Biosprit

Industrie schlägt Pflöcke ein

Ab September dürfte die Debatte um Biokraftstoffe und Klimaziele auf dem Berliner Parkett an Schwung gewinnen. Wirtschaftsvertreter beziehen schon einmal Position.

Nach der Sommerpause kommt das Thema Erneuerbare Energien Richtlinie, kurz Red 2, wieder auf den Tisch. Die zuständigen Ressorts Umwelt und Wirtschaft werden sich abstimmen. Davon sind Vertreter aus Agrarverbänden und Politik in Berlin überzeugt. Grund für die Branche, schon einmal Pflöcke einzuschlagen, bevor die Debatte startet.

Für Erneuerbare Energien im Verkehrsbereich gilt das einmal mehr, haben sich EU-Kommission, EU-Parlament und Rat doch erst vor rund zwei Monaten darauf verständigt, die Verwendung von erneuerbaren Kraftstoffen der so genannten 1. Generation aus Anbaubiomasse nach 2020 zu deckeln. Passend dazu empfingen der Verband der Biokraftstoffindustrie (VDB) und sein Mitgliedunternehmen ADM die CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Kranich in der Mainzer Ölmühle des US-Konzerns. Die Politikerin sollte sich vor Ort und im Gespräch mit Branchenvertretern ein Bild davon machen, was es für Biosprithersteller und Landwirte bedeutet, sollte die Red 2 wie im Brüsseler Trilog vereinbart greifen.  

Deckel für 1. Generation

Der Mitte Juni in den Trilog-Verhandlungen in Brüssel erreichte Kompromiss zur RED 2 sieht für den Transportsektor einen Anteil an erneuerbaren Energien von mindestens 14 Prozent bis 2030 vor. Allerdings werden Elektromobilität und Biotreibstoffe der 2. Generation mehrfach auf dieses Ziel angerechnet, sodass es für die konventionellen Biokraftstoffe wie Bioethanol oder Biodiesel aus Ackerpflanzen eng werden könnte. Der VDB befürchtet, dass der  Anteil dieser Biokraftstoffe von heute 3,8 Prozent auf knapp 2 Prozent sinkt, sollten die Beschlüsse so umgesetzt werden.

Im Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten in Mainz plädierten VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann und Jaana Kleinschmit, Geschäftsführerin der ADM-Ölmühle in Mainz, dafür, den Anteil von Biokraftstoffen am Verkehrsmix in Deutschland auch nach 2020 auf heutigem Niveau zu stabilisieren. Für Biodiesel sei die Nachfrage der Raffinerien gut, so Baumann. Biodiesel-Werke in Deutschland produzierten 3 Mio. t von dem alternativen Kraftstoff jährlich, von denen der deutsche Markt 2 Mio. t aufnehme. Für Koppelprodukte wie Rapsschrot oder Sojaschrot gebe es eine robuste Nachfrage der Mischfutterindustrie.

CDU-Abgeordnete demonstriert Wohlwollen

„Für den Standort Mainz ist wichtig, dass Deutschland seine klimapolitische Verantwortung wahrnimmt, die gesetzgeberischen Spielräume nutzt und nachhaltigen Biodiesel weiter fördert“, betonte Kleinschmit. Groden-Kranich zeigte sich aufgeschlossen für die Belange der Biokraftstoffindustrie – auch weil sie durch ihren Wahlkreis Mainz/Mainz-Bingen einen starken Bezug zur regionalen Landwirtschaft als Rohstofflieferanten für die Branche habe, erläuterte sie. „Deshalb werde ich mich im Bundestag dafür einsetzen, dass herkömmliche Biokraftstoffe auch weiter einen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland leisten können“, sagte Groden-Kranich.

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