Bundesrat

Länder fordern Festpreise für Antibiotika

Die Bundesregierung will Tierärzte dazu verpflichten, vor der Antibiotikagabe an Nutztiere ein Antibiogramm zu erstellen. Der Bundesrat hat der Regierungsverordnung heute zugestimmt, verlangt allerdings noch schärfere Vorgaben.

Der Bundesrat stimmt den Vorschlägen des Bundesagrarministeriums zur Änderung der tierärztlichen Hausapotheken, also der Vergabe von Antibiotika durch Tierärzte, zu. Ziel ist es, Antibiotikaresistenzen einzudämmen.

Die Länderkammer fordert jedoch weitere Maßnahmen von der Bundesregierung. So solle diese Festpreise für Antibiotika festlegen, um wirtschaftliche Anreize durch Rabattierungen beim Verkauf großer Mengen an Antibiotika zu beseitigen. Außerdem fordern die Länder die Bundesregierung auf, eine Liste der Reserveantibiotika in der Humanmedizin zu erstellen. So hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium in seiner Regierungsverordnung gefordert, dass Antibiotika, die Cephalosporine der dritten oder vierten Generation oder Fluorchinolone enthalten, nur dann an Nutztiere, aber auch an Hunde oder Katzen abgegeben werden dürfen, wenn ansonsten die notwendige ärztliche Versorgung der Tiere ernsthaft gefährdet ist. So sieht es auch der Bundesrat.

Neue Regeln für tierärztliche Hausapotheken

Bundeslandwirtschaftsministerium und Bundesrat sind sich einig, dass Tierärzte künftig ein Antibiogramm erstellen sollen, bevor sie Antibiotika verschreiben. Dazu sollen in einem Labortest die Krankheitserreger, die durch das Medikament bekämpft werden sollen, auf ihre Empfindlichkeit gegenüber antibiotischen Wirkstoffen getestet werden. Dadurch sollen die Therapie optimiert und Resistenzen vorgebeugt werden. 

Die Antibiogrammpflicht gilt für die Behandlung von Schweinen, die in Stallabteilungen oder im Freien gehalten werden und bei deren Behandlung der antibakterielle Wirkstoff gewechselt wird oder die Behandlung häufiger als einmal in einem bestimmten Alters- oder Produktionsabschnitt stattfindet.

Wie es weitergeht

Die geschäftsführende Bundesregierung kann die Verordnung nun mit den vom Bundesrat beschlossenen Änderungen in Kraft setzen. "Mit der Verordnung wird der Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin strikter als bisher geregelt, damit Therapieoptionen erhalten blieben. Die Verordnung ist ein wichtiger Baustein, um Antibiotikaresistenzen einzudämmen"“, teilte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) dazu mit.

Kritik an den Änderungen äußerte bereits im Vorfeld der Bundesratssitzung der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt). Der bpt hatte insbesondere die Antibiogrammpflicht als wirkungslos und teuer für die Tierhalter, die die Tests mit den Behandlungskosten bezahlen müssten, kritisiert. Denn der Rückgang der Antibiotikamengen in der Tierhaltung in den vergangenen Jahren sei bereits dokumentiert, so der bpt.

 

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