Chefsache

Merkel will im Wolfsstreit schlichten


Der große Erfolg der Wiederansiedlung des Wolfes dürfe nicht verloren gehen, gab der BUND zu bedenken.
Bild: NABU
Der große Erfolg der Wiederansiedlung des Wolfes dürfe nicht verloren gehen, gab der BUND zu bedenken.

Nach monatelanger Uneinigkeit zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium schaltet sich jetzt die Kanzlerin bei Thema Wolf ein. Interessensvertretungen aller Couleur begrüßen das.

Im Zwist um das Wolfsmanagement will das Bundeskanzleramt vermitteln. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer wollte sich zwar nicht zu „internen Abläufen“ äußern, wies aber darauf hin, dass der Vorgang durchaus üblich sei, wenn die Ministerien nicht zu einer Lösung kämen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) streiten seit Monaten darüber, wann der Abschuss eines Wolfes erfolgen darf. Die Tiere sind von EU-Seite durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützt. Klöckner möchte niedrigere Hürden für einen Abschuss, Schulze möchte das erschweren. Laut Medienberichten war das Thema bereits zweimal Gegenstand des Koalitionsausschusses, ohne zu einer Einigung zu führen.  

Eberhart Hartelt, der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), drängt auf eine Lösung. Er bezichtigte das Bundesumweltministerium der Blockade und forderte die kurzfristige und konsequente Regulierung des Wolfes. Das beinhaltete auch die Einrichtung von wolfsfreien Zonen.

Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) erklärte, die unzureichende rechtliche Regelung und die mangelnde finanzielle Unterstützung der Landwirte könne zum wirtschaftlichen Ruin führen. Daher forderte der BDL die vollständige Erstattung präventiver Herdenschutzmaßnahmen, eine angemessene Entschädigung der Landwirte nach einem Vorfall einschließlich aller verletzten und fehlenden Tiere. Außerdem soll die Beweislast bei Wolfsangriffen umgekehrt werden. 

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) forderte mit Blick auf die am Mittwoch in Hamburg beginnende Umweltministerkonferenz von der Politik praxisnahe und vorausschauende Entscheidungen. Der Wolf soll rechtzeitig auf ein vertretbares Maß begrenzt werden, ehe die Weidehaltung unserer Tiere weiter stark zurückgeht, erklärte der BDM-Vorsitzende Stefan Mann.

Streit nütze niemandem

Silvia Bender von BUND begrüßte die Übernahme des Dialogs durch das Kanzleramt. Die monatelange Eskalation nütze weder der Agrarwirtschaft noch dem Umweltschutz. Es müsse endlich deutschlandweit einheitliche Regeln geben, wann eine Entnahme möglich sei. Bei der Entschädigung für Bauern müsse die Bundesregierung massiv nachbessern. Das sei übrigens durch die EU vollumfänglich möglich. „Wir benötigen eine gute, pragmatische Lösung, um den wegweisenden Erfolg der Wiederansiedlung nicht zu verlieren“, sagte Bender gegenüber agrarzeitung.de.

Der Naturschutzbund Nabu fügte hinzu, Schulze und Klöckner mögen sich endlich ein Beispiel an ihren europäischen Kollegen nehmen und beim Herdenschutz zusammenarbeiten. Die Lösung liege im Ausbau von präventiven Herdenschutzmaßnahmen und nicht in juristischer Wortklauberei, Schutzstatusänderungen oder gar wolfsfreien Zonen.

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