Bundesrat

Schärfere Vorgaben für Antibiotika

Die Länderkammer wird am kommenden Freitag über eine Änderung des Arzneimittelgesetzes abstimmen. Das Bundesagrarministerium plant darin unter anderem ein Verbot, den Einsatz von Reserve-Antibiotika auf andere Krankheiten oder Tiere anzuwenden, als in der Zulassung festgelegt.

Ziel der Änderungen ist, die Zunahme von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Dazu hat das Bundeslandwirtschaftsministerium Vorschläge vorgelegt, die Änderungen der tierärztlichen Hausapotheken, also der Vergabe von Antibiotika durch Tierärzte, betreffen.

Dazu ist unter anderem ein Umwidmungsverbot kritischer Antibiotika auf andere Tierarten oder Krankheiten geplant als in der Zulassung vorgeschrieben. So sollen Antibiotika, die Cephalosporine der dritten oder vierten Generation oder Fluorchinolone enthalten, nur dann an Nutztiere, aber auch an Hunde oder Katzen abgegeben werden dürfen, wenn ansonsten die notwendige ärztliche Versorgung der Tiere ernsthaft gefährdet ist.

Kampfansage an Mengenrabatte

Darüber hinaus sollen Tierärzte dazu verpflichtet werden, vor der Antibiotikagabe an Nutztiere ein Antibiogramm zu erstellen. Dazu sollen in einem Labortest die Krankheitserreger, die durch das Medikament bekämpft werden sollen, auf ihre Empfindlichkeit gegenüber antibiotischen Wirkstoffen getestet werden. Dadurch sollen die Therapie optimiert und Resistenzen vorgebeugt werden.

Der Agrarausschuss und der Gesundheitsausschuss empfehlen dem Bundesrat, der Verordnung des Bundesagrarministeriums zuzustimmen. Allerdings knüpft der federführende Agrarausschuss seine Empfehlungen an Änderungen der Verordnung: So soll die Bundesregierung eine Liste der für die Humanmedizin kritischen Antibiotika erstellen, deren Einsatz in der Tiermedizin verboten beziehungsweise eingeschränkt werden soll. Außerdem soll die Bundesregierung Festpreise für Antibiotika festlegen, um wirtschaftliche Anreize für Mengenrabatte zu beseitigen.

Tierärzte dringen auf Vertagung

Als unverhältnismäßig kritisiert der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) die geplante Verpflichtung, Antibiogramme zu erstellen. Doch in der Zielsetzung, den Einsatz von Antibiotika durch Tierärzte zu reduzieren, sei die Bundesregierung längst von der Realität überholt worden, so der Verband. „Bekanntermaßen haben sich die Antibiotikaabgabemengen an Tierärzte im Zeitraum 2011 bis 2016 um mehr als 50 Prozent reduziert. Auch bei den sogenannten kritischen Antibiotika ist ein kontinuierlicher Rückgang festzustellen“, schreibt der bpt in einer Pressemitteilung von Dienstag. Die Änderung würde daher den Tierärzten zufolge keinen Nutzen haben, sondern nur die Kosten der Tierhalter für Behandlungen in die Höhe treiben.

Der bpt dringt daher darauf, dass der Bundesrat seine Entscheidung noch einmal vertagt. Am besten bis April 2019, denn dann sei eine Evaluierung der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes vorgesehen.

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