BMU-Agrarkongress

Schlagabtausch zwischen Schulze und Klöckner


Die Reibereien zwischen dem Agrar- und Umweltressort sind heute offen zu Tage getreten.
Bild: az
Die Reibereien zwischen dem Agrar- und Umweltressort sind heute offen zu Tage getreten.

Die beiden Bundesministerinnen tragen heute in Berlin ihren Zwist über unterschiedliche Positionen zur Landwirtschaft offen aus. Wissenschaftler fordern von den Politikerinnen eine bessere Zusammenarbeit.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) übt heute auf dem Agrarkongress ihres Ministeriums Kritik an der Gemeinsamen Agrarpolitik. Die GAP sei die Stellschraube für die Landwirtschaft, die die Richtung für die Bewirtschaftung vorgibt. Doch die neuen Vorschläge zur GAP 2021 seien wenig innovativ. Als zu zaghaft bezeichnete Schulze die Ansätze der EU-Kommission zu mehr Umweltschutz in der GAP. Selbst die ihrer Meinung nach wenig erfolgreichen Greeningmaßnahmen sollen nicht mehr fortgeführt werden.

BMEL lanciert unverzüglich Gegendarstellung

Schulze griff ihre Kabinettskollegin Julia Klöckner (CDU) direkt an. Sie sei sich über die Umweltaspekte nicht bewusst. "Wir stimmen uns über eine gemeinsame Position zur GAP nicht ab", erklärt die Umweltministerin. "Deshalb laufen wir Gefahr, dass wir in Brüssel bei der Umsetzung der neuen GAP nicht gehört werden." Noch während des Agrarkongresses reagierte das Agrarministerium. „Fragen des Beitrags der Landwirtschaft zu Klima- und Umweltschutz, zum Erhalt der Biodiversität sowie des Tierwohls nehmen eine zentrale Rolle ein. Deshalb hat Bundesministerin Klöckner vielfach deutlich gemacht, dass sie ein höheres Umweltambitionsniveau der GAP anstrebt", heißt es in einer Pressemitteilung zur Kritik von Schulze. In die Abstimmung der deutschen Position sei das Bundesumweltministerium eng eingebunden, so das BMEL.

Stellvertretend für die Wissenschaftler auf dem Kongress, die über die künftige Ausrichtung der GAP mit mehr Biodiversität diskutierten, forderte Alexander Müller vom Think Tank für Nachhaltigkeit (TMG) die beiden Ministerien auf, zusammenzuarbeiten. Sonst wären alle Bemühungen umsonst, einen Gesellschaftsvertrag zur Landwirtschaft, der die Bedürfnisse von Landwirtschaft, Umweltschutz, Artenvielfalt und Verbraucher berücksichtigt, auf den Weg zu bringen.

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  1. K. Gehring
    Erstellt 16. Januar 2019 10:22 | Permanent-Link

    Der Zwist zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ist zwar schon historisch, aber dennoch kaum mehr zu ertragen. Im Konflikt zwischen den Anforderungen der Lebensmittelindustrie und diversen NGO´s wird die konventionelle Landwirtschaft zerrieben. Was fehlt sind konkrete Vorstellungen, wie die konventionelle Landwirtschaft effizient produzieren kann und angemessen mit den natürlichen Ressourcen umgehen soll.
    Mit gegenleistungslosen Forderungen, die eine wirtschaftliche Produktion in Frage stellen und den sozialen und medialen Pranger, an den die Landwirte gestellt werden, wird der Strukturwandel nur noch stärker hin zu "anonymisierten" Großbetrieben getrieben.

  2. Roland Schulenberg
    Erstellt 21. Januar 2019 11:47 | Permanent-Link

    Zum diesem Thema habe ich bei einfacher Internet-Suche sofort diesen Artikel von 2006 gefunden, in dem das Problem erklärt und bereits in der Zusammenfassung relativiert wird.
    https://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2006_09_1209.pdf

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