Der Bauernbund Brandenburg will den Verkauf von Ackerland an außerlandwirtschaftliche Investren unterbinden.
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Der Bauernbund Brandenburg will den Verkauf von Ackerland an außerlandwirtschaftliche Investren unterbinden.

Der Verkauf eines ostdeutschen Großbetriebes durch einen ehemaligen Bauern-Funktionär sorgt in der Landwirtschaft für Diskussionen. Scharfe Kritik kommt vom Bauernbund aus Brandenburg.

Klaus Kliem, ehemaliger Präsident des Thüringer Bauernverbands, hat einen größeren Agrar­betrieb an eine Stiftung der Aldi-Erben verkauft. Die Geithainer Landwirtschafts mbH aus der Nähe von Leipzig ging laut Kaufvertrag am 27. September an ein Unternehmen der Boscor-Gruppe, das dem Handelsregister zufolge der Lukas-Stiftung gehört. Die Stiftung ist eine der drei Eigentümerinnen des Lebensmittel-Discounters Aldi Nord. Nähere Angaben zum Einstieg und zum Kaufpreis, macht die Boscor-Gruppe nicht.

Verkäufer ist ein Tochterunternehmen der Agrar-, Dienstleistungs-, Industrie- und Baugesellschaft mbH (Adib) aus Bad Langensalza, eine Firma, an der die Familie Klaus Kliem 52 Prozent hält. Der Betrieb in Sachsen bewirtschaftet nach  Schätzungen etwa 1.500 Hektar. Zu DDR-Zeiten war Klaus Kliem hochrangige SED-Funktionär auch Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Tierproduktion Aschra. Das spätere CDU-Mitglied war von 1990 bis 2012 Präsident des Thüringer Bauernverbandes (TBV). Im Jahr 2017 hat das Landratsamt des Unstrut-Hainich-Kreises gegen Kliem, ein Schweinehaltungsverbot verhängt, nachdem gravierende Tierschutz-Mängel bekannt wurden. Zuvor wurde er Aufgrund seiner „außerordentlichen Verdienste für den Berufstand“  zum TBV-Ehrenpräsident ernannt.

Mit dem Kauf der Geithainer Landwirtschafts mbH habe die Aldi-Stiftung nun zwei Agrarbetriebe, sagte Con­stan­tin Frhr. v. Reitzen­stein, Geschäftsführer der Bos­cor-Gruppe. Die Familie legt offenbar verstärkt ihr Vermögen in Ackerflächen an. Bereits im Juni 2019 hatten die Aldis, die Agrargenossenschaft Kayna in Sachsen Anhalt gekauft. Zu eventuell weiteren geplanten Käufen, äußerte v. Reitzenstein  nicht. „Grundsätzlich“, so meinte er lediglich, „haben wir immer Interesse zu wachsen.“

Aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus wächst in der Tat die Begehrlichkeit große Kapitalanleger im Hinblick auf landwirtschaftliche Flächen. Durch Bewirtschaftung und Verpachtung von Land lassen sich offensichtlich noch einträgliche Renditen erzielen.

Solche Finanzinvestoren trugen auch dazu bei, dass die Ackerpreise deutlich gestiegen sind. Sie sollen sich zum Beispiel in Sachsen-Anhalt seit 2009 auf 22.500 Euro je Hektar verdoppelt haben. Die Zahlen beruhen auf Verkäufen der bundeseigenen BVVG, geben aber Hinweise auf die Gesamtentwicklung. Praktischen Landwirten  falle es bei diesen Preisen schwer, noch Land zu erwerben, beklagen Bauernverbände. Nach den Plänen von Linken und Grünen soll der Thüringer Landtag in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Gesetz beschließen, welches den Aufkauf von Äckern, Wäldern und Agrarbetrieben durch landwirtschaftsfremde Investoren verhindert.

Der Bauernbund Brandenburg sieht den Verkauf an die ALDI-Stiftung als einen „wichtigen Hinweis für die Reform der Europäischen Agrarpolitik“. Kritisiert wird der Deutsche Bauernverband Bauernverband (DBV), der seit Jahren eine Kappung der Agrarsubventionen verhindere. „Gleichzeitig verscherbeln seine Spitzenfunktionäre ihre Großbetriebe – mit dem Ergebnis, dass jetzt eine der reichsten Familien Deutschlands bis zum letzten Hektar vom Staat mit Steuergeldern vollgepumpt wird“, kritisierte Bauernbund-Präsident Marco Hintze, Landwirt aus Krielow im Havelland: „Wenn Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner einen Rest an Verantwortungsbewusstsein hätte, würde sie sich bei den Verhandlungen über den EU-Agrarhaushalt dafür einsetzen, dass Fördermittel nur noch bis zu einer betrieblichen Obergrenze und nur noch an ortsansässige Bauern ausgezahlt werden.“

Die Argumentation, dass die ostdeutsche Landwirtschaft durch eine Kappung geschwächt würde, führt nach Auffassung des Bauernbundes in die Irre, da Gewinne überregionaler Investoren ohnehin nicht auf den Dörfern bleiben, sondern in ferne Konzernzentralen wandern. „Unsere ortsansässigen Bauern würden durch eine Kappung eher gestärkt“, meint Hintze.

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