Bodenmarkt

Ausverkauf im Osten


Ortsfremde Investoren schnappen sich immer mehr Kapital und damit Flächen von Agrarunternehmen. Das Grundstücksverkehrsgesetz verliert an Bedeutung. 


Aktuelle Untersuchung
Das Thünen-Institut in Braunschweig hat 853 Agrarunternehmen verschiedener Rechtsformen (GmbH, GmbH & Co. KG, Genossenschaft, Aktiengesellschaft) in zehn ostdeutschen Landkreisen daraufhin untersucht, wer die aktuellen Kapitaleigentümer sind und welche Veränderungen der Eigentümerstruktur seit 2007 stattgefunden haben. Die Studie knüpft an eine Untersuchung aus dem Jahr 2015 an. Sie beinhaltet zwei zusätzliche regionale Fallstudien in Brandenburg und stellt auch in den anderen Fallregionen die aktuellen Entwicklungen bis Anfang 2017 dar. Die Studie „Überregional aktive Kapitaleigentümer in ostdeutschen Agrarunternehmen: Entwicklungen bis 2017“ ist als Thünen-Report 52 erschienen und auch als kostenfreier Download erhältlich.

 

Laut der aktuellen Studie des Thünen-Instituts halten überregional aktive Investoren bei 34 Prozent der untersuchten landwirtschaftlichen Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern die Kapitalmehrheit. Sie bewirtschaften damit 25 Prozent der von juristischen Personen bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche in den Fallregionen. Jeweils die Hälfte der Fläche entfällt auf Landwirte aus anderen Bundesländern sowie auf nichtlandwirtschaftliche Investoren aus anderen Wirtschaftsbereichen. Im betrachteten Zehnjahreszeitraum sind in 155 Fällen die Kapitalmehrheiten auf neue Eigentümer übergegangen. In 72 Prozent dieser Fälle sind die Käufer überregional aktive Investoren. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg liegen die Anteile deutlich über dem Gesamtdurchschnitt.

Immer mehr Fläche, die von juristischen Personen bewirtschaftet wird, ist deren Eigentum, immer weniger ist gepachtet, haben die Wissenschaftler des Thünen-Instituts herausgefunden. Lag der Eigentumsanteil im Jahr 1999 nach Angaben der Statistik noch bei 5 Prozent, ist er bis 2016 auf 25 Prozent angewachsen. Folglich geht über den Kauf von Kapitalanteilen an Agrarunternehmen immer mehr Eigentumsfläche indirekt auf die neuen Investoren über. Während der Kauf von Landwirtschaftsfläche nach dem Grundstückverkehrsgesetz behördlich genehmigt werden muss, sind die "Share Deals" bislang nicht gesetzlich reguliert. „Die Entwicklung führt dazu, dass das Grundstückverkehrsgesetz in Ostdeutschland faktisch zunehmend an Wirksamkeit verliert“, sagt Andreas Tietz, Wissenschaftler am Thünen-Institut für Ländliche Räume und Autor der Studie.

 

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