer Verbraucherbefragung zusammen, bei der das Einkaufsverhalten unter die Lupe genommen wurde.

Fast alle kaufen gelegentlich Bio

Die Umfrage zeigt, dass 91 Prozent der Konsumenten zumindest gelegentlich Bio-Lebensmittel erwerben. Sechs Prozent geben an, ausschließlich Bio-Lebensmittel zu kaufen, 43 Prozent greifen häufig und 41 Prozent gelegentlich zu Lebensmitteln aus dem Ökolandbau, so die Antworten der Befragten.

Die Umfrage zeigt, dass die Lust auf Bio mit dem Alter steigt. Unter den 14- bis 29-Jährigen kaufen nur drei Prozent ausschließlich Bio-Lebensmittel, bei den über 60-Jährigen sind es neun Prozent. Über alle Altersstufen ist der Anteil der Bio-Verächter mit zehn bis elf Prozent relativ stabil. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen, in der nur vier Prozent angeben, „nie“ Bio-Lebensmittel in den Einkaufskorb zu legen.

Bio-Süßwaren sind kaum gefragt

Das beliebteste Produkt sind Eier, bei denen 34 Prozent der Käufer angeben, ausschließlich „bio“ zu kaufen. Am niedrigsten sind die Anteile bei Süßwaren und alkoholischen Getränken mit jeweils zwei Prozent. In allen Produktkategorien zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen den Selbsteinschätzungen der Verbraucher und den tatsächlichen Umsatzanteilen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

So liegt der Marktanteil von Eiern aus biologischer Erzeugung bei nur 14,1 Prozent, obwohl mehr als ein Drittel der Befragten behauptet, ausschließlich Bio-Eier zu kaufen. Ähnlich groß ist die Diskrepanz bei Milchprodukten, wo 18 Prozent nur „bio“ kaufen, die Marktanteile von Konsummilch (10,1 Prozent), Joghurt (7,4) und Milchrahmerzeugnissen (4,8) aber deutlich darunter liegen. Bei Kartoffeln (19 zu 6,9 Prozent), Brot (12 zu 4,1 Prozent) sowie Obst und Gemüse (17 zu 7,5 Prozent) sind die Verhältnisse ähnlich. Bei Fleisch, Fleischwaren und Wurst will jeder Zehnte reiner Bio-Kunde sein; der tatsächliche Marktanteil liegt aber nur bei 2,6 Prozent für Rotfleisch und 1,6 Prozent bei Fleischwaren und Wurst.

Faire Preise und Regionalität

Beim Einkauf von Lebensmitteln beschäftigen die Konsumenten die Kriterien faire Herstellungs- und Anbaubedingungen, Regionalität und biologischer Anbau am stärksten. In diesen Kategorien geben deutlich mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass ihnen die Themen „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ sind.

Die Verbraucherbefragung ergab außerdem, dass Bioprodukte vor allem im Supermarkt (88 Prozent der Teilnehmer), beim Discounter (72), Bäcker (64), auf dem Wochenmarkt (61) und beim Metzger (59) gekauft werden. Spezialisierte Bio-Supermärkte (41) und Reformhäuser (29) sind dagegen weniger beliebt.

Beim Kauf von Bio-Lebensmitteln ist die Unterstützung einer artgerechten Tierhaltung mit 95 Prozent für die Konsumenten das wichtigste Motiv. 93 Prozent wollen regionale Betriebe fördern, 92 Prozent geben ein faires Einkommen für den Erzeuger als Grund für den Griff zur Bioware an.

Lebensmittelskandale spielen mit 62 Prozent eine weniger wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. Viele Verbraucher wünschen sich regional erzeugte Bio-Lebensmittel. 78 Prozent geben an, dass ihnen dieser Aspekt  „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ ist. Im Supermarkt wählen etwa drei Viertel nach eigenem Bekunden bewusst regionale Lebensmittel. Zwei Drittel kaufen regionale Lebensmittel beim Erzeuger, etwa im Hofladen oder auf dem Markt.

Das Ökobarometer ist eine in regelmäßigen Abständen vom Bundesministerium für Ernährung und Land­wirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebene repräsentative telefonische Umfrage. Die Befragung beschäftigt sich insbesondere mit dem Konsum von Bio-Lebensmitteln unter Verbraucherinnen und Verbrauchern. Für das „Ökobarometer 2019“ wurde das Marktforschungsinstitut Infas mit der Durchführung beauftragt. Die Erhebung mit rund 1.000 Imteviews fand von Ende Juli bis Ende August 2019 statt.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Alexander von Bülow, INTELLIGENZ SYSTEM TRANSFER, Hannover
    Erstellt 13. Februar 2020 18:21 | Permanent-Link

    Die Befrageritis hat einmal mehr ein Artefakt erzeugt. Zum Glück stehen in diesem Fall Fakten den Befragungsantworten gegenüber, die ihrerseits als Fakten missverstanden werden. Einblicke in die Wirkzusammenhänge des Einkaufsverhaltens und Aufklärung liefern die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die psychologische Natur des Menschen. Diese heranzuziehen und selbständig anzuwenden und Ereignisse zu durchdenken, ist leider mühsamer als der schnelle Griff in die Befragungskiste. Wer diesen Aufwand nicht scheut, wird allerdings durch profunde Einsichten belohnt.

  2. Wilhelm Hahn
    Erstellt 13. Februar 2020 18:23 | Permanent-Link

    Jawohl alles Bio und alles Natur belassen,das wärs doch.
    Da stellt sich doch die Frage,was ist mit den natürlichen Schadstoffen? Über 90% aller Gifte die bekannt sind ,sind in der Natur.Ich nenne einmal zwei,Fusarium und Mutterkorn.
    An einer hessischen Uniklinik wurde ein acht jähriges Kind an Fusariumvergiftug behandelt.
    Der leidende Prof.fragte die Mutter :" Sie werden doch wohl keine Biolebensmittel essen,.diese Fälle häufen sich" Das Biomüsli war mit Fusarium belastet.
    Stellt sich die Frage der Produkthaftung

  3. Karl Heinz
    Erstellt 19. Februar 2020 06:26 | Permanent-Link

    Frage: welches Europäische Volk ist das Dümmste ? Beziehungsweise von allen Völkern der Erde

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