Bundesgericht

Brasiliens Farmer fürchten Glyphosat-Verbot


Die Entscheidung eines brasilianischen Bundesgerichts zu Glyphosat sorgt in der Landwirtschaft für Unruhe. Branchenvertreter warnen vor unabsehbaren Folgen.

Eine richterliche Anordnung zu drei Pflanzenschutzmitteln beschäftigt in Brasilien die Agrarbranche. Ein Bundesgericht in der Hauptstadt Brasilia  hatte am Freitag festgelegt, dass vorerst keine neuen Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Glyphosat, Abamecitin und Thiram zugelassen werden. Bestehende Zulassungen sollen in den kommenden 30 Tagen aufgehoben werden.

Hintergrund des Verfahrens ist ein seit Jahren verzögertes Prüfverfahren durch die Gesundheitsbehörde Anvisa. Anvisa hat seit 2014 den Auftrag, die drei Wirkstoffe toxikologisch ne u bewerten. Bisher liegen keine Ergebnisse vor. Die Richter geben der Anvisa nun bis Jahresende Zeit, ein Ergebnis zu liefern. Sollte dies nicht geschehen, müssen die verantwortlichen Mitarbeiter ab dem 1. Januar 2019 für jeden weiteren Tag Verzögerung ein Zwangsgeld von 10.000 Real (2.321 €) zahlen.

Urteil kommt während Aussaat

In der Agrarbranche stieß das Urteil auf massive Kritik. Das Glyphosat-Verbot fällt mitten in die Zeit, in der in Brasilien Sojabohnen gesät werden. Der brasilianische Verband der Sojabohnenproduzenten (Aprosoja Brasil) kündigte an, gegen die Gerichtsentscheidung Berufung einzulegen. Geschäftsfüher Fabrício Rosa verwies am Montag darauf, dass 96 Prozet der in Brasilien angebauten Sojabohnen glyphosattolerant seien. Betroffen sei außerdem der Anbau von Mais und Baumwolle. „Wenn sie kein Glyphosat nehmen, müssen Sie etwas giftigeres verwenden", argumentierte er. Der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Agroconsult, André Pessoa, ist davon überzeugt, dass der Gerichtsbeschluss aufgehoben wird. „Es ist, als ob eine Behörde entscheidet, dass Brasilien ab heute kein elektrisches Licht mehr hat", sagte er.

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