China

Schweinepest breitet sich aus


Die chinesische Vorliebe für schlachtwarmes Fleisch begünstigt die Ausbreitung der Seuche.
Bild: Pixabay / Hobbyfoto
Die chinesische Vorliebe für schlachtwarmes Fleisch begünstigt die Ausbreitung der Seuche.

Weltweit spekulieren Experten über Ausmaß und Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China. In einer umfangreichen Analyse versucht der Auslandsservice des US-Agrarministeriums (FAS) den Nebel zu lichten.

Klar scheint zu sein, dass es in China deutlich mehr ASP-Fälle gibt, als die Behörden offiziell bekannt geben. Bis zum 30. Juni meldete China 143 Ausbrüche an die Tiergesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (OIE). Im 1. Halbjahr 2019 sank die Zahl gegenüber der 2. Jahreshälfte 2018. Dies sei auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Seuche zurückzuführen, so die Interpretation der Regierung in Peking. Die Experten des USDA gehen dagegen davon aus, dass die Zahl der tatsächlichen Fälle weitaus höher liegt. Dass weniger Fälle gemeldet werden, liege am Verhalten der Provinzregierungen, die den Eindruck erwecken wollten, die Seuche erfolgreich zu bekämpfen. Weil verlässliche Daten zur Ausbreitung fehlten, könne die Seuche nicht effektiv bekämpft werden.

Dennoch wird erwartet, dass sich der Rückgang der Schweinebestände verlangsamt. Bis zum Jahresende könnte die Schweineherde auf 340 Mio. Tiere schrumpfen, das wäre innerhalb von zwei Jahren ein Rückgang von 23 Prozent. Die Zahl der Sauen könnte sich um 40 Prozent auf 26 Mio. Tiere verringern. Die Entwicklung sei nur schwer vorherzusagen, so der Bericht.

Betriebe wandern in die Berge ab

Beobachtet werde, dass in dünn besiedelten Regionen des Landes große industrielle Anlagen zur Schweineproduktion entstünden. Die hohen Preise, die in Zukunft erwartet werden, motivierten viele Kleinbauern, in die Schweinehaltung einzusteigen oder diese auszuweiten. Weil dort das Infektionsrisiko kleiner ist, wandert die Produktion aus den dicht besiedelten Ebenen im Osten Chinas in die Berge ab. Das Vorgehen wird mit einem Lotteriespiel verglichen. Bleibt eine ASP-Infektion aus, locken hohe Gewinne. Erkranken die Tiere, drohen Verluste.

Gefördert werde die Ausbreitung der ASP durch die Vorliebe der Chinesen für frisch geschlachtetes "warmes" Schweinefleisch. Dazu müssen lebende Tiere in die dicht besiedelten Verbrauchszentren transportiert werden. Besser wäre es, die Schweine vor Ort zu schlachten und gekühlt zu transportieren. Dazu müssten die Verbraucher aber ihr Konsumverhalten ändern.

Importe könnten sich mehr als verdoppeln

Die ASP hat schon jetzt einen spürbaren Einfluss auf die Schweinefleischnachfrage, die nach Schätzungen des USDA in diesem Jahr um 9 Prozent auf 50,5 Mio. t sinken könnte. Hauptgrund seien nicht die gestiegenen Preise, sondern unbegründete Ängste vor gesundheitlichen Schäden beim Verzehr von infiziertem Fleisch. Die ASP-Krise verstärke den bereits seit einigen Jahren bestehenden Nachfragerückgang für Schweinefleisch. Wohlhabendere Verbraucher würden sich vielseitiger ernähren und mehr Rind- und Geflügelfleisch verzehren.

Trotz der geringeren Nachfrage wird China in diesem und im kommenden Jahr deutlich mehr Schweinefleisch importieren. Nach 1,56 Mio. t im vergangenen Jahr könnte die Volksrepublik in diesem Jahr 2,5 Mio. t und im kommenden Jahr 3,5 Mio. t auf dem Weltmarkt kaufen. Grundsätzlich sei das globale Angebot groß, sodass der Bedarf gedeckt werden könne. Probleme könne es aber geben, wenn Marktstörungen die Verfügbarkeit beeinträchtigten. Das USDA verweist dabei auf den aktuellen Importstopp von Schweinefleisch aus Kanada und die 25-prozentigen Strafzölle auf Lieferungen aus den USA.

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